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Vor zehn Jahren wurde Versace ermordet

Am Morgen des 15. Juli 1997 verließ Gianni Versace seine Villa "Casa Casuarina" am Ocean Drive in Miami, um sich wie üblich in einem Cafe Zeitschriften zu kaufen.

Als er zurückkehrte, trat ein junger Mann an ihn heran und schoss ihm zwei Kugeln in den Hinterkopf. Italiens schillerndster Modeschöpfer sackte auf den Stufen vor seiner prachtvollen Villa zusammen. Wenige Minuten später war er tot. Jäh war der 50 Jahre alte Designer aus dem Zenit seines Schaffensprozesses gerissen worden.

Im Schneideratelier seiner Mutter hatte Gianni Versace aus Reggio di Calabria bereits als Bub seine Liebe für Stoffe und Kleider entdeckt. Aus dem tiefen Süden Italiens machte er sich 1972 auf, um in Mailand der italienischen Mode eine Facette zu geben, die ihr bisher fremd war. Mit Pomp, Glamour und Sex schuf er die Antithese zur asketischen Eleganz Giorgio Armanis. „Armani zieht die Ehefrau an, Versace die Geliebte“ – so wurde das Weltbild der beiden auf den Punkt gebracht.

Denjenigen, die seine Mode als vulgär bezeichneten, entgegnete Versace in einem Interview: „Die Frage ist nicht, ob ein Mädchen im Minirock eine Schlampe ist, sondern was die Gesellschaft darüber denkt. Mit meiner Arbeit versuche ich diese Denkmuster aufzubrechen.“ Die Nachricht von seinem Tod verbreitete sich in Windeseile. Seine Familie erreichte sie in Rom, wo man gerade die letzten Vorbereitungen für ein Defilee traf. Gianni Versaces Bruder Santo kümmerte sich im Unternehmen um die Finanzen, Schwester Donatella war das weibliche Alter Ego des Designers, seine wichtigste Vertraute in kreativen Fragen.

In Miami identifizierte das FBI bald den 27-jährigen Andrew Cunanan als mutmaßlichen Täter. Ein homosexueller Callboy, dem vorgeworfen wurde, vor Versace bereits vier weitere Männer getötet zu haben. Sagen zu all dem konnte Cunanan nichts mehr – kurz vor seiner Festnahme beging er Selbstmord. Das fehlende Geständnis ließ Raum für Spekulationen. Kannten sich Opfer und Täter? Hatten Sie gar ein Liebesverhältnis? Oder steckte hinter dem Mord doch die Mafia? Deren Geldwäscher zu sein, wurde Versace immer wieder bezichtigt, ohne dass jemals Beweise für diese Anschuldigungen auftauchten.

Maximalist, Sonnenkönig, Cäsar – viele Titel verlieh man dem charismatischen Designer, der lebte, wie er Mode machte und seinen Reichtum gern zur Schau stellte. Er war ein begnadeter Visionär, der aus den Tiefen der Kunstgeschichte zu Tage geförderte Ornamente in opulenten Mustern verschmelzen ließ. Der bei Stoffen kühn alle Schranken einriss und etwa profanen Denim mit kostbarem Brokat kombinierte. Aus Models machte Versace Supermodels und zahlte ihnen tausende Dollar Gage für ein paar Schritte über den Laufsteg. Für Prinzessin Diana schuf er den Look zu ihrem Wandel von der schüchternen Thronfolgergattin zur selbstbewussten Frau. Überhaupt liebte ihn die Prominenz und er liebte die Stars wie Madonna oder Elton John.

Die Testamentseröffnung im Hause Versace brachte eine Überraschung: Nicht seine Geschwister, sondern die geliebte Nichte Allegra erbte mit einem 50-Prozent-Anteil den größten Teil des Unternehmens. Ihre Mutter, Donatella Versace, übernahm die kreative Führung. „Mein Bruder war ein Genie. Ich bin es nicht. Aber Gianni war der beste Lehrmeister, den ich haben konnte“, sagte die heute 52-Jährige. Zunächst drohte Donatella an ihrer neuen Aufgabe zu scheitern. Die Kollektionen, bei ihm in aller Opulenz doch raffiniert geraten, unter ihrer Regie waren sie nur noch schrill. Das Image der Marke sackte parallel zu den Umsätzen in den Keller. Ein jähes Ende des Labels mit dem prägnanten Medusen-Haupt schien besiegelt.

Vor gut drei Jahren begann ein Sanierungsprozess – Giancarlo di Risio, ein erfahrener Modeprofi, übernahm das wirtschaftliche Ruder. Allegra Versace, 2004 volljährig geworden und nun Herrin über ihr Erbe, setzte ihre neue Macht ein, um eine Wende einzuläuten. Ihre Mutter jedoch blieb Kreativchefin. Inzwischen gelingen ihr Kollektionen, die als eine Neufassung des Versace-Stils gefeiert werden. Zum zehnten Todestag des Gründers hat die Marke ihren Reiz zurück gewonnen.

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