Von den Untiefen des Online-Datings: "Angezogen wäre das nicht passiert"

"Angezogen wäre das nicht passiert" von Marie-Theres Stremnitzer
"Angezogen wäre das nicht passiert" von Marie-Theres Stremnitzer ©Berlin Verlag Taschenbuch / Moritz Schell
"Kann man einen Burn-out vom Singlesein haben?" fragt sich Luisa, Protagonistin von Marie-Theres Stremnitzers Roman "Angezogen wäre das nicht passiert". Hauptthema des Romans, unterhaltsam aufbereitet: verzweifelte Partnersuche, ob online oder im echten Leben. VIENNA.at hat das Buch für Sie gelesen.

Es ist kein Geheimnis: Die Suche nach “Mr. Right” kann nervenaufreibend sein und wird mit fortgeschrittenem Alter nicht einfacher. Luisa, 30+, seit zwei Jahren Single, weiß davon ein Lied zu singen.

Fieberhafte Partnersuche wegen Heiratswut

Nicht zuletzt wegen epidemischer Heiratswut, die im Freundeskreis ausgebrochen zu sein scheint, versucht sie mit allen Mitteln, endlich den passenden Partner oder am besten gleich den Mann ihres Lebens zu finden und stolpert auf der Suche nach diesem nicht nur von einem Reinfall zum nächsten, sondern im Zuge ihrer erotischen Verwicklungen auch quer durch Wien. Hier darf man sich übrigens über jede Menge Lokalkolorit freuen – ist Autorin Stremnitzer doch Wienerin.

Luisa versucht sich zunächst als “Wedding-Crasherin” und besucht Hochzeiten von ihr unbekannten Menschen in diversen Kirchen der Stadt, weil man bei dieser Gelegenheit angeblich besonders gut an Single-Männer kommen soll. Als sich dieses Vorgehen als wenig erfolgreich erweist, setzt sie auf die zunehmend verbreitetere Methode, potentielle Partner kennenzulernen, und lotet bald darauf die Untiefen des Online-Datings aus.

Online-Dating birgt Hindernisse

Darf man Stremnitzer Glauben schenken, so sind diese zahlreich – in dem Roman wird Heldin Luisa auf ihrer fieberhaften Suche ein wahres Potpourri an Unsympathlern, Ungustln und Freaks serviert, die sie als Reaktion auf ihr Profil auf der fiktiven Plattform “Singlehearts” kennenlernt.

Ein Date jagt das nächste, und aus der Reihe Pleiten, Pech und Pannen wird kaum etwas ausgelassen. Die Ich-Erzählerin bewältigt das Zusammentreffen mit einem “Leider nein”- bzw. “Bitte nicht”-Mann nach dem anderen aber immerhin mit Witz, Selbstironie und Durchhaltevermögen sowie unter Zuhilfenahme teils hochprozentiger Hilfsmittel. Wer ihr ganz blöd kommt, hat dann aber auch schon einmal ihren Drink im Gesicht.

Immer getrieben wird Luisa von der Angst, “übrigzubleiben”, als keine Option sieht sie es jedenfalls “z’samm’g’heiratet” zu werden – also sich an einen x-beliebigen Mann zu binden, nur um endlich zu heiraten. Ihr Dilemma: “Bin ich wählerisch, werde ich übrig bleiben, bin ich es nicht, werde ich zusammengeheiratet. So wie alle Frauen ab dreißig.”

Liebeswirren ungleicher Schwestern

Dass es auch ihre Schwestern in Sachen Romantik alles andere als leicht haben, ist für Luisa nur ein schwacher Trost. Schwanger in Paris, wie es Schwester Leonie ist, was für ein vergnügliches Family-Get-together in der Stadt der Liebe sorgt, klingt auch nur glamourös, wenn der Partner passt und einem das Ganze nicht eher ungewollt passiert.

Auch das Liebesglück von Schwester Loredana, die in Sachen Liebe nach Buenos Aires gezogen ist, weist so manchen Makel auf, wodurch Luisa in Wien eher unfreiwillig zu einer Mitbewohnerin kommt, die ihr immerhin teilweise die “unbrauchbaren” Online-Aufrisse abnimmt. Und auch ihr bester Freund Matto springt so manches Mal unterstützend ein, wenn die Liebessuchende gar zu sehr mit den Männern hadert.

Zweifel: Existiert Mr. Right überhaupt?

Als die fortschreitende Partnersuche immer frustrierender wird, fragt sich Luisa bange: “Vielleicht ist es mir tatsächlich nicht beschieden, die Liebe kennenzulernen, jemanden zu treffen, der meine Welt aus den Angeln hebt. Ich wäre wohl nicht die Einzige, der es so geht, aber naturgemäß tut es mir um mich dabei mehr leid als um die anderen.”

“Angezogen wäre das nicht passiert”: Leichter Lesespaß

Die Handlung von “Angezogen wäre das nicht passiert” plätschert kurzweilig dahin und bietet ein leichtfüßiges Lesevergnügen ohne wirklichen Tiefgang, dafür mit so mancher teils unerwarteten, teils haarsträubenden Wendung. So überlebt nicht jede der Online-Bekanntschaften Luisas das gemeinsame Date.

Wenig überraschend, sondern eher bedauerlich vorhersehbar ist dagegen schon bald, wer denn nun wirklich Luisas Herzbube ist. Dass sie selbst das als Letzte realisiert, ist wohl als klarer Fall von “Wald vor lauter Bäumen nicht sehen” zu werten.

Fazit: Der Roman wirkt wie “Chicklit”, die keine sein will. Doch dies auf charmante Art und mit bei Betroffenen sicherlich hohem Wiedererkennungswert.

Stremnitzer, Marie-Theres: Angezogen wäre das nicht passiert. Berlin Taschenbuch Verlag. Roman, 304 Seiten, Kartoniert. ISBN: 978-3-8333-0976-2
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 14,90


(DHE)

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