USA: 21-Jährige posierte auf Folter-Fotos

Auf Familienfotos lächelt Lynndie England wie das nette Mädchen von nebenan. Die Misshandlungs-Bilder auf denen die 21-Jährige zu sehen ist, haben die Welt schockiert.

Zusammen mit sechs anderen US-Soldaten aus dem Gefängnis von Abu Ghoreib im Irak posiert die Obergefreite auf den Bildern, die Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Bedrängnis brachten. Statt der geplanten Hochzeit sollen der schwangeren England und ihrem Freund, ebenfalls ein US-Soldat aus Abu Ghoreib, nun eine Anklage wegen Grausamkeit, Misshandlung und Vernachlässigung der Dienstpflichten drohen.

Fotos in der “Washington Post”

Die Tageszeitung „Washington Post“ veröffentlichte am Donnerstag auf ihrer Titelseite ein neues Misshandlungs-Foto: Lynndie England, die junge Frau mit dem Bubi-Haarschnitt hält eine lange Leine in der Hand, die um den Hals eines nackten, am Boden liegenden irakischen Gefangenen geknüpft ist. Zuvor war England schon bei anderen Misshandlungsaufnahmen mit nackten Irakern sowie lächelnden und Zigarette rauchenden Soldaten durch ihren in die Höhe gestreckten Daumen als Zeichen des Triumphes aufgefallen.

Mehr als 1000 Fotos hatten die US-Soldaten mit ihren Digitalkameras ab Sommer vergangenen Jahres über ihren Dienstalltag gemacht – darunter auch Aufnahmen, auf denen sie Sex miteinander simulieren. Nach Angaben des Blattes zirkulierten die Aufnahmen per E-Mail unter den Soldaten der 372. Kompanie der Militärpolizei in Cresaptown im US-Bundesstaat Maryland. Die Aufnahmen führten später zu den Anklagen gegen sechs Armeeangehörigen.

Keine einfache Biografie

Lynndie England hat auf den ersten Blick keine einfache Biografie. Sie wird von Verwandten als starrköpfig und unabhängigkeitsliebend beschrieben. Mit 21 hat sie bereits ihre erste Ehe und Scheidung hinter sich. Sie arbeitete nach Presseberichten in einer Hühnerfabrik in West-Virginia und träumte vom College, um später als Meteorologin das Heraufziehen von Stürmen voraussagen zu können. England sei dann in die Reserve eingetreten, weil sie selbst das Geld für ihre Ausbildung verdienen wollte, erzählte die Mutter der Tageszeitung „New York Times“.

Die meisten jungen Leute hätten sich zur Reserve verpflichtet, weil sie die Welt sehen wollten oder zusätzliches Geld brauchten. Die wenigsten hätten je geglaubt, ein grauenvolles Gefängnis führen zu müssen, dass einst von der irakischen Regierung zur Folter von Dissidenten genutzt worden sei, schreibt das Blatt.

Wandlung der Tochter

So bemerkt auch die Familie England die Wandlung ihrer Tochter. Zuerst soll sie absolut begeistert über den Einsatz im Irak gewesen sein, erzählt die Mutter. Doch dies sei später einer Bitterkeit gewichen. Ihre Tochter habe ihr gesagt, sie sei von Kameraden gebeten worden, für die Bilder zu posieren. “„Mutter“, sagte sie zu mir, „ich war zur falschen Zeit am falschen Ort““.

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