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Vorarlberger Grüß-Reflex und Wiener Charme

Wien: Bemerkenswertes aus Vorarlberger Sicht.
Wien: Bemerkenswertes aus Vorarlberger Sicht. ©Justin Fisher
Gut 500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Vorarlberg und Wien. Viel weiter kann man in Österreich nicht auseinander liegen. Und als Vorarlberger "Tourist" in der Bundeshauptstadt kann man nicht umhin, so manche kleinen, aber feinen Unterschiede zu bemerken. Persönliches Fazit eines Kurzbesuchs.
Wien aus Touristen-Sicht

Es liegen keine Welten zwischen Wienern und Vorarlbergern. Auch wenn die einen ganz im Westen und die anderen ganz im Osten leben, verbindet uns über 500 Kilometer Luftlinie doch mehr als nur die derzeit wildumstrittene Bundeshymne. Über 25.000 Vorarlberger leben in Wien, der Verein der Vorarlberger in Wien zählt über 1.000 Mitglieder und ist damit der größte Bundesländerverein vor Ort. Insgesamt zwölf Straßen- und Platznamen, darunter der Hermann-Gmeiner-Park, der Jodok-Fink-Platz und die Moosbrugger-Gasse, erinnern an berühmte Vorarlberger in der Hauptstadt.

Nichtsdestotrotz stößt man hier als Einwohner eines kleinen 2.000-Seelen-Dorfes im Bregenzerwald teils eben auf Ungewohntes. Sei es die “grantige” Anonymität der Großstadt, die zur Sommerzeit recht streng riechende U-Bahn oder die stehende Hitze und das mangelnde Handysignal zwischen den hohen Gebäuden. Aber auch die historischen Gebäude an jeder Ecke, die schäbig-charmanten Kaffeehäuser und der typische “Wiener Schmäh”. Ein persönliches Kurzresümee:

1. Nicht lächeln, nicht grüßen…

1,7 Millionen Einwohner hat allein die Bundeshauptstadt, im ganzen Bundesland Vorarlberg leben rund 400.000 Menschen. Verteilt auf 96 Gemeinden. In den kleinen 2.000 Seelen-Dörfern im Bregenzerwald wird beim Spaziergang jeder Mensch gegrüßt, jeden zweiten kennt man ohnehin. Man sagt “Zeawas” im Vorbeigehen und lächelt.

Was in Vorarlberg zumindest in den ländlichen Gegenden normal und höflich ist, kann so in Wien nicht umgesetzt werden: Stehe ich hier allein in einem Hauseingang und grüße versehentlich einen mir unbekannten Menschen, der das Haus betritt, ernte ich befremdete Blicke. “Wos wüh die von mir…?”, scheinen sie misstrauisch zu fragen. Eh nichts, das Grüßen ist nur ein Reflex. Kein guter Reflex für Wien, das merkt man spätestens beim Warten auf die U-Bahn: Wirke ich hier nicht ausreichend abwesend und finde versehentlich Augenkontakt, habe ich innerhalb kurzer Zeit neue männliche Freunde, die wissen wollen, wo ich hingehe und nachdrücklich anbieten, mich zu begleiten. Spätestens dann wird der Vorarlberger Grüß-Reflex samt Lächeln abgelegt und der Blick auf Boden, Buch oder Handy gerichtet…

2. Ausnahme: Hundebesitzer

Setzt man sich mittags auf einer Wiener Parkbank in die Sonne, können auf geballtem Raum fast so viele Hunde wie Menschen beobachtet werden. Was wohl einfach daran liegt, dass Hunde hier gezielt im Park ausgeführt werden, während in Vorarlberg überall “Park” ist.

Und bei den Wiener Hundefreunden scheint eine Ausnahme in der schweigsamen Großstadt-Anonymität zu greifen: Treffen fremde Hunde aufeinander und sind sich sympathisch, so starten auch die sich fremden Hundebesitzer in eine kurze Smalltalk-Runde. Unterbrochen nur von “Hasso, hier spüln!” und “Rocky, nicht da rüber!” Hunde als Eisbrecher in der großen Stadt? Vielleicht mit ein Grund, warum die Vierbeiner in Wien so beliebt sind. (Wer noch keinen besten Freund mit Fell hat, der wird übrigens hier fündig)

3. Die Wiener Wahrzeichen

Denkt man als Nicht-Wiener an Wien, erscheinen rasch Stephansdom, Riesenrad und Schönbrunn vor dem inneren Auge. Besucht man aber eine der typischen Wiener Touristenattraktionen, wird schnell klar: Hier sind keine Wiener. Hier sind nur Touristen. Jede Sprache wird gesprochen, nur kein waschechtes Wienerisch. Es sei denn, Bekannte aus dem Ausland werden durch die Stadt geführt. Was nicht verwunderlich ist: So wie viele Vorarlberger bereits die überlaufenen Skipisten meiden, wird sich wohl auch kein Wiener am Wochenende freiwillig den Stephansdom ansehen.

Von mir befragte Bewohner der Bundeshauptstadt erzählen mir, dass sie weder den “Steffl” noch den Tiergarten Schönbrunn je von innen sehen. Und Riesenrad wird auch nicht gefahren. Eigentlich schade: Ich kann das “Touristen-Programm” im Dom nur empfehlen, von innen, oben (Süd- und Nordturm) und unten (Katakomben-Tour). Oben findet sich die Pummerin, die man als Nicht-Wiener sonst nur zu Silvester im Radio hört – unten gibt’s Gruselgeschichte mit Pestgruben und Beinkammern. Der “Steffl” ist auch sehenswert, wenn man ihn tagtäglich vor sich hat. Übrigens: Heimeliges Gefühl beim Betrachten der Dachschindeln – sieht eigentlich eh aus wie ein Bregenzerwälder Bauernhaus…

 

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schindeln920 ©Geschindelt: Links das Dach des Stephansdoms, rechts ein Bregenzerwälder Haus. (Bilder: Justin Fisher; VMH)
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Maybe used by RussMedia, Vorarlberg for any online publication worldwide. ©Mit dem Aufzug gelangt man auf den Nordturm zur Pummerin. (Bild: Justin Fisher)
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4. Kaffeehaus-Charme

Wiener Kaffeehäuser sind großartig. In Vorarlberg existieren sie in dieser Form kaum und ganz ehrlich gesagt: Würde es sie in Vorarlberg geben, würde ich nicht reingehen. Immer wieder lande ich in Wien in wunderhübschen Cafés und Pubs, an denen ich in Vorarlberg direkt vorbeigehen würde. Man stelle sich ein typisches Wiener Kaffeehaus in Bregenz vor: Ein unscheinbares Café in einer kleinen Seitenstraße, man quetscht sich zwischen eng platzierten Stühlen und Tischen durch und ergattert in der Ecke einen Platz mit abgewetzten Stoffbänken und Rissen in der Tischplatte. Die Kellner sind nicht sonderlich interessiert, es gibt keine Menükarte und die Toilette findet sich – nicht ohne Fingerzeig des Kellners – versteckt hinter einem altmodischen Stoffvorhang neben der Küche.

Muss man auch erst wissen. Im “Ländle” ist das nicht machbar, die beliebten Cafés in Vorarlberg sind modernisiert und auf Hochglanz poliert. In Wien findet man hinter dieser Beschreibung eines der schönsten Kaffeehäuser überhaupt: Das Hawelka, bis heute eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Stadt. Und für mich persönlich ein wenig wie die Bundeshauptstadt selbst: Außen mitunter ein klein wenig schäbig, bröckelnd und grantig – innen dafür umso charmanter.
(VPI)

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Maybe used by RussMedia, Vorarlberg for any online publication worldwide. ©Künstlercafé im 1. Wiener Gemeindebezirk: Das Café Hawelka. (Bild: Justin Fisher)
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Maybe used by RussMedia, Vorarlberg for any online publication worldwide. ©Cafetier Leopold Hawelka eröffnete das inzwischen legendäre Kaffeehaus in der Dorotheergasse. (Bild: Justin Fisher)

 

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