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Verschwendete Jugend

Linder, Untitled, 1977, Courtesy die Künstlerin/the artist und/and Stuart Shave/Modern Art, London; Installationsansicht in der Kunsthalle Wien: Robert Mapplethorpe, Patti Smith, 1976, Patti Smith, 1978, Courtesy Robert Mapplethorpe Found
Linder, Untitled, 1977, Courtesy die Künstlerin/the artist und/and Stuart Shave/Modern Art, London; Installationsansicht in der Kunsthalle Wien: Robert Mapplethorpe, Patti Smith, 1976, Patti Smith, 1978, Courtesy Robert Mapplethorpe Found
Dass von einer einheitlichen Definition von Punk nicht die Rede sein kann, zeigt die Ausstellung „Punk. No One is Innocent“ – nach dem Titel eines Songs der „Sex Pistols“ aus dem Jahr 1978 - in der Kunsthalle Wien auf. Das Jugendmagazin Chilli.cc berichtet.

Punk ist tot. Das Ende einer Bewegung, die vor über dreißig Jahren ihren Ursprung fand, wurde oft postuliert. Genau so lange versuchen ihre Anhänger, sie am Leben zu erhalten. In den letzten Jahren wurde ein regelrechtes Punk-Revival zelebriert; neue Bands, die mit den Ursprüngen der Bewegung so gar nichts gemein hatten, schossen aus dem Boden und feierten eine vergangene Ära, deren Spirit sie nicht mehr einzufangen vermochten. Die, die übrig geblieben waren, taten sich erneut zusammen, um auf Welttournee zu gehen (wie die „Sex Pistols“) und ließen tatsächlich den Eindruck entstehen, dass anstatt einer Ideologie eher Marketingstrategien standen.

Keine Irokesen
Dass von einer einheitlichen Definition von Punk nicht die Rede sein kann, zeigt die Ausstellung „Punk. No One is Innocent“ – nach dem Titel eines Songs der „Sex Pistols“ aus dem Jahr 1978 – in der Kunsthalle Wien auf. Anhand der Metropolen Berlin, New York und London wird deutlich, auf welch unterschiedlichen Arten sich das Phänomen entfalten konnte und von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Dabei gehe es darum zu zeigen, „was Punk hervorgebracht hat“, heißt es in der Eröffnungsrede. Wer sich eine Auflistung von Punkbands sowie Fotos von den besten Irokesen erhofft, wird in seinen Erwartungen enttäuscht. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Punk in den drei Städten stehen stattdessen im Mittelpunkt.

God save the Queen
In London war es vor allem Malcolm McLaren, der den Begriff Punk in Großbritannien prägte. Der Manager der „Sex Pistols“ und Betreiber des Ladens „Sex“ schuf zusammen mit der Designerin Vivienne Westwood und dem Grafiker Johnny Reid eine Form des Punks, die auf Äußerlichkeiten und das Selbstbild besonderen Wert legte. Provokante Kleidung und extremes äußerliches Auftreten bildeten folglich auch Hauptmerkmal der „Sex Pistols“, deren Song „Anarchy in the U.K.“ zur Hymne des Punks avancierte.

Während die Arbeiterklasse sich mit Johnny Rotten und seinen Bandkollegen identifizieren konnte und den Bruch mit alten Normen anstrebte, entwickelte sich in New York Punk in einer kunstorientierten Richtung heraus. Patti Smith, Andy Warhol und Robert Mapplethorpe entsprechen kaum der Form eines Punks, die McLaren angepriesen hatte; der modische Aspekt geriet hier in den Hintergrund.

Auffallen um jeden Preis
Das Künstlerische spielte auch in der Berliner Punkszene eine wesentliche Rolle. Bands wie die „Einstürzenden Neubauten“ gelten auch heute nicht nur als Musiker, sondern vor allem als Künstler. Deutschlands Entwicklung im Hinblick auf Punk wurde von Jürgen Teipel in „Verschwende deine Jugend“, auch der Titel eines DAF-Songs, aufgezeigt: Für ihn beschreibt der Satz „Jeder kann es“ den Zeitgeist am treffendsten. Selbstgebastelte Plattencover, die Verbreitung von „Fanzines“ und musikalisches Aus-der-Norm-Fallen belegen dies, haben jedoch mit der Londoner Punkszene, die die modische Erscheinung in den Mittelpunkt rückte, nicht mehr viel gemeinsam.

Drei Städte, die eine unterschiedliche Auffassung von Punk hatten – gemeinsam ist ihnen, dass sie ihrer Distanzierung und Verneinung von alten Werten und gesellschaftliche Normen Ausdruck verliehen. Wie sehr das mit der heutigen Begriffsdefinition eines Punks zu vereinbaren ist, sei dahingestellt.

Text: Michaela Wein

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