USA: Eltern von Koma-Patientin gescheitert

Die Eltern der Koma-Patientin Terri Schiavo haben den juristischen Kampf um das Leben ihrer Tochter am Donnerstag in höchster Instanz verloren. Sie gaben die Hoffnung aber nicht auf.

Noch am Abend sollte Richter George Greer in Florida entscheiden, ob die 41-jährige Patientin in staatliche Obhut genommen werden kann. Das hatte Gouverneur Jeb Bush unter Hinweis auf neue medizinische Erkenntnisse über ihren Zustand beantragt.

Terri Schiavo wird auf Antrag des Ehemanns seit dem 18. März nicht mehr künstlich ernährt. Ärzte rechnen mit ihrem Tod innerhalb der kommenden Woche.

Der US-Gerichtshof weigerte sich am Donnerstag, die Nahrungsmittelversorgung der Koma-Patientin wieder anzuordnen. Richter Greer in Florida ist mit dem Fall seit sieben Jahren befasst und entschied bisher immer zu Gunsten des Ehemanns. Vorsorglich ordnete der Jurist an, dass die Behörden nichts auf eigene Faust unternehmen dürfen, um die Schläuche wieder anzuschließen.

„Die Eltern sind schockiert“, sagte deren spiritueller Berater, Franziskaner-Pater Paul O’Donnell vor dem Hospiz in Clearwater, in dem Schiavo liegt. Ihre Hoffnung auf Rettung ihrer Tochter schwinde rapide.

Freunde und Familie Terri Schiavos beschworen Präsidentenbruder Jeb Bush, im Kampf um das Leben der Frau die Gesetze zu ignorieren. „Der juristische Weg ist zu Ende. Gouverneur Bush ist unsere einzige praktische Hoffnung“, sagte Pat Mahoney, Sprecher einer christlichen Allianz, vor dem Hospiz in Florida. Mahoney forderte den Gouverneur auf, den Familienschutzbehörden mit polizeilicher Hilfe Zugang zu dem Hospiz zu verschaffen. Die Behörden wollen die Ernährung der Frau wiederherstellen.

Vor dem Hospiz stehen Tag und Nacht Mahnwachen von Sterbehilfegegnern. Am Mittwoch wurden mehrere festgenommen, die versuchten, auf das Gelände vorzudringen, um Schiavo symbolisch Wasser zu bringen. Unter anderem wurden drei Kinder in Handschellen abgeführt.

Die Mutter der 41-Jährigen, Mary Schindler, richtete einen emotionalen Appell an Richter und Politiker:.„Bitte, irgendjemand da draußen muss diese Grausamkeit stoppen. Bitte lasst meine Tochter leben.“

Schiavo habe die Augen noch auf, sagte Pater O’Donnell im US- Fernsehen. „Sie leidet. Jeder der behauptet, dies sei ein einfaches Sterben, lügt.“ „Die Frau lag nicht im Sterben, bis jemand beschloss, sie verhungern zu lassen. Warum?“, fragte der Pastor und Autor Rick Warren.

Eine Anwältin der Eltern sagte inzwischen, Terri Schiavo habe vergangenen Freitag auf die Frage, ob sie weiter leben wolle, versucht mit „Yeah“ zu antworten. Sie habe geweint, als sie hörte, dass der Ernährungsschlauch auf Antrag ihres Mannes entfernt werde, zitierten US-Medien die Anwältin Barbara Weller.

Die Eltern versuchen alles, um die Gutachten in Zweifel zu ziehen, die Schiavo seit Jahren eine schwere Hirnschädigung bescheinigen, die der Patientin jedes Bewusstsein geraubt habe. „Mit der richtigen Therapie könnte sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, meinte ihr Vater, Bob Schindler, im Fernsehen. Er wirft seinem Schwiegersohn, der Schiavos Vormund ist, vor, Terri vernachlässigt zu haben. „Sie ist seit Jahren wie im Regal abgelegt.“

Der Neurologe William Cheshire sei zu dem Schluss gekommen, dass Schiavo möglicherweise mehr Bewusstsein habe als bisher angenommen, sagte Jeb Bush. Cheshire, der an der Mayo-Klinik in Jacksonville (Florida) arbeitet, ist für seinen strengen Glauben bekannt. Er leitet ein christliches Zentrum für Bioethik und Menschenwürde. Der Arzt habe Schiavo zwar am Bett besucht, aber nicht untersucht, sagte Bush. Er habe aber die Videoaufnahmen von Schiavo studiert.

Der Mann der Koma-Patientin argumentiert, er erfülle den Wunsch seiner Frau. Sie habe früher mündlich klar gemacht, in einem solchen Zustand nicht leben zu wollen. Die Eltern bestreiten dies. Es gebe keine Beweise dafür.

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