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Vorschau: Italien mit dem Rücken zur Wand

Nach der 0:3-Schlappe in Bern gegen die Niederlande steht der regierenden Fußball-Weltmeister und EM-Titelfavorit vor dem vorzeitigen Aus.

Nach der höchsten Niederlage seit fast 25 Jahren wurde zwar von vielen auf die Squadra und vor allem auf ihren Teamchef Roberto Donadoni eingedroschen. Doch dieser zeigte sich erstaunlich gelassen und überhörte auch die wieder laut gewordene Forderung nach einer Rückkehr von seinem Vorgänger Marcello Lippi (“Das habe ich erwartet”). Er beschönigte zwar die enttäuschende Leistung seiner Schützlinge gegen die Holländer nicht, gab auch Fehler einiger Spieler zu, wollte aber nichts von falscher Aufstellung, Taktik oder nicht passendem Spielsystem wissen.

“Unsere ganze Konzentration gilt nun dem Schlüsselspiel gegen Rumänien”, betonte Donadoni schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Stade de Suisse und wiederholte es seither bei jeder Gelegenheit. Was alles gegen die Oranjes nicht funktioniert hatte, das wollte er vor allem intern mit seinen Schützlingen besprechen, wobei der Commissario Tecnico für konkrete Aussagen hinsichtlich Aufstellung und möglicher Änderungen, Taktik, Spielsystem sowieso nicht zu haben ist. Immerhin erwartete er sich gegen die Rumänen eine “aggressivere” Mannschaft, bei der er hinsichtlich Fitness und Kondition absolut keine Defizite feststellen konnte.

“Ich bin überzeugt, meine Spieler können es besser und werden dies auch gegen die Rumänen zeigen. Ich bin optimistisch und habe Vertrauen in sie”, so Donadoni, der sich nach einer der “schwärzesten Niederlagen der Länderspielgeschichte” (Vorwurf von Journalisten) einer entsprechenden Reaktion seiner “Burschen” sicher ist. Ohne natürlich im Geringsten die Rumänen zu unterschätzen: “Eine starke Mannschaft, die mit dem 0:0 gegen die Franzosen, was für uns nach der Niederlage gegen die Holländer ein ideales Ergebnis ist, gezeigt hat, dass man sie erst schlagen muss.”

Nicht einer seiner Akteure, dem nicht die Bedeutung der Partie gegen die Rumänen voll bewusst ist. “Wir sind immer noch Weltmeister und werden das auch demonstrieren”, tönt der bisher noch verhinderte Torjäger Luca Toni, der gegen die Niederländer stark enttäuscht hatte. “Für uns gilt nun das klassische Alles oder Nichts. Das einzige Ergebnis, das uns interessiert, ist der Sieg. Alles andere kann man vergessen”, betont Gianluca Zambrotta, für den es keine Frage des Systems sein wird, ob die Squadra Erfolg hat. “Bei Barca spielen wir auch 4-4-2 oder 4-3-3”, sagte der Verteidiger.

“Wir sind schlecht in das Turnier gestartet, haben aber die Möglichkeit, das wieder gutzumachen”, sagt Alessando Del Piero, der möglicherweise diesmal schon von Beginn an stürmen darf. Auch der ebenfalls gegen die Oranjes eingewechselte Fabio Grosso, der auf der linken Seite viel Druck gemacht hatte, könnte in der Startelf dabei sein, eventuell auch Daniele De Rossi im Mittelfeld und Giorgio Chiellini in der Abwehr.

Keineswegs aber ist auszuschließen, dass Donadoni so wenig wie möglich ändert. Das entspräche einerseits ein wenig seinem Charakter im Kampf gegen Journalistenforderungen, anderseits auch seiner Philosophie von “Kontinuität, Stabilität”. Als sicher gilt hingegen, dass seine Tage als Commissario Tecnico gezählt sind, falls der Weltmeister schon in der Gruppenphase scheitert.

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