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Von Cybermobbing bis Abzocke: Experte klärt über Gefahren im Internet auf

Immer mehr Jugendliche werden im Internet gemobbt.
Immer mehr Jugendliche werden im Internet gemobbt. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Cybermobbing, Sextortion, Abzocke: Das Internet birgt zahlreiche Gefahren, die vor allem für Kinder und Jugendliche ohne die richtige Aufklärung zum Problem werden können. Der Experte Alexander Geyrhofer widmet sich deshalb dem Thema Sicherheit im Netz.

Der Polizist und Diplomsozialpädagoge Alexander Geyrhofer ermittelt seit fast 20 Jahren im Internet, sieben Jahre davon für das Landeskriminalamt Oberösterreich. In seinem neuen Buch widmet er sich dem Thema Sicherheit im Netz für Kinder und Jugendliche.

Im APA-Interview sprach er über Gefahren wie Cyberbullying oder Sextortion und warum Medienkompetenz in Schulen stärker thematisiert werden soll. “Eines der größten Probleme, die wir in Österreich haben, ist Cybermobbing. Da haben wir leider auch Todesfälle zu beklagen”, beschrieb Geyrhofer die derzeit schwerwiegendsten kriminellen Tatbestände im Internet. “Dazu kommen die verschiedenen Abzock-Seiten, wo man Kinder zu Klicks veranlasst, die über die Telefonrechnung hohe Kosten verursachen.”

Ein weiteres Phänomen sei Sextortion. “Da werden vor allem junge Burschen in Video-Chats gelockt und dort dazu gebracht, sexuelle Handlungen vor der Kamera zu machen. Tags darauf kommt ein Erpresserschreiben mit einer Zahlungsaufforderung.” Bereits Kinder-Chatrooms oder Kinderspiele mit Chatfunktion bergen Gefahren. Dort könnten Pädophile lauern, die ihre Identität verschleiern, sich etwa als Mädchen ausgeben und so das Vertrauen der Kinder erschleichen, warnte Geyrhofer.

Eltern bei Aufklärung über Gefahren im Netz in der Pflicht

Auch beim Surfen im Internet sollten Eltern ihre Kinder nicht allein lassen, meinte der Autor. “Wir sehen es als selbstverständlich an, unsere Kinder vor jeglichen Gefahren zu schützen. Wir nehmen die Kleinsten an der Hand und lernen ihnen das Gehen. Dann bekommen sie ein Fahrrad mit Stützrädern, Protektoren an Ellbogen, Knieschoner und Sturzhelme sollen sie vor Verletzungen schützen. Später machen sie vielleicht den L17-Führerschein, wo wir wieder 3.000 km lang daneben sitzen und graue Haare bekommen. Erst dann sind sie für den ‘Highway’ gerüstet. Die Frage, die wir uns stellen müssen: Warum machen wir das nicht auch beim Datenhighway, wo es unter Umständen genauso gefährlich sein kann? Wie auch im richtigen Leben haben wir als Gesellschaft die Verpflichtung, unsere Jüngsten im Internet zu schützen und sie des Weges zu begleiten.”

Überbehütung und ein Verbot des Internet-Zugangs sei der falsche Weg, doch Kinder das Internet “alleine kennenlernen zu lassen, ist meiner Meinung nach grob fahrlässig”, ist Geyrhofer überzeugt. Das erfolgt am Besten gemeinsam. So könnten etwa kindgerechte Nutzerkonten eingerichtet und Suchmaschinen speziell für Kinder installiert werden. Die Eltern könnten sich die Lieblingsseiten und -spiele ihrer Sprösslinge zeigen lassen und gemeinsam spielen. Umfangreiche Informationen lassen sich beispielsweise bei www.saferinternet.at finden. “Das Wichtigste ist, den Kindern immer ein vertrauensvoller Ansprechpartner zu sein, denn in der ‘Worst-Case’-Situation brauchen Kinder unbedingt eine erwachsene Vertrauensperson”, so Geyrhofer.

“Medienkompetenz braucht an Schulen mehr Raum”

Unbedingt müssen Kinder auch das “Recht am eigenen Bild” lernen. Sie müssen verstehen, welche Fotos sie da von sich machen und was es bedeutet, wenn man diese weiterschickt. “Vor allem, wenn Kinder von sich Fotos im leicht bekleideten oder gar nacktem Zustand machen und versenden”, warnte Geyrhofer. Im Hinblick auf Daten müssten Kinder wissen, dass man nicht alles von sich preisgeben sollte. In Sachen Medienkompetenz gebe es im Unterricht Luft nach oben: “Ich glaube, dass wir an den Schulen den richtigen Weg gehen, jedoch ist auch dort noch gehörig Aufholbedarf. Medienkompetenz bräuchte meiner Meinung nach an Österreichs Schulen noch mehr Raum”.

Allein auf die Schulen sollten solche Probleme jedoch nicht abgewälzt werden, findet Geyrhofer. “Laut Statistik besitzen 14 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen und 42 Prozent der Fünf- bis Achtjährigen in Österreich bereits ein Handy. Es sind in erster Linie einmal die Eltern gefordert, den Kindern den Umgang mit diesen Dingen zu lehren, nicht nur die Schulen. Bei zahlreichen Elternabenden habe ich festgestellt, dass in diesem Bereich teilweise großer Mangel an Medienkompetenz vorherrscht”.

Eltern und Lehrer bei Problemen hinzuziehen

Um Kinder vor Cybermobbing zu bewahren oder ihnen zu helfen, wenn sie davon betroffen sind, sollten Eltern laut Geyrhofer in ständigem Kontakt und in Beziehung zu ihnen sein. “Es ist wichtig, das Kind präventiv darauf vorzubereiten, dass die digitale Welt nicht immer die heile Welt ist”, ist der Polizist überzeugt. “Je sozialer das Umfeld ist, in dem Kinder aufwachsen, und Werte und Normen gelebt und unterrichtet werden, desto geringer ist das Risiko, ausgegrenzt zu werden oder jemanden auszugrenzen”, führte Geyrhofer aus.

Falls Kinder merken, dass jemand in der Klasse z.B. über WhatsApp gemobbt wird, sollten sie Screenshots machen und sich ihren Eltern oder dem Klassenvorstand mitteilen, damit diese helfend eingreifen. Falls Eltern beim Kind Wesensveränderungen bemerken, sollten sie sensibel sein und genauer hinschauen. “Kinder reagieren immer”, so der Experte. “Das kann sich in Aggression, psychosomatischen Erkrankungen, Schulunlust oder Notenverschlechterung widerspiegeln.”

Wird Cybermobbing ein schulisches Problem, dann sei der Weg zum Klassenvorstand nicht vermeidbar. “Wenn es extrem ist, würde ich auch den Gang zur Polizei nicht scheuen. Cybermobbing ist seit drei Jahren strafrechtlich verfolgbar. Wichtig ist, genügend Beweise zu sichern”, rät Geyrhofer. Die geltende Gesetzgebung hält er für ausreichend.

Experte: Gewaltspiele kein Auslöser für Amokläufe

Wer glaubt, dass Gewaltspiele für Amokläufe (“School Shootings”) verantwortlich sind, der liege falsch, ist Geyrhofer überzeugt: “Die menschliche Generalisierungstendenz ist es, sich für das eigene Versagen immer einen Sündenbock zu suchen. Es gibt Hunderte Millionen Egoshooter-Spieler auf der Welt. Da müssten wird ja auch zahlreiche Amokläufe haben und das ist Gott sei Dank nicht so”. Zwei einflussreiche Faktoren hinsichtlich der Computerspiele seien jedoch zu beachten. Zum Einen seien dies die Altersgrenzen: “Da finde ich es erschütternd, dass es teilweise Eltern völlig egal ist, welche Spiele ihr Kind spielt. Die Altersangaben auf den Spielen sind ja nicht umsonst angebracht. Kinder können bis zum Alter von etwa neun Jahren zwischen virtuell und real nicht unterscheiden und ängstigen sich auch bei Zeichentrickfilmen mit Gewaltinhalten. Die Kinder müssen dann diese Horrorszenarien verarbeiten, leiden unter Schlafstörungen und das zeigt sich möglicherweise auch in aggressivem Verhalten.”

Der weit wichtigere Faktor sei, dass Kinder “stundenlang vor irgendwelchen Bildschirmen geparkt” werden. Allen voran vor dem Fernseher. “Wenn Kinder mehrere Stunden vor Bildschirmen sitzen, fehlt diese Zeit, um mit der Familie Beziehung zu leben. Mangelnde Beziehung bedeutet, dass die Spiegelneuronen, die für unsere Empathie-Fähigkeit wichtig sind, wenig trainiert werden.” Wenig Beziehung bedeute zudem ein Risikofaktor für Gewalt- oder Suchtentstehung.

Polizei veranstaltet Workshops zum Thema

Während seiner beruflichen Tätigkeit in der polizeilichen Prävention im Bereich Jugendgewalt- und Cybercrime-Prävention über fast zwei Jahrzehnte erschütterte Alexander Geyrhofer immer wieder “die Grässlichkeit, mit der manche Täter vorgehen”, wie er erzählte. “Verwundert hat mich, dass auf die rasend schnelle Entwicklung des Internets und der technischen Möglichkeiten relativ langsam reagiert wurde. Die Technik hat viele überholt.”

Besonders stolz habe ihn gemacht, dass die Polizei die Probleme erkannt habe und seit mehr als zehn Jahren an Schulen in Österreich Schülerworkshops, Elternabende und Lehrerinformation anbietet.

(Das Gespräch führte Nicole Rennhofer/APA)

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