Verhaltenes Interesse an Kampusch-Biografie

Verhaltenes Interesse an der Autobiografie des Entführungsopfers Natascha Kampusch herrschte auch in den Bundesländern. "3096 Tage" entpuppte sich am ersten Erscheinungstag am Mittwoch nicht gerade als Verkaufschlager, wie der Lokalaugenschein der APA in den Buchgeschäften in den Landeshauptstädten zeigte.
Das Kampusch Buch
Verkaufstart der Kampusch-Biografie
Kampusch- Autobiografie kommt in Handel

Das Buch stieß etwa in Salzburg kaum auf Interesse: So waren bis Mittwochvormittag in drei Buchhandlungen in der Innenstadt lediglich drei Exemplare verkauft worden. In der Rupertus-Buchhandlung in der Dreifaltigkeitsgasse war “3096 Tage” noch nicht einmal ausgeliefert worden. Eine Kundin in der Buchhandlung erklärte: “Da ist der mediale Rummel viel größer als das Interesse der Bevölkerung”. Man habe vom Thema genug, es interessiere niemanden mehr. Außerdem werde man sowieso nie die ganze Wahrheit erfahren, zeigte sich die 50-Jährige überzeugt.

In der Buchhandlung “Höllrigl” in der Mozartstadt gingen bisher zwei Kampusch-Bücher über den Verkaufstisch, im “Alpenverlag” nur ein Exemplar. Beide Geschäfte befinden sich in der Salzburger Altstadt. Mehr Interesse zeigten die Kunden im Einkaufszentrum “Europark” im Stadtteil Taxham. Thalia verkaufte dort 15, Morawa elf Stück. “Das Interesse ist da. Einige Leute haben vorher schon gefragt, ab wann das Buch verkauft wird”, sagte eine Morawa-Angestellte.

Ähnlich sah es in der größten Buchhandlung in Linz aus. Die Nachfrage nach dem Kampusch-Buch am ersten Verkaufstag war mäßig. Die Bücher waren zwar gleich im Eingangsbereich platziert. Doch kurz vor Mittag stand kein Interessent davor. Auf Nachfrage erklärte eine Verkäuferin, dass schon etliche Exemplare verkauft worden seien.

Von einem Ansturm wie bei der “Harry Potter”-Reihe wollte man am ersten Verkaufstag in der Buchhandlung Moser in der Grazer Innenstadt nicht sprechen. Buchhändlerin Cordula Hofko meinte, dass zwar schon nach etwa zwei Stunden alle Exemplare verkauft waren, doch die erste Lieferung nur etwa 20 Stück umfasst hätte. Für Donnerstag wurden 50 Bücher angefordert, von denen schon einige reserviert seien. Aufgefallen sei ihr, dass die Kunden eher leise und etwas zögerlich nach “3096 Tage” fragten.

In Kärnten lief der Verkauf des Kampusch-Buchs im allgemeinen schleppend an. Einzig in der Kärntner Buchhandlung in Klagenfurt waren Mittwochmittag 30 Vorbestellungen registriert. In den drei Buchhandlungen im Einkaufszentrum “City-Arkaden” waren insgesamt nur sechs Bücher über den Verkaufstisch gewandert. Die Traditionsbuchhandlung Heyn in der Kramergasse verkaufte das Buch siebenmal. Im Allgemeinen wurde aber mit einer steigenden Nachfrage gerechnet. “Ich glaube der Hype kommt erst”, meinte ein Buchhändler gegenüber der APA.

In Eisenstadt hielt sich das Interesse an der Biografie von Natascha Kampusch am Mittwochvormittag ebenfalls in Grenzen: “Wir haben bis jetzt drei Stück verkauft”, davon zwei am Dienstag, so eine Mitarbeiterin der Buchhandlung Nentwich zur APA. In der Bücherzentrum-Filiale in der Landeshauptstadt war am Mittwoch noch kein Exemplar über den Verkaufstisch gewandert. Aber ein Buch sei bereits reserviert, hieß es. Ähnliches Bild in Niederösterreich: Bei Thalia St. Pölten wurden 20 Exemplare verkauft, hieß es auf APA-Anfrage. Das Werk war am Mittwoch noch nicht bei allen Buchgeschäften in der Stadt lagernd.

In der Buchhandlung Tyrolia in der Innsbrucker Innenstadt waren Mittwochvormittag ebenfalls 20 Exemplare von “3096 Tage” über den Verkaufstisch gegangen. “Der Andrang ist zwar nicht so groß wie bei Harry Potter, aber für ein Sachbuch recht beachtlich”, meinte Geschäftsführer Markus Renk zur APA. Er rechnet damit, dass die Verkaufszahlen bis Ende des Jahres dreistellig werden. Etwas lauer fiel der Verkaufsstart in der Morawa-Filiale in der Innsbrucker Anichstraße aus. Es hätten zwar schon einige Interessenten vorbeigeschaut, erklärte eine Verkäuferin. “Tatsächlich gekauft wurde das Buch aber erst dreimal”. Bei der Thalia Buchhandlung Wagnersche wollte man die Verkaufszahlen nicht preisgeben und verwies auf die Konzernzentrale.

Die Vorarlberger Buchhandlungen berichteten von unterschiedlichem Interesse an Natascha Kampuschs Autobiografie. “Die Leute kommen gezielt und rufen deswegen an”, hieß es etwa im Geschäft “Das Buch” in Dornbirn. Während auch im “Leseland Breuss” in Feldkirch “großer Andrang” verzeichnet wurde, hielt sich die Nachfrage in der Buchhandlung Brunner in Bregenz zunächst in Grenzen. “Das Buch von Thilo Sarrazin ist wesentlich gefragter”, wusste man dort.

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