US-Botschaft in Wien feiert

Amerika ist anders.“ Dieser Kommentar war auf der Wahlparty der US-Botschaft in Wien am frühen Mittwochmorgen immer wieder zu hören - die US-Botschaft lud zu einem "Election Breakfast".

„ Dem Zeitunterschied – und dem erwarteten knappen Rennen – Rechnung tragend, hatte das Team um Botschafter William L. Lyons Brown in ein Wiener Ringstraßenhotel zu einem „Election Breakfast“ eingeladen. Wenngleich sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit ziemlicher Sicherheit ein Sieg von Amtsinhaber George W. Bush abzeichnete, hielt sich der Diplomat bedeckt: „We have to keep watching“, meinte er.


Mit einem freundlichen „Guten Morgen“-Gruß auf Deutsch wandte sich Botschafter Lyons Brown um 8:15 Uhr an die zahlreich erschienenen, teils nach der Wahlnacht noch recht müde dreinblickenden Gäste. Larry King, der auf dem riesigen CNN-Bildschirm gerade seine Gäste „drüben“ in Washington präsentierte, wurde blitzartig „abgedreht“. Der US-Missionschef aus dem republikanischen Lager erinnerte dann an den Wahlkrimi bei der vorangegangenen Präsidentenwahl – und übte sich in äußerster Zurückhaltung.

Wahlsystem ist oft “messy”


Lyons Brown erläuterte lieber das komplizierte, historische Wahlmännersystem. „Nicht die Amerikaner wählen den Präsidenten, sondern die “(Bundes-)Staaten.“ Mehrfachen Initiativen, dieses in der Verfassung verankerte Procedere zu ändern, war kein Erfolg beschieden. Das System sei kompliziert – und könne bisweilen „messy“ (unklar, verwirrend, Anm.) sein, dachte der Diplomat wohl an die unerquicklichen Wochen der Stimmen-Nachzählung in Florida im Jahre 2000.


In Vier-Augen-Gesprächen gab es auch von amerikanischer Seite konkrete Aussagen. Das Ergebnis entspreche seinen Erwartungen, sagte ein anderer Vertreter der Botschaft. Im Übrigen hätte man sich auch im Falle eines Siegs des demokratischen Herausforderers John Kerry keine große Richtungsänderung erwarten dürfen. Gemessen an europäischen Standards sei der Unterschied zwischen den beiden Rivalen nicht so groß: „Im Stil ja, aber nicht in den Inhalten.“

“Immer älter und immer konservativer


Schwer enttäuscht reagierte hingegen eine in Österreich lebende Demokratin: „Ich glaube, ich werde in meinem Leben keinen demokratischen Präsidenten mehr erleben. Meine Tochter vielleicht schon.“ Die Menschen in den USA würden „immer älter und immer konservativer“, so die Aktivistin von „Democrats Abroad“. Aber auch sie stellte, wie viele in der Runde, fest, dass die Europäer oft von falschen Erwartungen und Wunschvorstellungen ausgehen, was die USA betrifft. „Die Europäer kennen ja nur Amerikaner wie uns, nicht etwa die Bewohner von South Carolina in ihrer gewohnten Umgebung.“


Wer nicht ins Plaudern oder Fachsimpeln vertieft war, konnte im „Stars and Stripes“-Ambiente – das Sternenbanner prangte auf Tischtüchern, Gardinen und Servietten – den Fortgang der Stimmenauszählung verfolgen. CNN, NBC und ORF berichteten laufend, in verschiedenen Bereichen des Saales platziert. Für tiefergehende Recherchen standen Internet-Anschlüsse zur Verfügung.


In der Gästeschar fand sich auch der US-Wahlkampf-erprobte Waldviertler Gerald Neugschwandtner, der in Arnold Schwarzeneggers Kalifornien-Kampagne als dessen Pressesprecher agierte und jetzt für den Abgeordneten Dana Rohrabacher, der dem gebürtigen Steirer legistisch den Weg ins Weiße Haus ebnen will. Präsident Bush könne, angesichts eines republikanisch dominierten Kongresses, „politische Kernanliegen“ besser durchbringen, meinte er. Eine US-Journalistin, ihres Zeichens Republikanerin, ergänzte, in Sachen Sicherheit und Terrorbekämpfung würde ein Präsidenten Kerry die Europäer bald enttäuschen.


Auch eine Mädchen-Schulklasse vom Sacre Coeur, samt ihrer Englisch-Lehrerin, kam zum „Election Breakfast“. Die Professorin freute sich über den „Anschauungsunterricht“, eine willkommene und nützliche Ergänzung des Lernens im Klassenzimmer.

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