Viennale '07: Relevant und gut

Eine versteinerte Pflanze aus der Kreidezeit ist das zentrale Plakatmotiv der heurigen Viennale (19. bis 31. Oktober). Die seltene Abbildung sei als „früher Abdruck von Wirklichkeit“ ausgewählt worden.

Dies erläuterte Festival-Direktor Hans Hurch am Donnerstag bei der traditionellen Sommer-Pressekonferenz, bei der erste Einblicke in das Programm gegeben wurden. Mit dem Tribute für Jane Fonda und den zwei „Special Programs“ sei man heuer „sehr frauenlastig“. In der Grundstruktur habe sich das Festival im Großen und Ganzen aber nicht verändert.

80 Prozent des Programms, das mit rund 120 bis 140 aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen ähnlich umfangreich wie im Vorjahr ist, stehen bereits fest. Auch heuer sei es das Ziel gewesen, ein Destillat dessen, was im vergangenen Produktionsjahr „relevant und gut“ war, zu präsentieren. Neben dem rumänischen Cannes-Sieger “4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ von Cristian Mungiu und Ulrich Seidls Cannes-Beitrag „Import Export“ finden sich etwa auch Gus Van Sant mit „Paranoid Park“, Christian Petzold mit „Yella“ oder Sandrine Bonnaire mit der Doku „Elle s’appelle Sabine“ im Programm.

Sandrine Bonnaire wird zur Vorstellung ihrer ersten Regiearbeit ebenso persönlich in Wien anwesend sein wie Jane Fonda, der heuer das große Tribute gewidmet ist. Um den US-Star habe man sich drei Jahre lang bemüht, umso glücklicher sei man, dass sie nun zur Eröffnung und dem anschließenden Wochenende in Wien sei, so Hurch. Aus Anlass des Tributes kommt auch der legendäre Kameramann Haskell Wexler zur Viennale. Die beiden „Special Programs“ sind heuer der amerikanischen Exploitation-Filmemacherin Stephanie Rothman und der Französin Pascale Ferran gewidmet, die auch beide zu Gast sein werden.

Zwei große Filmschauen von Filmarchiv und Filmmuseum begleiten das reguläre Viennale-Programm. Christian Dewald kuratierte für das Filmarchiv eine Schau zur linken Filmkultur der Ersten Republik unter dem Titel „Proletarisches Kino in Österreich“. Für das Filmmuseum kuratierte der französische Filmemacher Jean-Pierre Gorin heuer die Retrospektive, die sich dem essayistischen Kino von 1909 bis 2004 verschrieben hat. Unter dem Titel „Der Weg der Termiten“ sind etwa „Los Angeles Plays Itself“ von Thom Andersen oder Jean-Luc Godards „Puissance de la Parole“ zu sehen.

In memoriam Michelangelo Antonioni oder Ingmar Bergman werde er keine Filme zeigen, so Hurch. Er hätte sich diesbezüglich jedoch eine breitere Würdigung im ORF gewünscht. Das österreichische Kino werde hingegen wieder seinen Platz finden, neben Ulrich Seidls Film ist auch Kurt Palms Doku über Hermes Phettberg im Programm. Alle Filme im Detail werden am 3. Oktober bei der Haupt-Pressekonferenz vorgestellt. Der Vorverkauf beginnt am 6. Oktober.

Die Viennale wird wie im vergangenen Jahr in den Innenstadtkinos Gartenbaukino, Metrokino, Stadtkino, Urania und Künstlerhauskino stattfinden. Spielort der Retrospektive ist das Filmmuseum. Insgesamt steht dem Festival ein Budget von 2,6 Millionen Euro zur Verfügung, die Hälfte davon wird von der Stadt Wien gestellt. Der Bund leiste mit seinem Beitrag nur vier Prozent des Gesamtbudgets – hier würde sich Hurch einen größere Summe wünschen. Hauptsponsor ist die Erste Bank, die gemeinsam mit A1 und der Wiener Städtischen einen großen Teil des Budgets abdeckt.

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