Verantwortlichkeit für Kunsttransport ist strittig

Die Frage, wer die Verantwortung für die vom Bundesdenkmalamt (BDA) nicht genehmigte Ausfuhr von Werken der Albertina trägt, wird unterschiedlich eingeschätzt.

Manche Museen bringen die Anträge auf Ausfuhrgenehmigungen nicht selbst beim BDA ein, sondern beauftragen Transportunternehmen damit. Der Antrag muss allerdings vom Museum unterschrieben sein, und der Bescheid des BDA ergeht an beide Seiten, so Eva-Maria Höhle, Generalkonservatorin des BDA, auf Anfrage der APA. In der Firma Kunsttrans, die den Transport aus der Albertina durchgeführt hat, war bis zum frühen Nachmittag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Höhle schließt daraus, es sei „davon auszugehen“, dass grundsätzlich die letztendliche Verantwortung für die Ausfuhr beim Museum liegt. „Aber es entzieht sich meiner Kenntnis, was zwischen der Albertina und dem Transportunternehmen ausgemacht ist.“

Diese Abmachungen dürften aber der springende Punkt in dieser Streitfrage sein. Wie Horst Campman, Geschäftsführer der Kunsttransportfirma Artex, die zuletzt für die Albertina Michelangelo nach Bilbao transportiert hat, erklärt, sei die Erledigung der Amtswege für das Museum eine „Dienstleistung“. Diese sei allerdings nirgendwo schriftlich festgehalten, sondern „Usus“, wie auch ein weiteres Transportunternehmen bestätigt. Für Campman liegt die Verantwortung für die Ausfuhr ohne Genehmigung beim Transportunternehmen. „Was Schröder (Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, Anm.) gesagt hat, ist richtig“, so Campman zur APA.

Das Transportunternehmen sei auch für den Zeitpunkt der Einreichung der Anträge verantwortlich, so Campman. Normalerweise erteile das BDA seinen Bescheid innerhalb von ein bis zwei Tagen. Dieser Bescheid sei dann das „ok“ zur Abfahrt. Es sei aber denkbar, dass das Museum die Objekte dem Unternehmen zum Transport ausliefere im Irrglauben, dieses sei bereits im Besitz eines positiven Bescheids, so Campman.

Eine Ansicht, die Klaus Pokorny, Pressesprecher der Österreichischen Galerie, nicht teilen kann: „Der Depotverwalter wird die Werke nur reisen lassen, wenn es eine Genehmigung gibt. Es gibt gewisse Routinevorgänge, aber es müssen Verträge beachtet werden. Bei uns wird ohne erteilte Genehmigung kein Transport beauftragt.“ Auch die Österreichische Galerie lässt ihre Ausfuhranträge von den beauftragten Transportunternehmen abwickeln.

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