Urteil im Hammer-Überfall

Insgesamt 43 Jahre Haft hat ein Wiener Schwurgericht nach einwöchiger Verhandlungsdauer für einen spektakulären Überfall auf den Wiener Nobeljuwelier Wagner verhängt.

Die sieben Angeklagten, allesamt Esten, wurden wegen schweren Raubes und Beteiligung an einer kriminellen Organisation zu Freiheitsstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt. Die drei mutmaßlichen Haupttäter meldeten dagegen Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, die übrigen Urteile sind bereits rechtskräftig.

Mit Hammerl Vitrine zerschlagen

Am 30. Jänner 2004 waren vier mit Wollhauben maskierte Männer in den Familienbetrieb in der Kärntner Straße gestürmt, der unter anderem Claudia Schiffer und Ornella Muti zu seinen Kundinnen zählt. Einer der Räuber hielt mit einer Gaspistole den Geschäftsführer Hermann Gmeiner-Wagner (46) und zwei seiner Mitarbeiterinnen in Schach, während zwei andere mit eigens dafür mitgebrachten Hämmern gezielt mehrere Glasvitrinen zertrümmerten.

Uhren im Wert von 460.000 Euro erbeutet

Die Täter waren ausschließlich an kostbaren Uhren interessiert. 34 Luxus-Chronometer im Wert von 460.000 Euro fielen ihnen in die Hände. Der Coup dauerte keine zwei Minuten. Das Quartett flüchtete mit der hastig in ein Plastiksackerl gepackten Beute in den nahen Burggarten, wo bereits die drei Komplizen warteten. Diese nahmen die Uhren entgegen. Dann trennte sich die Gruppe: Ein Teil fuhr in einem Pkw nach Stuttgart, wo der nächste Raub geplant gewesen sein dürfte, der andere sollte per Bahn nachkommen.

Festnahme war Zufall

Dass die Esten festgenommen werden konnten, war mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken. Im Orient-Express führte die bayrische Polizei just zu diesem Zeitpunkt eine Schleierfahndung durch, als es sich die flüchtigen Räuber dort gemütlich machten und sich in Sicherheit wähnten. Angesichts der plötzlich auftauchenden Beamten verhielten sich die Räuber derart nervös, dass man sie kontrollierte. Dabei konnten die 34 Uhren sichergestellt werden. Für ihre Komplizen klickten wenig später in einem Hotel in Stuttgart die Handschellen.

Juwelier einen Tag danach wieder überfallen

Der Wiener Nobeljuwelier wurde übrigens keine 48 Stunden nach dem „Hammer“-Überfall neuerlich Opfer eines noch Aufsehen erregenderen Coups: Am 1. Februar, einem Sonntag, raste eine serbische Tätergruppe kurz vor 7.00 Uhr mit einem Transporter, an dem am Heck zwei Reifen montiert waren, in das Geschäftsportal. Zuvor waren mit gestohlenen Fahrzeugen die Zugangswege abgeschnitten und mit Nägeln gespickte Bretter als „Reifenkrallen“ ausgelegt worden.

Bei diesem „Rambo-Einbruch“ erbeuteten die Täter Schmuck und Pretiosen in Wert von einer Million Euro. Auch diese Bande, die österreichweit mindestens acht weitere Überfälle begangen haben soll, konnte ausgeforscht und Ende März aus dem Verkehr gezogen werden. Sie wird sich ebenfalls im Wiener Landesgericht zu verantworten haben – Prozesstermin gibt es allerdings noch keinen.

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