Veraltetes Kanalisationssystem in Rom

Das älteste Abwassersystem der Ewigen Stadt wurde auf Anordnung des fünften Königs von Rom, Tarquino Prisco, um 600 vor Christus erbaut.

Die römische Cloaca Maxima ist schon über 2.500 Jahre alt – und heute zum Teil immer noch in Betrieb. Es sollte damals das überschüssige Wasser im Tal zwischen den Hügeln Campidoglio und Palatin ableiten. Die Cloaca Maxima verband also das Forum Romanum mit dem Tiber.

Nach gut 2.500 Jahren wurde zwar vieles erneuert, doch das komplexe Kanalisationssystem Roms ist hoffnungslos veraltet. Dies will das zuständige Unternehmen Acea allerdings nicht zugeben. „Licht- und Wasserzufuhr funktionieren einwandfrei, und in puncto Wasseraufbereitung hat Rom eine Vorreiterrolle in ganz Italien“, erklärt Pressesprecherin Laura Colella. Acea ist seit September 2003 für die Wasserversorgung und -entsorgung in Rom zuständig. Vorher war dies die Aufgabe der Stadtverwaltung.

Wenn alles angeblich so gut funktioniert, fragt man sich allerdings, warum heftige Regenfälle immer wieder zu Überschwemmungen führen. Ist die Kanalisation mit größeren Wassermengen überfordert? Sind die veralteten Rohre verstopft, so dass das überflüssige Regenwasser nicht richtig abfließen kann? Colellas Antwort ist sehr vage: „Wir haben die Aufgabe erst vor einigen Monaten übernommen und müssen die Lage erst einmal richtig bewerten“, erklärt die Acea-Pressesprecherin. Sie sei sich aber sicher, dass Lösungsvorschläge für dieses Problems schon bald in die Tat umgesetzt würden.

Könnte dies bedeuten, dass die alten Abwasserrohre schon bald ersetzt werden? Auch dazu will Colella sich nicht konkret äußern. „Natürlich ist das vor allem in der Altstadt nicht so einfach“, erklärt sie. „Bei jeder Grabung unter der Erdoberfläche stoßen unsere Techniker auf archäologische Funde. Um weitergraben zu dürfen, brauchen sie dann erst einmal die Erlaubnis der Kulturbehörde der Stadt.“

Mit der Entsorgung der Abwässer an sich gibt es anscheinend keine Probleme. Wie schon bei den alten Römern werden sie auch heute noch in die Flüsse Tiber und Aniene geleitet – sehr zum Leidwesen von Naturschützern. Die nationale Umweltorganisation Legambiente verweist auf eine Studie vom vergangenen Sommer, wonach beide Flüsse stark verschmutzt sind. „Die Abwasseraufbereitung lässt noch sehr zu wünschen übrig“, beklagt Maurizio Gubbiotti, Präsident von Legambiente in der Region Latium.

Vor allem in den Aniene werden nach seinen Angaben zum Teil unaufbereitete Abwässer von mehr als 700.000 Haushalten geleitet. Die Gebiete um die Flüsse seien jedoch wichtige Naherholungszonen und müssten deshalb dringend geschützt werden. Fischsterben sei nur eine der negativen Auswirkungen eines verschmutzten Flusses, sagt Gubbiotti. Die gesamte Tier- und Pflanzenwelt sei bedroht – vor allem in den Regionen an der Tiber-Mündung.

Acea-Pressesprecherin Colella weist die Vorwürfe zurück. Selbstverständlich würden die Abwässer aufbereitet, bevor sie in den Tiber und den Aniene gelangten. Dafür sorgten mehr als 80 Kläranlagen in Rom. Allerdings gebe es speziell am Aniene immer noch Firmen, die ihre Abwässer illegal in den Fluss leiteten – ohne jegliche Aufbereitung.

Die Acea könne nicht als Umweltpolizei auftreten, erklärt die Pressesprecherin. Sie verspricht jedoch: „Wir werden uns auch in Zukunft auf eine verbesserte Wasseraufbereitung konzentrieren. Schließlich sind wir als Bewohner Roms auch an einem sauberen Tiber und natürlich an einem sauberen Meer interessiert.“

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