"Warme ausnehmen"

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Um zu Geld zu kommen suchte ein 16-Jähriger Kontakt zu Homosexuellen, denen er zunächst "schöne Augen" machte um sie dann zu erpressen und auszurauben. Der Fall ist nun vor Gericht.

Einer abgefeimten Art zu Geld zu kommen ging ein 16-Jähriger im Vorjahr in Wien nach. In einschlägigen Plätzen wie dem abendlichen Rathauspark suchte er zunächst den Kontakt zu homosexuellen Männern, die auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer waren. Das mussten sie allerdings teuer bezahlen:
„Giovanni“, wie sich der 16-Jährige nannte, verlangte nachher plötzlich Geld und drohte ihnen unter anderem mit einer polizeilichen Anzeige wegen Verführung eines Minderjährigen. In einem Fall waren auch zwei Komplizen – darunter ein erst 15-Jähriger Bursch – und ein Messer im Spiel.

Wenig Reue

Sonderlich schuldbewusst wirkte „Giovanni“, der in Wahrheit ganz anders heißt und statt italienischen serbische Wurzeln hat, am Mittwoch vor einem Wiener Schöffensenat (Vorsitz: Beate Matschnig) nicht: „Ich habe von Freunden gehört, dass das geht. Ich hab’ nicht gewusst, dass das strafbar ist.“ Weil er kein Geld zum Fortgehen hatte, habe er beschlossen, „Warme auszunehmen“, wie er sich ausdrückte.

Das lief in den meisten Fällen so ab, dass er den Männern zunächst „schöne Augen“ machte, sich mitnehmen ließ und anschließend finanzielle Forderungen stellte. Für seine Opfer kam das völlig überraschend. „So hässlich bin ich nun wirklich nicht, dass ich es nötig hätte, zu einem Stricher zu gehen“, stellte ein 32-Jähriger Kellner im Zeugenstand klar.

Um keine Schwierigkeiten zu bekommen und weil der 16-Jährige handgreiflich wurde, überließen ihm vier Opfer dennoch zwischen 95 und 420 Euro, wobei es sich bei letzterem um einen Studenten handelte, dem der Erpresser drohte, er werde dessen Neigungen in seinem Studentenheim herumerzählen.

Auch gewalttätig

Weitaus mehr musste ein 24-jähriger Kellner zahlen, dem besonders übel mitgespielt wurde. Mit der Vorspiegelung, er werde ihn dort befriedigen, hatte der 16-Jährige diesen in einen Keller in Wien-Ottakring gelockt. Dort waren dann auch zwei Freunde zur Stelle. Nachdem man das Opfer zu Boden getreten hatte, wurden ihm die Brieftasche, das Handy, die Uhr und eine Sonnenbrille abgenommen. Ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser war dabei sehr behilflich.

Der Kellner wurde dann noch rund eine Stunde in dem Abteil gefangen gehalten, damit man mit seiner Bankomat-Karte zunächst in aller Ruhe 1.360 Euro beheben konnte. Danach drehten die drei Täter noch eine Runde mit dem Sportwagen ihres Opfers.

„Er hat halt ein schönes Auto gehabt“, lautete ihre Verantwortung. Sie hätten nun ein Mal „ein bisschen Geld gebraucht“. Messer sei keines im Spiel gewesen. „Der war so wie so ängstlich. Es gibt halt ängstliche Menschen“, erläuterte der 16-Jährige.

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