"Venus von Willendorf" - Fund jährt sich zum 100. Mal

Die "Venus von Willendorf" zählt zu den bekanntesten altsteinzeitlichen Fundstücken Österreichs. Die elf Zentimeter große, rund 25.000 Jahre alte Kalkstein-Statuette wurde am 7. August 1908 in Willendorf in der Wachau entdeckt.

Anlässlich dieses Jubiläums widmet sich das Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten mit der Ausstellung “Mammut, Mensch & Co” ab 9. März der Steinzeit und beherbergt für einige Wochen die “Venus”, bevor sie ab 8. August als Mittelpunkt einer Ausstellung in das Naturhistorische Museum (NHM) in Wien zurückkehrt. Im April veröffentlicht die “Hüterin” der Steinzeitfigur im NHM, die Prähistorikerin Walpurga Antl-Weiser, ihr populärwissenschaftliches Buch “Die Frau von W.”.

Nachdem bereits Ende des 19. Jahrhunderts Ausgrabungen bei dem kleinen Wachauer Ort Willendorf durchgeführt wurden, begleiteten Archäologen den Bau einer Bahntrasse in der Gegend mit Grabungen. Schon nach wenigen Tagen stießen sie unter einer zur “Schicht 9” zählenden Ascheschicht auf die Figur. Gleich einen Tag nach ihrer Entdeckung wurde die “Venus von Willendorf” in das NHM in Wien transportiert, wo sie seither als das prominenteste Sammlungsobjekt der Altsteinzeit behütet wird. Die Statuette zählt zudem zu den am meisten abgebildeten prähistorischen Kunstobjekten – das belegen die Anfragen nach Abbildungsrechten, die an das NHM gestellt werden.

90 Jahre lang schlummerte die ursprünglich dick mit roter Farbe bemalte nackte und beleibte Frauenfigur im Tresor. Der Öffentlichkeit wurde sie erstmals 1998 im Rahmen der Ausstellung “4 Millionen Jahre Mensch” im Schloss Schönbrunn gezeigt. Gemeinsam mit der eigens dafür angeschafften Hochsicherheitsvitrine übersiedelte die “Venus” anschließend wieder ins NHM, wo sie seither im Original zu sehen ist, erzählte Antl-Weiser von der Prähistorischen Abteilung des NHM der APA. Bis 1998 war im Museum nur eine Kopie der Statuette zu sehen.

Die “Venus von Willendorf” ist der Prähistorikerin zufolge eine der bekanntesten der in Europa verbreiteten Venus-Figuren. In den 1920er und 30er Jahren waren noch eine ganze Reihe von relativ vollständigen Statuetten gefunden worden, so etwa in den Pyrenäen (Frankreich), in Mähren (Tschechien) und in Kostienki (Russland). Die Besonderheit der Willendorfer Venus liegt darin, “dass man davor keine Figur gefunden hat, die so vollständig erhalten war”, so die Expertin.

Eine weitere Besonderheit für die damalige Zeit ist, dass die Forscher den Fund eindeutig einer archäologischen Schicht und damit zeitlich zuordnen konnten. “Bei sehr vielen der Altfunde gab es ungesicherte Fundumstände oder Grabungsumstände, die eher einer Schatzsuche ähneln”, so die Expertin. So habe es bei anderen Funden Zweifel gegeben, ob die Darstellungen von altsteinzeitlichen Menschen hergestellt wurden.

“Ganz interessant ist, dass die Venus von Willendorf eigentlich nie wissenschaftlich – wie eigentlich jeder normaler Fund – vorgelegt wurde”, so Antl-Weiser. Zwar gebe es eine Dokumentation und Beschreibungen des Fundes, Pläne und Fotos, doch sie wurden von den “Venus-Entdeckern”, dem Grabungsleiter Josef Szombathy sowie den grabenden Forschern Josef Bayer und Hugo Obermaier, der Fachwelt nie präsentiert. Als Grund nennt die Expertin Zwistigkeiten zwischen den drei an der Grabung beteiligten Herren, die sich “danach aus unterschiedlichsten Gründen ziemlich zerstritten hatten”, so Antl-Weiser.

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