Vermisstensuche: Polizeihubschrauber bekommen neue Vermisstensuch-Geräte

Polizeihubschrauber werden mit neuen Vermisstensuch-Geräten ausgestattet.
Polizeihubschrauber werden mit neuen Vermisstensuch-Geräten ausgestattet. ©APA/EXPA/JFK
An vier Standorten sollen Polizeihubschrauber neue Geräte zur Vermisstensuche erhalten. Am Freitag wurden die neuen Geräte vorgestellt.

Die Polizeihubschrauber an bald vier Standorten in Österreich verfügen über ein neues Gerät zur Vermisstensuche. Es handelt sich um einen Detektor, der im Flug spezielle Reflektoren an der Ausrüstung der Gesuchten aufspüren kann. Der Bergrettungsdienst, der Hersteller Recco und die Flugeinsatzstelle des Innenministeriums am Linzer Flughafen in Hörsching stellten das System am Freitag dort vor.

Geräte funktionieren mit Signalen

Die schwedische Firma Recco AB vertreibt seit 1983 Reflektoren, die mit einem speziellen Detektor geortet werden können. Die wenige Zentimeter großen Teile werden derzeit von circa 200 Erzeugern von Wintersportausrüstung an ihren Produkten angebracht – rund 2,5 Millionen Stück pro Jahr. Die Reflektoren benötigen keine eigene Stromversorgung oder Aktivierung und halten nahezu ein Leben lang.

Die Detektoren senden ein Signal aus. Wird ein Reflektor davon getroffen, schickt er es zurück und kann damit geortet werden. Handsuchgeräte haben eine Reichweite von 80 Metern durch die Luft und bis zu 20 Meter durch Schnee. 800 Rettungsorganisationen und Skigebiete in 27 Ländern der Erde haben derartige Detektoren.

Suchzeit: Sechs Minutnen pro Quadratkilometer

Nun gibt es aber auch Detektoren mit größerer Reichweite, die an Hubschraubern eingesetzt werden können. So kann innerhalb von sechs Minuten ein Quadratkilometer abgesucht werden. Eine Mannschaft zu Fuß würde dafür mehrere Stunden benötigen. Von den vorerst weltweit zehn derartigen Detektoren befinden sich vier in Österreich. Sie sind an den Polizeihubschrauber-Standorten in Hohenems in Vorarlberg, Innsbruck und Linz und demnächst auch Graz einsatzbereit. Die Besatzungen der Fluggeräte und die Helfer des Bergrettungsdienstes (BRD) wurden auf die Bedienung eingeschult.

Der oberösterreichische BRD-Landesleiter Christoph Preimesberger warnte aber vor Leichtsinn im alpinen Raum und betonte, die Detektoren müssten erst in das jeweilige Suchgebiet geflogen werden. Er verwies darauf, dass bei Personen, die von einer Lawine verschüttet wurden, die Chancen einer Lebend-Bergung mit jeder Minute sinken. Die sofortige Kameradenhilfe mit herkömmlichen Lawinenverschüttetensuch(LVS)-Geräten verspreche den meisten Erfolg. Auch ein Lawinenairbag, die Hoffnung auf Handyortung oder einen Suchhubschrauber mit Infrarot-Kamera seien keine Lebensversicherung.

Auch die Firma Recco bezeichnet ihr System nicht als einzige, sondern nur als zusätzliche Erfolgschance bei der Vermisstensuche. Sie bietet nun auch über den Sporthandel Reflektoren an, die an Helmen, Schuhen, Rucksäcken angebracht oder als Gürtel getragen werden können. Damit erweitert sie den Einsatzbereich des Systems auch für die Sommerrettung bei Aktivitäten in den Bergen, auf Gletschern, in Wäldern, Wüsten oder auf Wasserflächen. Zudem entwickelt sie auch mit Detektoren bestückte Drohnen.

(APA/Red)

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