USA: Letztes Fernsehduell Bush : Kerry

Weniger als drei Wochen vor den US-Wahlen treffen Präsident Bush und Herausforderer Kerry in der Nacht zum Donnerstag (3.00 Uhr morgens MESZ) zu ihrem dritten und letzten Fernsehduell aufeinander.

Die Debatte, die in Tempe im südwestlichen US-Bundesstaat Arizona stattfindet, wird sich um innen- und wirtschaftspolitische Themen drehen.

Dabei dürften die Arbeitslosigkeit, das Rekorddefizit im US-Haushalt und die von beiden Kandidaten geplanten Reformen im Gesundheitswesen im Mittelpunkt stehen. In den vorherigen Debatten war es schwerpunktmäßig um den Irak und den Anti-Terror-Kampf gegangen. Kerry konnte durch seinen Auftritt in den ersten beiden Debatten in den Umfragen wieder zu Bush aufschließen.


Die Geheimwaffen von Bush und Kerry: Laura und Teresa

Wenn amerikanische Politiker große Reden halten oder sich in Fernsehdebatten vor Millionenpublikum harte Wortgefechte liefern, wird es anschließend immer ganz heimelig: dann kommen die Statisten auf die Bühne, Ehefrauen und Kinder, es gibt Umarmungen und Küsschen. Laura Bushs Gesicht lässt erahnen, was sie ihrem Mann dabei ins Ohr flüstert. „Du warst großartig, Darling.“ Bei Teresa Heinz Kerry ist das anders. „Mensch, mach mehr Dampf“, oder so ähnlich könnte ihr Urteil durchaus lauten. Der Gegensatz zwischen den Frauen, die in den nächsten vier Jahre First Lady sein wollen, könnte drastischer kaum sein.

Laura Bush (57) ist ist bodenständig, brav frisiert, konservativ gekleidet und öffentlich immer voller Bewunderung für ihren Mann. Teresa Heinz Kerry (66) hat auf drei Kontinenten gelebt, spricht fünf Sprachen, hat eine wilde Lockenmähne und trägt gern eigenwillige Schals und Hüte. Bei Auftritten ihres Mannes, der nicht gerade als Erfinder der mitreißenden Rede gilt, verbirgt sie ihre Langeweile gelegentlich kaum. „Sie ist verwöhnt und hat manchmal Schwierigkeiten damit, die zweite Geige zu spielen“, sagte ein Kerry-Berater der Zeitschrift „New Yorker“.

Im Hause Bush ist Ehestreit ein Fremdwort. „Da muss ich überlegen. Früher haben wir darüber gestritten, wie die Handtücher aufgehängt werden, aber das brauchen wir im Weißen Haus ja nicht mehr“, sagt Laura Bush der Zeitschrift „GQ“. Das kühnste, was von ihr bekannt ist, war das Ultimatum an ihren Ehemann: „Jim Beam oder ich.“ Prompt schwor der damals 40-jährige Bush dem Whiskey ab.

Bei Frau Kerrys Temperament ist eher vorstellbar, dass die Fetzen fliegen. Die Milliardärin, in erster Ehe mit dem Ketchup-Erben John Heinz verheiratet, hält sich selten zurück. „Eine lose Kanonenkugel“, sorgten sich Demokraten schon. Sie fährt ihrem Mann im Interview schon mal in die Parade, spricht freimütig über Botox-Behandlungen, um ihre Falten zu glätten, und gibt zu Protokoll, dass sie einen Mann, der sie betrügt, kastrieren würde.

Den Amerikanern ist diese Frau nicht ganz geheuer: in einer Umfrage der „Los Angeles Times“ fanden 73 Prozent der Befragten Laura Bush sympathisch, 35 Prozent Teresa Heinz Kerry. Sie wäre die älteste Frau, die ins Weiße Haus einzieht, und erst die zweite gebürtige Ausländerin nach Louisa Quincy Adams.

Bush gab ihren Job als Bibliothekarin auf, um die Zwillinge Jenna und Barbara Bush (22) groß zu ziehen. Heinz Kerry, im kolonialen Mosambik als Tochter eines portugiesischen Arztes geboren, arbeitete vor ihrer Hochzeit 1966 als Übersetzerin bei den Vereinten Nationen in New York. Sie hat drei Söhne. Ihr erster Mann kam 1991 bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben. Seitdem leitet sie die reiche Familienstiftung, die sich vor allem bei Umweltprojekten engagiert.

Beide haben das mit der Kindererziehung bestens hingekriegt, so attestiert zumindest „Dr. Phil.“. Auf der Couch des populären Talkmasters Phil McGraw, der nachmittags Erziehungstipps gibt, schlugen sich die Eheleute Bush und Kerry nach seiner Meinung prächtig. Sollte Kerry ins Weiße Haus einziehen, wären da auch noch die Töchter aus seiner ersten Ehe, Alexandra (31) und Vanessa (27).

Die inzwischen prominenten Bush- und Kerry-Töchter, jeweils eine blond und eine braunhaarig, buhlten schon bei den Parteitagen ihrer Väter um Lacher und Bewunderer. Ihr Vater sei so warmherzig, verrieten Alexandra und Vanessa einem Millionenpublikum, dass er sogar einmal einen ertrinkenden Hamster mit Mund-zu-Mund-Beatmung rettete. „Wir hatten auch einen Hamster“, sagten Barbara und Jenna Bush vier Wochen später beim Parteitag der Republikaner. „Ohne in Details zu gehen: Unserer hat nicht überlebt.“

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