Veruntreuung wegen Mutterliebe: Prozess in Wiener Neustadt

Mutterliebe führte zu Veruntreuung: Prozess in Wiener Neustadt
Mutterliebe führte zu Veruntreuung: Prozess in Wiener Neustadt ©APA (Sujet)
Eine 40-jährige Frau muss in Niederösterreich wegen falsch verstandener Mutterliebe hinter Gitter. Die Frau wollte die Spielschulden ihrer Söhne begleichen.

Aus falsch verstandener Mutterliebe muss eine 40-Jährige hinter Gitter. Die Frau wurde am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen Untreue – nicht rechtskräftig – zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt, weil sie als Lohnverrechnerin ihrem Arbeitgeber knapp eine Million Euro “abnahm”, um damit die Spielschulden ihrer beiden Söhne zu begleichen.

Mutterliebe führte zu Veruntreuung

Als sie 2008 mit der Familie von Niederösterreich nach Wien zog, begann das Übel. Die Söhne, ein Zwillingspaar mit knapp 18, gerieten in ein falsches Umfeld. Anstatt Arbeit zu suchen, zog es die beiden in Spielhallen vor Automaten. Das Geld dafür besorgten sie sich zunächst bei sogenannten Kredithaien. Als die Burschen ihre Schulden nicht bezahlen konnten, weinten sie sich bei der Mutter aus.

“Mein Mann hätte die beiden sicher hinausgeschmissen, das wollte ich nicht. Dazu liebe ich meine Söhne zu sehr”, erklärte die Angeklagte vor Gericht. Vier Jahre lang missbrauchte sie das Vertrauen ihres Arbeitgebers, indem sie als Lohnverrechnerin 246 fingierte Rechnungen für bereits aus der Firma ausgetretene Mitarbeiter abbuchte. Zum Beispiel brachte sie Abfertigungen, Prämien, Urlaubsentgelte, Sonderzahlungen, ja sogar Kilometergeld als Aufrollung folgendermaßen zur Auszahlung.

Mutter muss nun hinter Gitter

Sie überwies die Beträge, die sich zwischen 3.000 und 4.000 Euro bewegten, auf 53 fremde Konten von Bekannten, Verwandten und Freunden. Denen hatte sie zuvor irgendwelche Geschichten von Prämien erzählt, woran keiner Zweifel hegte. “Die haben mir alles geglaubt, weil mir keiner so etwas Kriminelles zugetraut hat”, meinte die Beschuldigte selber.

Nach den Manipulationen besserte sie die Kontodaten in der Lohnverrechnung wieder auf den ursprünglich richtigen Stand aus. Exakt 945.876 Euro zweigte die Frau auf diese Weise von dem Firmenkonto ab. Bei einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt im Jahre 2012 flog alles auf.

Die Frau verlor ihren Job, ihr Mann hat sie verlassen. Geblieben sind Schulden und Exekutionen. Die Angeklagte wurde auch verurteilt, ihrem ehemaligen Arbeitgeber etwas mehr als 800.000 Euro zurückzuzahlen.

(APA)

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