Vierjährige starb nach Zahnoperation

Symbolfoto &copy Bilderbox
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Vierjähriges Mädchen verstarb nach einfachem operativem Eingriff - Wiener Anästhesist verurteilt - Drei Monate bedingt plus 43.200 Euro Geldstrafe für „grobe Sorgfaltswidrigkeit“ - Auch Krankenschwester schuldig gesprochen.

Am Nachmittag des 6. Dezember 2002 wurde die vierjährige Olivia in einem Wiener Spital aufgenommen. Ihr sollten unter Vollnarkose mehrere schief gewachsene Milchzähne operativ entfernt werden. Um 21.30 Uhr war die Kleine tot, sämtliche Reanimationsversuche schlugen fehl. Schuld daran waren der 56-jährige Narkosearzt und eine Diplomkrankenschwester, wie ein Berufungssenat im Wiener Straflandesgericht (Vorsitz: Karlheinz Seewald) am Dienstag bestätigte. Speziell dem Arzt wurde eine „grobe Sorgfaltswidrigkeit“ bescheinigt.

Mediziner ging in Berufung

Der Anästhesist und die Krankenschwester waren im Mai 2004 vom Bezirksgericht Wien-Josefstadt wegen fahrlässiger Tötung schuldig erkannt worden. Während die Frau mit drei Monaten bedingter Haft einverstanden war, erschien dem Mediziner seine Strafe zu hoch: Mit ebenfalls drei Monaten auf Bewährung und einer unbedingten Geldstrafe von 43.200 Euro konnte er nicht leben. Er ersuchte in der Berufungsverhandlung darum, die Geldbuße in eine bedingte umzuwandeln, da er nicht besonders sorglos gehandelt habe.

Senat: “Mehrfache Unterlassungen”

Der Senat lehnte das ab und fand in der Begründung harte Worte für den Mediziner. Das Nichteinhalten von Überwachungsmaßnahmen in der Aufwachphase habe zum Tod der Vierjährigen geführt. Dem Arzt seien „mehrfache Unterlassungen“ vorzuwerfen, doch statt eines reumütigen Geständnisses habe er mit „Verschleierungsversuchen“ seine Verantwortung für den tragischen Tod abzuwälzen versucht.

Der Anästhesist hatte dem Mädchen eine unüblich hohe Dosis Narkosemittel verabreicht, wie sie normalerweise nur Erwachsene bekommen. Im Aufwachraum soll Olivia angeblich zunächst unruhig gewesen sein, so dass darauf verzichtet wurde, ihr das Pulsmessgerät anzulegen. Begründung des Arztes: „Ich wollte für sie das Angenehmste und Sicherste tun.“

Olivia war ganz kalt

Den Eltern der Kleinen, die am Krankenbett saßen, fiel allerdings auf, dass diese eigenartige Flecken am Körper hatte und unterkühlt war. Sie machten vergeblich darauf aufmerksam. Als die Mutter Olivia in den Arm nehmen wollte, um sie zu wärmen, untersagte ihr das die Schwester mit schroffen Worten. Der Arzt verwies auf die defekte Klimaanlage im OP-Raum. Da komme ein „Kältezittern“ öfter vor.

Während der Anästhesist nebenan Schreibarbeiten erledigte, schlief das Mädchen ein. Keiner hatte ihre Temperatur gemessen, die Atmung und den Kreislauf überwacht. Sie wurde nicht an den üblichen Monitor angeschlossen. Nach Erkenntnis des Gerichts vertraute der Arzt „aus Bequemlichkeit“ auf die Wächterfunktion der Eltern – ohne jedoch mit diesen darüber zu sprechen und sie ums Aufpassen zu bitten.

Olivia starb infolge einer nicht ausreichenden Eigenatmung. Die rechtzeitige Zufuhr von Sauerstoff hätte das verhindern können.

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