Vorarlberg als "zweites Liechtenstein"?

Das Vorarlberger Landesarchiv lädt zur Präsentation des Buches "Vorarlberger Territorialfragen 1945 bis 1948" ein. Autor Ulrich Nachbaur wird über ein bisher unbekanntes Kapitel der Landesgeschichte referieren: Ein Notfallplan sah vor, dass sich Vorarlberg in enger Verbindung mit der Schweiz als "zweites Liechtenstein" selbständig machen könnte. Zu der Veranstaltung am Mittwoch, 27. Juni 2007, um 17.00 Uhr, im Landesarchiv in Bregenz (Kirchstraße 28) sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Ab November 1946 hatte Landeshauptmann Ulrich Ilg einen Notfallplan in der Schublade, der bei einer Teilung oder einem Zerfall des vierfach besetzten Österreich ein selbständiges Vorarlberg vorsah, das sich wie Liechtenstein wirtschaftlich an die Schweiz anschließt. Diesen Plan dürfte Ilg im Geheimen der französischen Besatzungsmacht eröffnet haben. Wie und weshalb, das wird Ulrich Nachbaur bei der Präsentation seines neuen Buches “Vorarlberger Territorialfragen 1945 bis 1948” behandeln. Diese Studie ist dieser Tage als Band 8 der “Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs” erschienen, die das Landesarchiv herausgibt.

Das Kleinwalsertal hatte Priorität

Ab Mai 1945 bemühte sich der Vorarlberger Landesausschuss um die Rückgewinnung des 1938 an Bayern abgetretenen Kleinwalsertals. In diesem Zusammenhang stand auch die Annektion des bayerischen Rohrmoostals für den Bau einer Verbindungsstraße zur Diskussion. Gleichzeitig gab es erneut eine Initiative, das bayerische Balderschwang an Vorarlberg anzuschließen. Ähnliches gilt, wenn auch weniger vehement, für das Westallgäu, soweit es einst zu Vorarlberg gehört hatte. Zudem stellte sich Vorarlberg die Frage nach möglichen Alternativen zu Österreich. Schließlich geht Nachbaur in seiner Studie noch der formellen Vereinbarung oder Festlegung der Landesgrenzen nach; speziell auch der Frage, mit welcher Begründung das Land Vorarlberg seit 1984 in seiner Verfassung große Teile des Bodensees offiziell als Landesterritorium beansprucht.

Nachbaur behandelt die Themen aus der Vorarlberger Perspektive, bemüht sich aber, diese regionalen Fragen auch aus dem Blickwinkel Österreichs, der Nachbarn Vorarlbergs und nicht zuletzt der Besatzungsmächte zu beleuchten. Im Kern geht es um die Jahre 1945 bis 1948, von der Befreiung bis zur Klarstellung des Zollanschlussvertrages für Mittelberg. Die Darstellung greift jedoch bis in die bayerische Zeit Vorarlbergs (1805 bis 1814) zurück und führt, zumal im Kapitel über die Landesgrenzen, nahe an die Gegenwart heran. Ulrich Nachbaur, geb. 1962 in Feldkirch, ist Jurist und Historiker und arbeitet seit 1997 im Vorarlberger Landesarchiv.

Ulrich Nachbaur, “Vorarlberger Territorialfragen 1945 bis 1948. Ein Beitrag zur Geschichte der Landesgrenzen seit 1805” (Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs N.F. 8). Konstanz: UVK 2007, 380 Seiten, 39,00 Euro.

Buchpräsentation am Mittwoch, 27. Juni 2007, 17.00 Uhr in Bregenz, Landesarchiv (Kirchstraße 28). Eintritt frei. www.landesarchiv.at

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OTS0248 2007-06-25/15:59

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