Verliebt, verzopft, verwegen

Die Doku "verliebt verzopft verwegen", die am Freitag ins Kino kommt, wirft einen Blick auf die Situation homosexueller Frauen im Wien der 1950er und 60er Jahre. An eine öffentliche Anerkennung der "Homo-Ehe" war damals nicht zu denken, geschweige denn an ein selbstbewusstes Auftreten als lesbische Frau.
Lesbisches Leben fand im Privaten statt, Bilder aus der Zeit existieren kaum – und das war wohl auch die größte Schwierigkeit für die Regisseurinnen Katharina Lampert und Cordula Thym.

Für ihren Debütfilm konnten Lampert und Thym quasi auf keinerlei Bilder zurückgreifen, sondern mussten sich zum Großteil auf ihre Protagonistinnen und deren Erzählungen verlassen. Das klappt über die kurze Dauer von 64 Minuten auch recht gut, obwohl es – wie gleich zu Beginn des Films einem Off-Telefonat zu entnehmen ist – gar nicht leicht war, überhaupt Gesprächspartnerinnen für die Doku zu finden. Da lesbisches Leben bis 1971 kriminalisiert wurde, tun sich auch heute noch viele Frauen dieser Generation schwer, über ihre Erfahrungen offen zu sprechen, vermuten die Regisseurinnen.

Lampert und Thym haben jedoch in ihrer fünfjährigen Recherchearbeit drei Frauen gefunden, die sich bereitwillig ihren Fragen stellten und ein optimistisches Bild von lesbischem Leben im Alter vermitteln. Die ehemalige Schauspielerin Rosmarin Frauendorfer, das Organisationstalent Ursula Hacker und die nunmehrige Grüne Seniorensprecherin Birgit Meinhard-Schiebel sprechen im Film über ihr Coming-out, ihr Beziehungsleben und ihre Sexualität, ihren Umgang mit dem Lesbisch-Sein im Alltag sowie den Beginn der Frauenbewegung – und das lustig, überlegt, manchmal nostalgisch, oftmals erleichtert.

In den 70er Jahren wurde die Lesbenbewegung erstmals politisch und medial präsent. Da es aus der Zeit davor kaum Bilder gibt, behalfen sich Lampert und Thym mit alten Fotos, Bildern aus dem “verzopften” grauen Wien und einem Stadtmodell, das sowohl das Historische als auch die Utopie repräsentieren soll. Ansonsten gibt es vor allem Off-Kommentar und Talking Heads, was etwa die Zuschauer beim “identities”-Festival jedoch nicht störte und dem Film den Publikumspreis eintrug. Und dass die Doku wichtig ist, ist auch in Zeiten von Eingetragenen Partnerschaften kein Thema: Die Homo-Ehe am Standesamt wird ja etwa weiterhin nicht möglich sein.

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