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VCM-Organisator Konrad: Die Inszenierung ist Teil des Erfolgs

Zum 36. Mal organisiert Wolfgang Konrad den Vienna City Marathon.
Zum 36. Mal organisiert Wolfgang Konrad den Vienna City Marathon. ©APA
Kaum ein Name fällt beim Vienna City Marathon häufiger als der von Organisator Wolfgang Konrad. Mit seinen 60 Jahren ist er ein Urgestein des VCM und seit der ersten Stunde dabei.

Wolfgang Konrad richtet am 7. April mit seinem Team zum 31. Mal den Vienna City Marathon aus. Im Gespräch mit der Austria Presse Agentur blickt der 60-Jährige auf Höhepunkte und Schwierigkeiten zurück. Der frühere Spitzenläufer und Vater eines Radprofis wehrt sich gegen die Beschreibung Österreichs als Schnitzelland und wundert sich über so manches in der Doping-Diskussion.

APA: Der Laufboom scheint auch bei uns anzuhalten, welchen Anteil daran hat der Wien-Marathon?

Wolfgang Konrad: “Wir haben einen Beitrag geleistet, weil wir positiv kommuniziert haben, weil wir etwas auf die Beine gestellt haben, weil wir inszeniert haben. Der Wien-Marathon ist aber nur das Sahnehäubchen auf der Laufbewegung, da zahlen schon auch der Frauenlauf, Linz, Salzburg, Kärnten Läuft, der Business Run und andere ein. Aber wenn es den Wien-Marathon nie gegeben hätte, dann wäre die Laufszene eine ganz andere. Ich glaube schon, dass der VCM die gesamte Laufbewegung in Österreich extrem befruchtet hat, das macht schon auch stolz.”

APA: Wenn am 7. April wieder 40.000 Menschen durch Wien laufen, könnte man den Eindruck gewinnen, Österreich sei ein Sportland, ist es das?

Konrad: “Es gibt eine Million Österreicher, die regelmäßig laufen. Das ist nicht wenig, die tun ja wirklich was. Ich kann den Aussagen von Felix Gottwald viel abgewinnen, aber ich kann nicht ganz zulassen, dass er sagt, Österreich ist ein Schnitzelland. Jeder Marathonläufer isst gern ein Schnitzel, aber er tut auch was dafür. Der Laufsport hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Genussfähigkeit der Österreicher erhalten bleibt. Jeder, der einen Dauerlauf gemacht hat, Fahrrad gefahren ist oder sich bewegt hat, der darf doch genießen.”

Die Highlights des VCM

APA: Was waren Ihre Highlights in den vergangenen 30 Jahren?

Konrad: “Es gab viele, am emotionalsten waren natürlich die Teilnahmen von Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe. Das waren schon wirklich lässige Geschichten. Das Highlight ist aber, wenn du siehst, wie sich das “Baby” von damals entwickelt hat und was daraus geworden ist. 1989, als ich die Organisation übernommen habe, hat fast niemand an das Produkt Marathon geglaubt. 1991 war der Marathon eigentlich schon abgesagt, weil dem damaligen Veranstalter das finanzielle Risiko zu groß war.”

APA: Was bereitet Ihnen Jahr für Jahr die größten Sorgen?

Konrad: “Am meisten im Magen liegt einem, wenn jemand ein medizinisches Problem hat, das hält sich aber Gott sei Dank sehr in Grenzen, oder wenn organisatorisch etwas schief geht. Wie beim ersten Halbmarathon, da haben wir die Zusammenführung der Läufer verbockt. Ein Marathon, vor allem Wien ist dermaßen komplex. Berlin hat einen Start und ein Ziel, eine Strecke. Wir haben auch den Halbmarathon, die Staffel mit Übergaben und Zwischenzeiten. Das ist schon eine Riesenchallenge, aber wir lösen das sehr gut.”

Vienna City Marathon im Kampf gegen Doping

APA: Zuletzt hat es wieder besonders große Aufregung um Doping gegeben. Wie gehen Sie damit um, dass das Thema dadurch auch in Ihre Veranstaltung hineinstrahlt?

Konrad: “Freude macht es uns keine. Aber wir lassen die Diskussion zu, wenn wir sagen würden, es geht uns nichts an, dann wäre ich auf dem gleichen Niveau wie der Herr Schröcksnadel. Ich bin ein absoluter Doping-Gegner, für mich ist das ein richtig rotes Tuch. Wir müssen aber auch mit dieser Verallgemeinerung aufhören. Wenn wir nicht mehr daran glauben, dass es Sportler gibt, die imstande sind, außergewöhnliche Leistungen zu erbringen, dann müssen wir uns einen anderen Job suchen. Was mich stört, ist nicht die Aufmerksamkeit, sondern die Aufgeregtheit, aber es gehört natürlich aufgearbeitet. Das Thema ist schon auch wahnsinnig hochgespielt. Was mich auch stört, ist, dass von manchen sofort der Freizeitsport in die Diskussion hineingezogen wird.”

APA: Was kann der Wien-Marathon im Kampf gegen Doping tun?

Konrad: “Wir bestellen Dopingtests und zahlen dafür. Wie viele, wann und wie getestet wird, ist nicht in unserer Kompetenz. Wir bieten auch schon länger als gefordert Medikamentenabfragen auf unserer Homepage an. Außerdem darf keiner, der schon einmal eine Sperre hatte, bei uns mitlaufen. Auch da waren wir Vorreiter, andere sind da erst später nachgezogen.”

APA: Die ganz großen Stadt-Marathons setzen nur auf die klassische Distanz. Wieso gibt es in Wien mit Halbmarathon und Staffellauf mit jeweils über 10.000 Läufern derart teilnehmerstarke Nebenbewerbe?

Halbmarathon und Staffel treffen den Puls der Zeit

Konrad: “Ich kann jedem nur ans Herz legen, die volle Distanz zu laufen. Das ist das ganz große Erlebnis. Aber wenn ich den Ehrgeiz entwickelt hätte, nur den Marathon zu machen, dann wäre der Event heute ein anderer. Wir hätten einen Marathon mit 10.000, 15.000 Teilnehmern, das wäre es dann. Das ist aber nicht das, was wir wollen. Wir haben uns geöffnet mit dem Halbmarathon. Der Staffelmarathon war eine Innovation, die sich hervorragend entwickelt hat und einfach auch einen Nerv trifft. Natürlich haben wir uns damit ein bisschen den Marathon kannibalisiert, aber es funktioniert.”

APA: Den Marathon nur auszurichten, reicht offenbar nicht mehr. Muss jedes Jahr ein neues Motto und eine Inszenierung her?

Konrad: “Vielleicht ist das ein Teil unseres Erfolges, weil wir das rechtzeitig erkannt haben, weil wir uns dadurch abgehoben haben. Bei uns hat sich das Bewusstsein geschärft, wir dürfen nicht nur veranstalten und organisieren, sondern wir müssen inszenieren. Wenn du dich immer nur über Teilnehmerzahl und die Siegerzeit definierst, dann wirst du das andere übersehen, wir haben es nicht übersehen.”

Streckenrekorde sind nicht wichtig

APA: Siegerzeiten und der Streckenrekorde sind also gar nicht so wichtig?

Konrad: “Der Wien-Marathon muss natürlich internationale Spitzenläufer haben. Der Streckenrekord hat aber keine Priorität, wirklich nicht. Er kann passieren, erzwingen kannst du es nicht, nicht einmal mit viel Geld, das würde vielleicht die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Wir definieren uns definitiv nicht über die Spitzenzeiten, mir ist lieber, wir haben ein spannendes Rennen. Die Leute an der Strecke sollen schönen Sport sehen, und die Teilnehmer sollen glücklich nach Hause gehen. Es ist doch egal, ob der Sieger 2:05, 2:06 oder 2:08 läuft, aber über 2:10 sollte es auch nicht sein, da hätten wir zu viel Geld ausgegeben.”

APA: Sie sind 60 Jahre alt, werden Sie in fünf Jahren immer noch Veranstaltungschef sein?

Konrad: “Chef vielleicht schon, aber das, was ich über sehr viele Jahre gemacht habe, mache ich jetzt schon nicht mehr, weil ich ein Team mit guten Leuten habe. Wir sind elf Angestellte, viele davon sind schon ewig bei uns, wir haben kaum Fluktuation. Das ist auch eine Qualität, da ist unheimlich viel Know-how. Wenn es mich irgendwann nicht mehr gibt, dann werden den Marathon die Leute aus dem jetzigen Staff machen, dann geht der Marathon jedenfalls weiter, ohne Muckser.”

(APA/red)

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