Versicherungsbetrug in Millionenhöhe: Prozess in Wien

Prozess um Versicherungsbetrug am Wiener Straflandesgericht
Prozess um Versicherungsbetrug am Wiener Straflandesgericht ©VIENNA.AT/Alexander Blach (Sujet)
Der Prozess um einen millionenschweren Versicherungsbetrug hat am Montag am Wiener Straflandesgericht begonnen. Insgesamt sollen 5,6 Millionen Euro unrechtmäßig ausbezahlter Provisionen geflossen sein, die durch den Abschluss von knapp 1.300 fondsgebundenen Lebensversicherungen "erwirtschaftet" wurden.

Drei der sechs Angeklagten waren anwesend – und bekannten sich nicht schuldig.

Das Vorgehen der Versicherung

Den Kunden wurde versprochen, sie müssten lediglich die erste Prämie der Lebensversicherung bezahlen, alle weiteren würden von zwei in der Schweiz beheimateten und Ende 2007 gegründeten Gesellschaften (“Golden Lion Group”, “Golden Tiger Group”) übernommen. Dafür wurde ein Rückkaufsrecht nach fünf Jahren eingeräumt. Da mit einem überaus umfangreichen Beweisverfahren zu rechnen ist, wurde der Prozess auf insgesamt acht Verhandlungstage anberaumt.

Erster Angeklagter diente als Bindeglied

Als erster der Angeklagten wurde ein 52-jähriger Oberösterreicher einvernommen, der quasi als Bindeglied zwischen den beiden Gesellschaften und der Helvetia Versicherung die sogenannte Offertkalkulation durchgeführt hatte. Bei den Abschlüssen selbst sei er nie dabei gewesen. Knapp 2.000 Offerte soll der Versicherungsagent ausgearbeitet und dafür innerhalb eines Jahres 193.000 Euro an Provisionen sowie eine Bonifikation in der Höhe von 824.000 Euro erhalten haben.

Minutiös schilderte der seit 1981 im Versicherungsgeschäft tätige und somit über reichlich Erfahrung verfügende 52-Jährige das Prozedere. Kunden wurden von der “Golden Lion Group” (GLG) oder der “Golden Tiger Group” (GTG) mit kostengünstigen Lebensversicherungen geködert, er selbst habe lediglich als Zwischenhändler fungiert. Auf den Einwurf von Richterin Marion Zöllner, es mute doch seltsam an, wenn Versicherungsagenturen bis auf die erste alle weiteren Prämien übernähme, meinte der Angeklagte, das sei in der Branche “nicht unüblich”.

“Es ist gut für mich gelaufen”

Von März 2008 bis März 2009 lief für den Oberösterreicher alles überaus reibungslos. Er habe einen Job gehabt, bei dem er es nicht mit Kunden zu tun gehabt hätte und der auch sonst nicht allzu viel Aufwand bedurfte. “Es ist gut für mich gelaufen. Es war ein komfortables Geschäft.” Mittlerweile hatten GLG und GTG das eingenommene Geld in Schweizer Aktien investiert – angeblich mit einer zugesicherten Rendite von 100 Prozent. Mit diesen Mehreinnahmen wurden die Prämien für die rund 1.300 Lebensversicherungsnehmer bezahlt.

Prämien-Zahlungen an Kunden blieben aus

Doch es ging eben nur etwa ein Jahr gut. Das Geld wurde knapp, Prämien konnten nicht mehr bezahlt werden, worauf die Helvetia Versicherung ihre Kundschaft mahnte, was wiederum Unmut bei ebendiesen auslöste. Die Helvetia habe dann die Provisionszahlung eingestellt und sei laut dem 52-Jährigen punkto Kommunikation auf Tauchstation gegangen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte sich der Schaden für die Versicherungsgesellschaft bereits auf fünf Millionen Euro belaufen haben.

Ungereimtheiten beim Prozess in Wien

Welche Rolle der Oberösterreicher nun tatsächlich gespielt hat, erschloss sich am ersten Verhandlungstag nicht gänzlich. Einerseits behauptete er, er habe mit den Geschäftsabläufen bei GTG und GLG nie etwas zu tun gehabt. Andererseits sei es der 52-Jährige gewesen, der für erstere sogar eine E-Mail-Adresse (.gmx) eingerichtet habe. Kurze Zeit später verweigerte er die weitere Aussage.

Hoch verschuldetes Trio vor Gericht

Fakt ist, dass die drei anwesenden Angeklagten allesamt bei der Finanz hoch verschuldet sind oder sie zu sechsstelligen Provisionsrückzahlungen verdonnert wurden. Während die beiden anderen Männer geringfügig beschäftigt sind oder dreistellige Euro-Summen monatlich erhalten, scheint der 52-Jährige nahezu mittellos: “Ich bekomme gar nichts. Ich lebe derzeit von der Pension meiner Frau.”

Die weiteren Verhandlungstage: 21., 22., 24. Jänner, 3., 4., 5. Februar 2014, jeweils 9.30 Uhr, jeweils Saal 203; 7. Februar, 9.30 Uhr, Saal 106. Die Verhandlungen sind bis jeweils 15.30 Uhr angesetzt.

(apa/red)

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