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Ursula Pasterk wird 75 und rechnet mit der SPÖ ab

Die Ex-Kulturstadträtin feiert am Sonntag ihren 75. Geburtstag.
Die Ex-Kulturstadträtin feiert am Sonntag ihren 75. Geburtstag. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Heftig ins Gericht geht die ehemalige SPÖ-Kulturstadträtin von Wien, Ursula Pasterk, mit der Sozialdemokratie: "Ich hab mit der SPÖ nichts mehr am Hut, auch wenn ich mit ihren Zielen sympathisiere. Mitglied werde ich nie mehr."

Die Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner habe vor allem das Problem, "dass so viele Männer es besser wissen und ihr dreinreden", sagt Pasterk im APA-Interview.

Pasterk hat "mit der SPÖ nichts mehr am Hut"

Am Sonntag begeht die frühere Kulturpolitikerin ihren 75. Geburtstag. Obwohl sie betont, dass sie den Umgang mit ihr nach dem Ende der aktiven politischen Karriere "nach wie vor unverzeihlich" findet, legt sie trotz aller scharfzüngiger Kritik an den einstigen Parteikollegen Wert auf die Feststellung: "Ich bin nicht hassgetrieben. Ich schaue in die Zukunft. Ich habe nicht umsonst über Ernst Bloch dissertiert."

Am 23. Juni 1944 im oberösterreichischen Oberschlierbach geboren, studierte Pasterk Philosophie in Wien, ging jedoch nicht als Mitarbeiterin Blochs nach Tübingen, sondern begann in Wien beim ORF als Journalistin zu arbeiten und wechselte später zum Nachrichtenmagazin "profil". Als Helmut Zilk 1979 Wiener Kulturstadtrat wurde, verpflichtete er Pasterk als Beraterin - eine Funktion, in der sie Zilk 1983 bei seiner Berufung zum Unterrichtsminister folgte. 1984 wurde sie zur Intendantin der Wiener Festwochen bestellt. 1987 wurde sie Kulturstadträtin und als solche wie ihre Vorgänger auch Festwochenpräsidentin. Bis zur Bestellung von Intendant Klaus Bachler 1991 leitete sie ehrenamtlich die Festwochen weiter.

Ehemalige SPÖ-Kulturstadträtin war neun Jahre im Amt

In ihrer neunjährigen Amtszeit prägte sie das hauptstädtische Kulturgeschehen nachhaltig. So sind Wien Modern, die Kunsthalle am Karlsplatz ("Finanzstadtrat Hans Mayr nannte es 'Ursulaneum'", lacht Pasterk) oder auch das Jüdische Museum wichtige Gründungen ihrer Amtszeit. Sie verdoppelte das Kulturbudget und weitete die Förderungen der Freien Szene stark aus. Der heutige Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder war anfangs Pasterks Büroleiter, der spätere Kunsthallen-Direktor Gerald Matt ihr persönlicher Berater und Sekretär. Gemeinsam mit u.a. Elfriede Jelinek und Claus Peymann fand sie sich 1995 auf einem Wahlplakat der FPÖ als Feindbild wieder.

Als die SPÖ 1996 bei der Gemeinderatswahl ihre absolute Mehrheit verlor, ging das Kulturressort an die ÖVP. Pasterk, damals mit 52 Jahren in demselben Alter wie der heutige Festwochen-Intendant Christophe Slagmuylder, wollte zu den Festwochen zurück ("Ich hatte ein Rückkehrrecht!") und schlug ein künftige Arbeitsteilung zwischen Präsidentin und Intendant nach Salzburger Vorbild vor. In einer heftig geführten politischen Kontroverse wurde sie fallen gelassen, für ehemalige Politiker eine fünfjährige Cooling-Down-Phase beschlossen. "Die Entpolitisierung war eigentlich eine Entpasterkisierung", schäumt sie noch heute und erinnert daran, dass ihr Nachfolger Peter Marboe nach seinem Ausscheiden als Stadtrat zum Mozartjahr-Intendanten ernannt worden war.

Scharfe Kritik an SPÖ-Politikern

"Ich habe 17 Jahre fürs Wiener Kulturleben gearbeitet. Ohne Privatleben!" Wie man danach mit ihr umgegangen sei, "war eine massive Kränkung" und führte zu ihrem Parteiaustritt. Umso mehr nimmt sie sich die Freiheit, frei von der Leber weg auch SP-Politiker zu kritisieren. Helmut Zilk und Michael Ludwig kommen dabei deutlich besser weg als Michael Häupl und Andreas Mailath-Pokorny: "Er hat nichts gemacht, mehr verwaltet statt gestaltet." Die jetzige Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler habe ambitioniert begonnen, die Bestellung der Kunsthallen-Leitung durch ein Kuratorinnenkollektiv aus Zagreb sei "sehr interessant", meint Pasterk. Statt - wie diskutiert - der Kunsthalle würde sie lieber das Wien Museum an die Peripherie verlagern. "Zeitgenössische Kunst muss ins Zentrum!" Kaup-Hasler "muss jetzt zeigen, was sie kann und welche Ideen sie hat. Und sie muss sich damit beeilen", verweist die Ex-Politikerin auf mögliche andere Konstellationen nach der nächsten Wien-Wahl.

Den Umgang mit dem nach zwei Festivals zurückgetretenen Festwochen-Intendanten Tomas Zierhofer-Kin fand sie "ziemlich unfair", kritisiert aber wie viele andere den verstiegenen Ton bei Bewerbung und Vermittlung seiner Programme. Die von ihr etablierten großen Festwochen-Ausstellungen vermisst sie im Programm des jetzigen Intendanten ebenso wie die großen Eigenproduktionen. Heuer habe ihr am besten das Bob Wilson-Gastspiel mit Isabelle Huppert gefallen, erklärt sie: "Solche Glanzlichter braucht es mehr. Ein zweites Tanzfestival brauchen wir dagegen nicht."

"Das Kulturressort ist ein Ideologieressort"

Von den Ansagen der Politikerin Ursula Pasterk ist vor allem ein Satz in Erinnerung geblieben: "Das Kulturressort ist ein Ideologieressort." - "Dieser Satz ist für mich fast schon zum Stigma geworden", lacht sie. "Aber ich bleibe bis heute dabei." Mit Ideologie scheine die Sozialdemokratie heute freilich auch in anderen Ressorts immer weniger zu tun haben zu wollen. "Der einzige Wert in der Politik scheint heute der Machterhalt zu sein. In jeder politischen Gruppierung." SP-Parteivorsitzende Rendi-Wagner sei zwar "wahnsinnig sympathisch und gescheit", sie müsse aber "deutlicher vermitteln, wofür sie steht". Dass sie die Kernkompetenzen der Partei weiter im sozialen Bereich sieht, etwa auch im Bemühen darum, dass die in Österreich befindlichen Flüchtlinge "menschenwürdig behandelt werden", daran lässt Pasterk keinen Zweifel.

In den vergangenen zehn Jahren war Ursula Pasterk als Universitätsrätin an der Kunstuniversität Linz tätig. Sie ist stolz, in dieser Zeit den Umbau der Brückenkopf-Gebäude durch Adolf Krischanitz und eine deutliche Erhöhung des Uni-Budget mitermöglicht zu haben. Im März ging ihre zweite und letzte Funktionsperiode zu Ende. "Es hat großen Spaß gemacht." Ihre verstorbene Freundin Christine Nöstlinger vermisst sie sehr. Sie sei jedoch dankbar, dass sie selbst gesund sei und habe noch viel vor. Heute, Donnerstag, steigt sie etwa in den Flieger. Denn ihren Geburtstag werde sie nicht in Wien verbringen, lacht Ursula Pasterk. "Heuer werde ich mit den Gorillas in Ruanda feiern."

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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