Victoria - Trailer und Kritik zum Film

Eine erfolgreiche Strafverteidigerin muss erst den Tiefpunkt erlangen um zu erkennen, wer und was gut für sie ist: Was unter dem Titel "Victoria - Männer und andere Missgeschicke" oberflächlich wie eine weitere romantische Komödie aus Frankreich anmutet, ist das aberwitzige und zugleich melancholische Porträt einer komplexen Frau - gespielt vom Star der Stunde, Virginie Efira.

Victoria (Efira) ist Pariserin, Ende 30, alleinerziehende Mutter zweier Töchter und Anwältin. Womöglich ist sie sex- und tablettensüchtig, mit Sicherheit ein Workaholic, definitiv Zynikerin – und so oder so ungemein selbstbezogen. Ein weitaus drastischeres Bild zeichnet ihr Ex-Mann und Vater ihrer Kinder, Vincent (Melvil Poupaud), gegen dessen “Enthüllungsblog” sie gerade mehr oder weniger erfolgreich vor Gericht zieht.

Victoria – Die Handlung

Die Hochzeitsfeier von Freunden tritt schließlich eine Kette an Ereignissen los, die sie endgültig an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringen. Hier trifft sie auf ihren Ex-Freund David (Laurent Poitrenaux), der am nächsten Morgen von seiner Ehefrau des versuchten Mordes beschuldigt wird, und auf Sam (Vincent Lacoste), einen ehemaligen Klienten und Kleinkriminellen, der bei ihr anheuern will. Widerwillig übernimmt sie tags darauf Davids Fall und stellt Sam als Au Pair ein. Berufliches und Privates zu mischen, ist bekanntlich nie eine gute Idee, und so wird Victoria bald alles zu viel: Sowohl Davids Fall, in dem ein eifersüchtiger Dalmatiner und eine fotografierende Schimpansin einzige Zeugen sind, als auch Vincents Offenlegung ihres früheren Sexlebens schädigen ihren Ruf gewaltig. Und dann entwickelt der unschuldige Sam eine Schwäche für sie.

Victoria – Die Kritik

“Victoria” ist bunt, wild, rasant geschnitten und trotz teils ins Groteske rutschender Szenen zutiefst in der (weiblichen) Lebensrealität verhaftet. Die französische Regisseurin Justine Triet spielt mit Klischees und Mitteln der romantischen Komödie, aber auch des Anwaltsdramas, um weitaus mehr offenzulegen: Gezeichnet wird ein brutal ehrliches Bild vom Zirkus, zu dem ein Gerichtssaal mitunter werden kann, und von der schwierigen Balance einer alleinerziehenden Mutter und berufstätigen Frau zwischen eigenen hohen Ansprüchen, externen Erwartungen, misogynen Zuschreibungen – und einer womöglich verdrängten postnatalen Depression.

Ein Gefühl für ihre zutiefst widersprüchliche, spannende Heldin gibt Triet durch kurze Schlaglichter auf ein außer Kontrolle geratenes Leben: Wie ein roter Faden ziehen sich Victorias Gespräche mit ihrer Wahrsagerin, ihrem Psychiater, ihrer allzu direkten feministischen Vertrauten und ihrer Akupunktur-Therapeutin durch den Film. Auch den Typen, mit denen sie sich online zum Sex verabredet, schüttet sie unvermittelt ihr Herz aus. Dabei ist es – wie so oft – der harmloseste Mensch direkt vor ihrer Nase, der sie ihrer Sehnsüchte und Wünsche bewusst machen kann.

Die belgische ehemalige TV-Moderatorin und nunmehr gut gebuchte Schauspielerin Virginie Efira (40), bekannt aus französischen Komödien wie “Birnenkuchen mit Lavendel” und “Mein ziemlich kleiner Freund”, gibt hier die auf Widerstand gebürstete Naturgewalt – hoch intelligent und neurotisch, willensstark und so sehr im Strudel der Ereignisse gefangen, dass sie nicht merkt, wo sie womöglich falsch abgebogen ist und wem sie fatalerweise vertraut hat. Wie sie die Aspekte des modernen Lebens einer Frau – von Kindern über Job bis Sex und Romantik – angeht, ist kompliziert und höchst lustvoll zugleich.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Victoria”

(APA)

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