Votivkirche ist "Schandfleck für die Ringstraße"

Generalrestaurierung des "Ringstraßendoms" kostet 32 Millionen Euro und soll 20 Jahre lang dauern - neues Dach aus Naturschiefer - der bedeutende neugotische Sakralbau wurde vor 125 Jahren geweiht.

Die Wiener Votivkirche ist das größte “Sorgenkind” unter den Gotteshäusern der Erzdiözese Wien. Die vor zwei Jahren begonnene Generalrestaurierung, verbunden mit einer völligen Neueindeckung, wird noch rund 20 Jahre in Anspruch nehmen. Die Gesamtkosten werden mit 32 Millionen Euro beziffert. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Kaiseroratorium der Votivkirche aus Anlass des bevorstehenden 125-Jahr-Jubiläums des Gotteshauses wiesen der Leiter des Bauamts der Erzdiözese Wien, Architekt Harald Gnilsen, und Pfarrer Joseph Farrugia auf die Probleme der Restaurierung hin. Die Votivkirche – einer der bedeutendsten neogotischen Sakralbauten weltweit – ist seit ihrer Weihe nie generalrestauriert worden. Die Fassade weist starke Verwitterungsschäden auf.

Gnilsen erinnerte daran, dass das Bauamt der Erzdiözese Wien 1.200 Kirchen zu betreuen hat. Für die Votivkirche allein würden jährlich 1,5 Million Euro benötigt. Davon müsse rund ein Drittel über den Kirchenbeitrag kommen, weil die Pfarrgemeinde der Votivkirche für die Erhaltung des “Ringstraßendoms” viel zu klein sei. Zwei Drittel der Kosten sollten – so eine Vereinbarung – von Stadt Wien und Bund gedeckt werden.

Neues Dach aus Naturschiefer

Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die Votivkirche ein komplett neues Dach aus Naturschiefer erhalten. Das rund 50 Jahre alte Faserzementdach muss abgetragen werden, weil es nicht mehr dicht ist. Ebenso werden die unter dem Dach liegenden, schon stark angegriffenen Steinteile ersetzt, so Gnilsen.

Aber auch ein Unterdach aus Holz und Pappe, das bisher fehlte, werde eingezogen, sagte der Bauamts-Leiter. Das Unterdach soll das Eindringen von Flugschnee verhindern, der sich nach der Schmelze geradezu todbringend für Mauerteile ausgewirkt habe. Eine Riesenaufgabe stelle schließlich die sukzessive Erneuerung der insgesamt 111 historischen Fenster dar, so Gnilsen.

“Schandfleck für die Ringstraße”

Pfarrer Farrugia, der auch für die Touristen- und Flughafenseelsorge in der Erzdiözese Wien verantwortlich ist, nannte den Zustand der Votivkirche einen “Schandfleck für die Ringstraße”. Die heute nur mehr 2.500 Katholiken zählende Pfarrgemeinde – 1955 waren es noch 11.500 – schaffe es immerhin, jährlich 38.000 Euro für die Außenrenovierung aufzubringen. Und sie übernehme auch Großprojekte der Innenrenovierung, zuletzt den historischen Hochaltar. Auf Anregung von Kardinal Christoph Schönborn diene er jetzt wieder als Sakramentsaltar.

Auf die historische Bedeutung der Votivkirche wies der Leiter der Mittelalter-Sammlung der Österreichischen Galerie, Arthur Saliger, hin. Die an den Wänden zu sehenden Wappen sämtlicher Herrschaftsgebiete der Habsburgermonarchie sollten richtungweisend sein und einen “Dom der Völker” symbolisieren. Der 1854 bis 1879 errichtete Bau habe “Dimensionen und Anspruch einer Kathedrale”. Das hätte auch durch die Inneneinrichtung zum Ausdruck kommen sollen, so Saliger: So habe der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Othmar Rauscher, zum Ankauf von mittelalterlichen Kunstwerken erster Klasse geraten. Davon zeuge das Glanzstück des jetzigen Votivkirche-Museums, der Antwerpener Altar von 1460, der für die Kapelle der Herzöge von Burgund in Brüssel bestimmt war. Die Votivkirche sei übrigens von den zwei wichtigsten Kirchen in New York – Trinity Church und Saint Patrick’s Cathedral – nachgeahmt worden, so Saliger.

Franz Joseph überlebte Attentat – Votivkirche errichtet

Die Votivkirche zählt zu den bedeutendsten Bauten des europäischen Historismus. Die Errichtung des Gotteshauses wurde als Dank für die Errettung des jungen Kaisers Franz Joseph vor einem Attentat am 18. Februar 1853 initiiert. Die Idee stammte vom Bruder des Kaisers, Erzherzog Ferdinand Maximilian, dem späteren Kaiser von Mexiko. Der “Ringstraßendom” wurde in einem Architektenwettbewerb im April 1854 ausgeschrieben.

Aus Anlass des Jubiläums findet am 24. April um 18 Uhr ein Festgottesdienst statt. Bereits am 23. April gibt es um 15 Uhr ein “Kirchengeburtstagsfest”. Anschließend beginnt um 19 Uhr ein Orgelkonzert mit Teilen des Programm der historischen Orgelweihe 1879 (J.S.Bach, A. Bruckner und S. Sechter).

www.votivkirche.at

Redaktion: Bernhard Degen

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