Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Volksarmee soll helfen

Die jüngsten amerikanischen Drohungen in Richtung Bagdad zwingen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein zum Handeln.

Sollte er sich mit der Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren einverstanden erklären, könnte er den Kopf vielleicht noch einmal aus der Schlinge ziehen und einen Angriff der USA abwenden. Doch nach dem ersten Treffen zwischen dem irakischen Außenminister Nadji Sabri und UNO-Generalsekretär Kofi Annan vergangenen Donnerstag waren an diesem Wochenende wieder die alten unversöhnlichen Töne aus Bagdad zu hören. Die 1998 ausgewiesenen UNO-Kontrolleure seien nichts anderes als amerikanische „Spione“, erklärte Vizepräsident Taha Jassin Ramadan. Man werde sie nicht wieder ins Land lassen.

Die Inspektoren sollen nach dem Willen der Vereinten Nationen herausfinden, ob der Irak tatsächlich chemische und biologischer Kampfstoffe herstellt, wie dies von Washington behauptet wird. „Doch das wird nur passieren, wenn die Inspektoren auch wirklich Zugang zu allen verdächtigen Einrichtungen erhalten“, meint ein Irak-Experte. „Wenn die Iraker wieder Katz und Maus mit ihnen spielen und die Kontrolleure am Eingangstor mit Papierkram aufhalten, während hinten die Lastwagen herausgefahren werden, bringt das Ganze nicht viel.“

Abu Hussein aus Nedjaf hat den Einmarsch in Kuwait und die Luftangriffe von 1991 noch immer lebhaft in Erinnerung. „Der Offizier hielt mich auf der Straße an, gab mir eine Uniform und sagte: Los, ab mit dir nach Kuwait.“ Der 55 Jahre alte Iraker hat, wie viele seiner Landsleute, Angst, dass es nun bald wieder Krieg geben wird. „Die Amerikaner haben in den letzten zwölf Jahren viele neue Waffen angeschafft, die sie jetzt bei uns ausprobieren wollen“, meint er.

„Aber wir haben auch noch so einiges auf Lager“, fügt er hinzu. „Wenn mich jetzt einer hört, werde ich sofort abgeführt“, flüstert Abu Hussein und legt zum besseren Verständnis beide Handgelenke aufeinander, so als habe ihm jemand Handschellen angelegt. Der Irak habe wahrscheinlich 1000 Lastwagen in rollende Geschoßwerfer umgebaut, erklärten US-Diplomaten kürzlich. Tatsächlich stehen an einigen Stellen im Lande merkwürdig platzierte sandfarbene Lastwagen, die von Sandsäcken umgeben sind. Welchem Zweck sie dienen soll, ist schwer zu sagen.

Abu Hussein macht für das UN-Embargo und die daraus resultierende katastrophale wirtschaftliche Lage im Irak zwar in erster Linie die USA, aber auch das Regime in Bagdad verantwortlich. Er würde im Falle eines US-Angriffs am liebsten zu Hause abwarten, bis alles vorbei ist, anstatt die Führung unter Präsident Saddam Hussein mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.

Ausländische Beobachter glauben, dass die irakische Regierung bei einem Großangriff der Amerikaner versuchen könnte, den Konflikt wie damals im Golfkrieg mit Raketenangriffen auf Israel auf die gesamte Region auszuweiten. Denn angesichts der derzeit massiven israelischen Militäraktionen in den Palästinensergebieten hätte Bagdad dadurch rasch die Sympathien der „Araber auf der Straße“ gewonnen.

Neben den regulären Truppen wolle Bagdad zur Landesverteidigung außerdem eine Art Volksarmee aufstellen. Die „Freiwilligen-Armee zur Befreiung von Jerusalem“, zu der sich im vergangenen Jahr nach offiziellen Angaben 6,6 Millionen irakische Männer und Frauen gemeldet haben, sei in Wirklichkeit nichts anderes als eine Hilfstruppe für den Fall eines US-Angriffs, vermuten einige Irak-Experten.

Die Freiwilligen erhalten eine zweimonatige militärische Grundausbildung, die nach Aussagen derjenigen, die das Training mitgemacht haben, äußerst schweißtreibend und anspruchsvoll ist. Vizepräsident Tarek Asis erklärte vor einigen Tagen, die Regierung habe bereits „alle notwendigen Maßnahmen“ für den Fall eines Angriffs getroffen.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Volksarmee soll helfen
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.