Vorhaben im Kunstforum bis 2011: Trotz Umbaus geöffnet

Programm der kommenden Jahre bringt u.a. Georges Braque, Frida Kahlo und Pierre Bonnard. Nur im Frühjahr und Sommer 2009 ist das Kunstforum geschlossen - Schau zur Sammlung Fotografis ab 11.9.

Das Bank Austria Kunstforum präsentiert sich derzeit eingerüstet. Das Haus an der Freyung wird derzeit komplett saniert, auch die Fassade, Foyer- und Toilettenbereiche des Kunstforums werden renoviert bzw. auf modernen Stand gebracht. Vergrößert wird – ganz entgegen dem aktuellen Trend in den Museen – nicht. “Gott sei Dank bleiben die Ausstellungsflächen unverändert”, meinte Kunstforum-Direktorin Ingried Brugger heute, Donnerstag, bei einem Pressegespräch, “denn sonst könnten wir die Räume mit unseren Ausstellungen nicht mehr füllen.” Schließlich explodieren die Kosten (“Eine Willem de Kooning-Ausstellung wie 2005 könnten wir uns heute definitiv nicht mehr leisten”), stagnieren aber die Besucherzahlen.

2007 war mit 278.000 Besuchern diesbezüglich ein eher mittelmäßiges Jahr im Kunstforum (Brugger: “Den belgischen Symbolismus wollte niemand anschauen. Das verstehe ich nicht.”), ob 2008 ein Erfolg wird hängt von Georges Braques ab, der von 14. November bis 1. März 2009 rund 150.000 Besucher bringen soll. Die EURO erwies sich publikumsmäßig auch im Kunstforum als Flop (Brugger: “Wir hatten ungefähr fünf Fans zusätzlich hier, der Normalbesuch war aber dezimiert, weil die Leute die Stadt verlassen haben.”). Das Jahr 2000, als Picasso und Cezanne 533.000 Besucher in die Ausstellungsräume strömen ließen, dürfte noch länger Rekord bleiben.

Im Herbst und Winter hat das Kunstforum trotz Umbaus geöffnet und wird die Gerüste als Werbeflächen nutzen. Ab 11.9. zeigt man in “Fotografis – collection reloaded” 270 ausgewählte Highlights der 1976 gegründeten Fotosammlung, die seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zusammen zu sehen war. Die historischen Bestände werden mit ausgewählten zeitgenössischen Fotoarbeiten ergänzt. Die Schau ist anschließend in Prag zu sehen, die Sammlung übersiedelt danach als temporäre Leihgabe in das Salzburger Museum der Moderne. Zur Eröffnung der Georges Braque-Schau soll das Gerüst wieder entfernt sein. Brugger erhofft sich von diesem Best of Braque eine Blockbuster-Wirkung und verspricht mit Leihgaben aus der ganzen Welt “eine Neu- bzw. Wiederentdeckung von Braque”, vor allem ein “Loskoppeln von der unglücklichen Seilschaft mit Picasso”.

Im Frühjahr und Sommer 2009 muss das Kunstforum geschlossen bleiben, da dann auch die Sicherheitsbereiche in Angriff genommen werden, am 17.9.2009 soll mit einem “wunderbaren neuen Kunstforum” und einem “Augenschmaus” wiedereröffnet werden. “Augenschmaus – vom Essen im Stillleben” heißt nämlich die in jeder Hinsicht kulinarische Themenschau, auf die im Februar 2010 eine Entdeckung folgt: Das im Westen nahezu unbekannte Werk von Iwan Konstantinowich Aiwasowsky (1817-1900) entlockt Brugger lauter Superlative: “Er ist der bedeutendste russische Maler des 19. Jahrhunderts. Er besitzt eine ästhetische Wucht, die einen wirklich niederhaut, eine der besten Handschriften, die ich jemals gesehen habe.” Der laut der Direktorin mit Turner vergleichbare Maler hatte allerdings eine nun etwas problematische Vorliebe für Großformate: “Die Bilder sind zum Teil riesig, das größte aus der Tretjakow-Galerie geht sich gerade an der größten Wand des Kunstforum aus.”

Im Herbst 2010 folgt “die wahrscheinlich größte Frida Kahlo-Ausstellung außerhalb Südamerikas”. Man wolle mit 80 Gemälden plus Papierarbeiten fast die Hälfte des gesamten Oeuvres zeigen, so Brugger: “Wir haben bereits einige Bilder, die verschollen gewesen sind, wiedergefunden. Ihr Hauptwerk suchen wir gerade in Russland.” Ab Februar 2011 folgt dann “Pierre Bonnard – Die andere Moderne”.

Für Brugger ist die Sanierung des Hauses, das nun nicht mehr auf der Immobilien-Verkaufsliste der Bank stünde, “ein klares Zeichen, dass man uns haben will”, auch wenn man nicht wisse, ob nicht eines Tages eine Umbenennung in Unicredit Kunstforum ins Haus stünde. Zwar sei auch das Kunstforum subventionierungsbedürftig, mit 6,39 Euro pro Besucher sei der Zuschussbedarf jedoch vergleichsweise gering. Außerdem lukrieren wir jährlich rund 1,5 Mio. Euro an Werbegegenwert über Medien, Inserate und Werbung. Das ist mehr als unsere Overhead-Kosten. Für jeden Sponsor sind wir ein unglaublich gutes Sponsoring-Tool. Also glaube ich, dass man nicht daran denkt, etwas zu ändern. Aber die Welt dreht sich schnell.”

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