Von Eisenstadt nach Europa - Lebensplätze Haydns

Haydn-Wachsbüste im Kunsthistorischen Museum Wien
Haydn-Wachsbüste im Kunsthistorischen Museum Wien ©Foto: KHM
Er gilt als Eisenstädter Genius Loci: Joseph Haydn, geboren im Dreiländereck aus Österreich, Slowakei und Ungarn, verbrachte den Gutteil seiner musikalischen Laufbahn in seiner Position am Hofe der Esterhazys.

Schon das Motto des Haydn-Jahres 2009 deutet aber auf seine internationale Ausrichtung hin: “Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt” – er sagte es zu Mozart, beim Abschied zu seiner ersten England-Tournee. Gerade dort feierte Haydn Triumphe, seinen “Londoner Symphonien” stehen aber auch die “Pariser Symphonien” oder die “Russischen Quartette” gegenüber.

Doch nicht zu jedem dieser Auftragswerke gibt es auch einen Haydn-Schauplatz, denn zumindest örtlich war Haydn bis zum Tod von Fürst Nikolaus Esterhazy an Eisenstadt gebunden. Und die Lebens- und Wirkungsplätze des Komponisten erstrecken sich im Wesentlichen auf jene 350 Kilometer zwischen dem tschechischen Lukavec und dem ungarischen Fertöd. In ihrer Mitte liegt Wien – wo Haydn im Alter von acht Jahren als Chorknabe aufgenommen und zehn Jahre später nach dem Stimmbruch auf die Straße gesetzt wurde. Ab 1751 lebte er in einer einfachen Dachkammer im “Michaelerhaus” am Kohlmarkt, mit etwas besserem Einkommen zog er einige Jahre später an die Seilerstätte um.

Seine Anstellung bei Graf Morzin als Kapellmeister führte Haydn Ende der 1750er aus Wien weg – mehr als 40 Jahre sollte es dauern, bis er nach seiner Rückkehr aus England wieder hier sesshaft wurde: Im damaligen Vorort Gumpendorf – in der heutigen Haydngasse in Wien-Mariahilf – verbrachte er schließlich seinen Lebensabend. Zum Gedenkjahr wird das Haydn-Haus als Dependance des Wien Museums derzeit mit einer neuen Dauerausstellung ausgestattet und eröffnet am 29. Jänner.

Nur zwei Jahre verbrachte Haydn in Schloss Lukavec, in der Nähe des Tschechischen Plzen (Pilsen), wo er für ein 16-Mann-Orchester seine ersten Symphonien komponierte. Nahtlos wurde an den Hof der Esterhazys weitervermittelt, wo er nun 30 Jahre lang ununterbrochen dienen sollte. Neben Eisenstadt verbrachte er dabei auch viel Zeit im von Nikolaus dem Prachtliebenden 1762 neu erbauten Schloss Eszterhaza an der Südspitze des Neusiedlersees, heute im ungarischen Fertöd. Das “ungarische Versailles” war ein prunkvoller Bau mit eigenem Opernhaus, aus Briefen Haydns geht allerdings hervor, dass er sich während der zahlreichen Aufenthalte in der “Einöde” häufig nach dem regen Wiener Konzertleben sehnte. Doch selbst von Eszterhaza aus wandte sich Haydn mit Kompositionen an ein Publikum in ganz Europa und sogar den USA.

Auftragswerke abseits seiner Verpflichtungen als Hofmusiker bescherten der Nachwelt einige von Haydns bekanntesten Stücken – nicht zuletzt die “Letzten Sieben Worte” oder auch die Kaiserhymne “Gott erhalte”. Denn bei den Esterhazys ging der europäische Adel aus und ein – und der Fürst geizte nicht mit den Reizen seines Kapellmeisters. Eine hohe Kunst, die Haydn schon früh zu beherrschen lernte, war das Komponieren für verschiedene Stile und Geschmäcker – sowie deren gekonnte Vermischung. Versatzstücke aus italienischer, französischer, deutscher Musik setzte Haydn schon im 18. Jahrhundert zu einem gemeinsamen europäischen Sound zusammen.

Er hatte Verehrer in Frankreich, England, Spanien – vor allem im Königshaus – sowie in Russland. Mit einer ansehnlichen Pension aus dem Dienst bei den Esterhazys entlassen, trat er 1790 schließlich seinen ersten Triumphzug nach England an. Zunächst verbrachte er eineinhalb Jahre, also zwei Konzertsaisonen, auf der Insel, zwischen 1794 und 1795 kehrte er zu einem zweiten Aufenthalt zurück.

Das britische Publikum stürmte Haydns wöchentliche Konzerte und Uraufführungen und der stets auf die Finanzen bedachte Maestro erfreute sich einer erstklassigen Gage. Musikalisch brachten die Besuche in England einige berühmte Werke, darunter die Symphonie mit dem Paukenschlag, die Militärsymphonie, natürlich die “Londoner” sowie das Reiterquartett und das Zigeunertrio. Gesellschaftlich erklomm Haydn die höchsten Schichten, wurde zum beliebten Gast beim Prince of Wales, dem Königspaar vorgestellt und von der Universität Oxford zum Ehrendoktor erklärt. Seine Sprache der Musik muss also wohl tatsächlich gut verstanden worden sein – Englisch konnte er nicht.

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