Viennale 10: Viele Porträtdokus, wenig Österreicher

Die Dokumentarfilmschien gibt sich vielseitig.
Die Dokumentarfilmschien gibt sich vielseitig. ©Robert Newald
Die Dokumentarfilmsektion konzentriert sich heuer auf Porträts an Porträts, die stets populären Musik-Dokus lassen heuer die 70er Jahre wieder auferstehen.
Abseits des Mainstreams
Tributes und Specials
Französischer Eröffnungsfilm
Am Samstag startet der Vorverkauf

Die Dokumentarfilmsektion wartet vor allem mit einer breiten Vielfalt an Porträts auf: Casey Affleck begleitet Hollywoodstar Joaquin Phoenix in der Fake-Doku “I’m not there” bei dessen Scheitern in der Musikbranche, Leon Gast sorgt mit seinem Film “Smash his Camera” über den legendären Paparazzi Ron Galella für Gesprächsstoff und der renommierte Avantgarde-Filmemacher Jonas Mekas blickt in “Notes on an American film director at work” Regisseur Martin Scorsese bei den Dreharbeiten zu “The Departed” über die Schulter.

Folgen langjähriger Diktaturen

Die stets populären Musik-Dokus lassen heuer u.a. die 70er Jahre wieder auferstehen. Murray Lerner zeigt mit “Leonard Cohen: Live at the Isle of Wight” einen legendären Auftritt des damals 35-jährigen Kanadiers, mit “Stones in Exile” führt uns Stephen Kijak zurück zu den Albumaufnahmen der Rolling Stones zu “Exile on Main Street”. Einen etwas anderen Musikfilm präsentiert Festivalgast John Turturro mit “Passione”, einer “musikalischen Reise durch Neapel”. Politische Dokus beschäftigen sich unter anderem mit den Folgen langjähriger Diktaturen (“48” von Susana de Sousa Dias über Salazar in Portugal) und mit Bürgerunruhen (“L’impossible – Pages arrachees” des Aktivisten Sylvain George über Demonstrationen in Frankreich).

Deutsche, chinesische und französische Dokus

Neben einer starken Präsenz deutscher, chinesischer und französischer Dokus gebührt auch den österreichischen Koproduktionen Beachtung: Die steirische Regisseurin Astrid Heubrandtner porträtiert in der türkisch-österreichischen Produktion “Mein Haus stand in Sulukule” ein Roma-Viertel in Istanbul, das der Sanierung weichen muss. Der niederländische Fotograf Allan Sekula widmet sich gemeinsam mit Noel Burch in der niederländisch-österreichischen Doku “The Forgotten Space” dem Meer als ökonomische Basis der Globalisierung im Warenverkehr. Der Film wurde im Orizzonti-Wettbewerb in Venedig kürzlich mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Die amerikanische Regisseurin Sharon Lockhart, der 2000 ein Viennale-Special Program gewidmet wurde, ist mit der amerikanisch-österreichischen Koproduktion “Double Tide” vertreten.

Magere österreichische Ausbeute

Gab es bei der Viennale im Vorjahr noch eine “österreichische Invasion” in der “Home Run”-Schiene, fällt die Anzahl österreichischer Filme heuer sehr mager aus. Ein Spielfilm, zwei Dokumentarfilme und vier österreichische Koproduktionen in der Spiel- und Dokumentarfilmsektion sehen blass aus gegenüber der sieben Kurzfilme österreichischer Avantgarde-Filmemacher. Einem von ihnen, Siegfried A. Fruhauf, wird mit “Exposed” ein Special Program gewidmet. Generell ist das Kurzfilmprogramm stark ausgebaut worden und beinhaltet beinahe 50 Arbeiten, darunter von Peter Tscherkassky, Martin Arnold und Sasha Pirker.

Wiedersehen mit Ute Bock

Ein Wiedersehen in der Dokumentarfilmsektion gibt es mit der Grande Dame der Sozialarbeit, Ute Bock. War “Bock for president” (Uraufführung bei der vergangenen Viennale) noch ein reiner Dokumentarfilm, verschmelzen in Houchang Allahyaris “Die verrückte Welt der Ute Bock” dokumentarische Szenen mit Spielfilmsequenzen, in denen unter anderem Josef Hader und Karl Markovics zu sehen sind. Nicht zum ersten Mal bei der Viennale ist auch Experimentalfilmer Martin Bruch, dessen Doku “bruchstücke”, ein “Fotofilmprojekt in 40 Sequenzen” mit Reinhilde Condin, quasi eine Fortsetzung seines “handbikemovie” darstellt, das 2003 auf der Viennale zu sehen war.

Lieblosigkeit und Kälte

Es ist auch ein Avantgardefilmer, der den einzigen österreichischen Beitrag im Spielfilmprogramm präsentiert. Johannes Hammel, der bereits mehrmals beim Festival im Kurzfilmprogramm vertreten war und beim heurigen Beitrag “The Future will not be Capitalist” von Sasha Pirker als Kameramann mitwirkte, schuf mit seinem Langfilmdebüt “Folge mir” einen Schwarz-weiß-Streifen über Lieblosigkeit und Kälte.

Flucht in besseres Leben

Der rumänisch-österreichische Spielfilm “Periferic” von George Bogdan Apetri besticht durch die herausragende Leistung von Ana Ularu, die beim Filmfestival in Locarno mit dem Preis der Schweizer Filmkritik als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Ularu verkörpert in dem von Josef Aichholzer koproduziertem Streifen eine junge Frau am Rande der Gesellschaft, die ihren 24-stündigen Freigang vom Gefängnis für eine Flucht in ein besseres Leben nutzen will. Ein Porträt einer Berliner Fotografin zeichnet der gebürtige Texaner Lawrence Tooley in der deutsch-österreichischen Produktion “Headshots”, in der auch Karlheinz Hackl eine Rolle übernimmt.

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