Vergeltungsakte nach Untergang von russischer "Moskwa" erwartet

Der Raketenkreuzer "Moskwa" sank sieben Wochen nach Beginn des Krieges im Schwarzen Meer.
Der Raketenkreuzer "Moskwa" sank sieben Wochen nach Beginn des Krieges im Schwarzen Meer. ©Russian Defense Ministry Press Service via AP, File
Der Untergang des russichen Schwarzmeer-Flaggschiffs wird für die Ukraine wohl Folgen haben: "Wir sind uns bewusst, dass die Angriffe gegen uns zunehmen werden und dass der Feind Rache nehmen wird. Wir verstehen das."
Russisches Flaggschiff "Moskwa" gesunken
Die Bedeutung der "Moskwa"

Nach dem Untergang ihres Schwarzmeer-Flaggschiffs "Moskwa" hat das russische Militär am Freitag eine Raketenfabrik im Großraum Kiew unter Beschuss genommen und weitere Angriffe auf die Hauptstadt angekündigt. Da aus der Fabrik auch Anti-Schiffs-Raketen kommen, gehen Beobachter von einer Vergeltungsaktion für den Verlust des Kriegsschiffs aus. Russland weist allerdings die Darstellung der Regierung in Kiew zurück, die "Moskwa" sei von ukrainischen Raketen getroffen worden.

Ukraine rechnet mit Zunahme der russichen Angriffe

Die Ukraine rechnete mit weiteren Vergeltungsakten. "Der Angriff auf den Kreuzer 'Moskwa' hat nicht nur das Schiff selbst getroffen, sondern auch die imperialen Ambitionen des Feindes", sagte eine Sprecherin der südlichen Streitkräfte der Ukraine am Freitag. "Wir sind uns alle bewusst, dass man uns dies nicht verzeihen wird. Wir sind uns bewusst, dass die Angriffe gegen uns zunehmen werden und dass der Feind Rache nehmen wird. Wir verstehen das", verwies die Sprecherin auf Angriffe auf die südukrainischen Städte Odessa und Mykolajiw.

Nach "Moskwa"-Untergang nimmt Russland Kiew ins Visier

Nach dem Angriff auf die Raketenfabrik bei Kiew kündigte Russland weitere Attacken auf die ukrainische Hauptstadt an. Die Attacke in Kiew begründete das russische Verteidigungsministerium mit Vergeltung für angebliche ukrainische Angriffe auf russisches Staatsgebiet, von denen die russischen Behörden am Donnerstag mehrere gemeldet hatten. Die Ukraine soll am 29. März mindestens drei Raketen auf ein Munitionsdepot in der Stadt Belgorod abgefeuert haben. Anfang April wies die Regierung in Kiew russische Vorwürfe zurück, für einen Großbrand in einem Treibstofflager nahe der Stadt verantwortlich zu sein.

Russischer Raketenkreuzer "Moskwa" gesunken

Der Raketenkreuzer "Moskwa" sank sieben Wochen nach Beginn des Krieges im Schwarzen Meer. Der Raketenkreuzer war zuvor stark beschädigt worden. Uneinigkeit herrschte auch noch am Freitag, ob das Flaggschiff von ukrainischen Raketen des Typs "Neptun" getroffen wurde oder - wie die russische Seite angibt - durch die Detonation von Munition beschädigt wurde. Die USA schlossen sich am Freitag der ukrainischen Deutung an. Ein führender US-Beamter sagte, dass das Schiff nach zwei ukrainischen Raketentreffern gesunken war.

Nach russischer Darstellung war auf dem Schiff wegen der Explosion von Munition ein Feuer ausgebrochen, weswegen es abgeschleppt werden musste. Bei stürmischer See sei das Schiff dann gesunken. Internationale Militärexperten bezweifelten die Darstellung und wiesen am Freitag darauf hin, dass der Wind in der betroffenen Region am Donnerstag gar nicht so stark gewesen sei. Mit der "Moskwa" verliert die russische Schwarzmeerflotte viel Feuerkraft, und die verbleibenden Schiffe werden zu einem leichteren Ziel für Küstenbatterien. Das Schiff hatte auch große symbolische Bedeutung, etwa für Treffen Putins mit wichtigen Staatsgästen.

Keine Angaben zu Todesopfern

Bis Freitag gab das russische Verteidigungsministerium nicht bekannt, ob der Untergang der "Moskwa" Todesopfer forderte. Aus Moskau hieß es zwar, die Besatzung sei nach einem Brand auf andere Schiffe der Schwarzmeerflotte in der Gegend gebracht worden. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hingegen sagte dem TV-Sender CNN, es sei "wahrscheinlich", dass es bei dem Vorfall Tote und Verletzte gegeben habe. An Bord seien bis zu 500 Soldaten gewesen.

Russische Truppen konzentrieren sich auf Donbass

Nach dem Rückzug aus der Region Kiew konzentriert sich Russland nach eigenen Angaben darauf, die Region Donbass unter ihre Kontrolle zu bringen. Dort beherrschen prorussische Separatisten bereits seit 2014 die Gebiete um die Städte Luhansk und Donezk. Nördlich der besonders umkämpften Stadt Mariupol am Asowschen Meer meldete die Ukraine Erfolge, die nicht unabhängig überprüft werden konnten.

Beim Beschuss eines Wohnviertels in der nordukrainischen Stadt Charkiw kamen indes sieben Menschen ums Leben und 34 weitere wurden verletzt, teilte der Gouverneur der Region am Freitag mit. Die ukrainische Vizeregierunschefin Iryna Wereschtschuk gab am Freitagnachmittag bekannt, dass 2.864 Menschen über humanitäre Korridore aus umkämpften Städten gebracht wurden, darunter 363 Personen aus Mariupol.

Vollständige Eroberung von Mariupol als russisches Ziel

Russland hat sich die vollständige Eroberung von Mariupol zum Ziel gesetzt. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums setzte Russland zum ersten Mal seit Beginn der Invasion Langstreckenbomber zum Angriff auf die Stadt ein. Die Ukraine versuchte indes, den Belagerungsring durch die Stadt zu brechen.

Russland fordert Ende der Waffenlieferungen an Ukraine

Russland hingegen verlangte einem Zeitungsbericht vom Freitag zufolge ein Ende von Waffenlieferungen an die Ukraine. "Wir fordern die USA und ihre Verbündeten auf, die unverantwortliche Militarisierung der Ukraine zu unterlassen, die unvorhersehbare Konsequenzen für die regionale und internationale Sicherheit impliziert", hieß es laut der "Washington Post" in einer diplomatischen Note an die Vereinigten Staaten.

(APA/Red)

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