Ute Bock feiert 70. Geburtstag

Aktivistin Ute Bock feiert am 27. Juni ihren 70. Geburtstag.
Aktivistin Ute Bock feiert am 27. Juni ihren 70. Geburtstag. ©APA/ Robert Jaeger
Seit vielen Jahren steckt Ute Bock ihr gesamtes Gehalt, bzw. ihre gesamte Pension in Unterbringungsmöglichkeiten für Asylwerber. Das macht sie zu einer Person der Wiener Öffentlichkeit, die gleichermaßen geliebt wie gehasst wird. Auch mit 70 denkt die Aktivistin gar nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. "Was soll ich denn tun? Mich in den Park setzen, die Kronenzeitung lesen und Strumpf stricken?", meinte sie dazu in einem Interview.
Neues Flüchtlingsheim in Favoriten

Pünktlich zum runden Geburtstag wird Ute Bock mit Interviewanfragen überhäuft. Was hat sie in den vergangenen 70 Jahren geleistet, dass sie sogar zum Doku-Filmstar wurde, ihr eine Biografie gewidmet wurde und sie zahlreiche Ehrungen von Renner- bis Kreisky-Preis einheimste. Geboren am 27. Juni 1942 in Linz, begann sie nach der Matura in einem Heim für schwer erziehbare Sonderschüler in Biedermannsdorf zu arbeiten. Der nächste Weg führte sie nach Wien-Favoriten, in die Zohmanngasse, bis heute ein symbolträchtiger Ort für Bock-Freunde wie Gegner.

Seit 1976 leitet Ute Bock das Heim in der Zohmanngasse

Dort stand in den 70er Jahren ein Gesellenheim, Bock kümmerte sich dort zunehmend um Fälle aus schwierigen sozialen Verhältnissen. 1976 wurde sie Leiterin der Einrichtung. In den 90er Jahren wandelte sich das vormalige Gesellenheim immer mehr in ein Quartier für junge Zuwanderer, zunächst aus dem Jugoslawien-Krieg, später auch für viele Schwarzafrikaner.

 Letztere Gruppe war es auch, die Bock immer wieder Probleme mit Anrainern einbrachte, die sich an der recht großen Afrikaner-Kolonie mitten in Favoriten stießen. 1999 dann der Tiefpunkt im Bockschen Wirken: Bei der nicht unumstrittenen Polizeiaktion “Operation Spring” wurde “die Zohmanngasse” Ziel einer Razzia, bei der etwa 30 Afrikaner unter Verdacht des Drogenhandels festgenommen wurden.

Auch in der Pension engagierte sie sich weiter für Flüchtlinge

Wenig später war Bock in Pension, was ihr Engagement aber nicht beendete. Ganz im Gegenteil, mit eigenen Renteneinkünften und Gaben von Sponsoren wurden Unterkünfte für obdachlose Flüchtlinge lukriert. Bocks Einrichtungen wurden auch zur Briefkasten-Adresse für jene, die kein Dach über dem Kopf hatten und einen Meldeort benötigten. Gewechselt wurde die Hilfszentrale. Von Favoriten ging es in die Leopoldstadt.

 Spenden werden durch kreative Aktionen lukriert

Die von ihren Schützlingen gerne als “Mama” betitelte Oberösterreicherin schwang sich mit ihrem Wirken schnell zu einer Art Kult-Figur auf, was beim Lukrieren von Geldern durchaus hilfreich war. Die wohl bekannteste Aktion war “Bock auf Bier”, bei der in Dutzenden Wiener Lokalen ein 10-Cent-Zuschlag zugunsten der Bock-Einrichtungen eingehoben wurde. Bock selbst meint zu solchen Aktivitäten: “Ich brauch’ die Reklame, und ich brauch’ das Geld.” Alles Bemühen vor allem der Kulturwelt hätte freilich nichts genützt, wäre nicht Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner in die Bresche gesprungen, als 2008 Bocks Verein finanziell vor dem Aus stand und die Helferin sogar mit dem Sprung aus dem Fenster drohte.

Haus in der Zohmanngasse wieder eröffnet

Mittlerweile läuft alles wieder in ruhigeren Bahnen ab, was die Geldsorgen angeht. Bock hat sogar ein neues Haus bekommen, das eigentlich ein altes ist. Denn ihr Verein haust nunmehr wieder in der Zohmanngasse, sehr zum Unwillen der örtlichen Freiheitlichen und vieler Anrainer, umso mehr, seit sich vor kurzem zwei Tschetschenen, die als Wohnort das Bock-Haus angaben, eine Messerstecherei in einem Park geliefert haben, der freilich ein ordentliches Stück von der Zohmanngasse entfernt ist.

Ute Bocks Leben in Filmen porträtiert

Bock werden auch die neuen Unannehmlichkeiten nicht aus der Bahn werfen. Sie wird ihren Job wohl weitermachen, wie es schon bisher der Fall war – fleißig, hartnäckig, allürenarm und mit einer gewissen Kokettheit, mit der sie schon die diversen Ehrungen und Huldigungen entgegengenommen hat, von Houchang Allahyaris Filmen “Bock for President” und “Das verrückte Leben der Ute Bock” bis zur Biografie “Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin”, in der Cornelia Krebs Bocks Gedanken 2010 aufzeichnete. Einige Kapitel werden wohl noch hinzuzufügen sein, denn an den Ruhestand denkt die Pensionistin nicht: “Was soll ich denn tun? Mich in den Park setzen, die Kronenzeitung lesen und Strumpf stricken?”, meinte sie 2010 in einem “Kurier”-Interview. (APA)

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