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Urban Exploration in Wien: Zwei Stadterkunder im VIENNA.AT-Interview

Orte erforschen, wo seit Langem kein Mensch mehr war - darum geht es den Stadterkundern
Orte erforschen, wo seit Langem kein Mensch mehr war - darum geht es den Stadterkundern ©Die 78er
Sie erkunden verlassene, unzugängliche Orte wie Fabriken, Bürogebäude, Villen, Tunnel, Kanäle und Industrieruinen und scheuen sich auch nicht, auf hunderte Meter hohe Kräne zu klettern - die Wiener Stadterkunder. VIENNA.AT traf "Die 78er" zum Gespräch und ließ sich alles über Urban Exploration erzählen.
Urban Exploration: Beste Bilder
Heimlich im Zementwerk

Auf die Frage, wie man denn auf die Idee kommt, nachts in verlassene Häuser und Co. einzusteigen, haben “Die 78er”, Olaf und Igor (Namen auf Wunsch der beiden geändert), eine klare Antwort: Die Wurzeln fürs Urban Exploration liegen bei ihnen bereits in der Kindheit.

Schon Kinder lieben “verbotene” Räume

“Als Kinder haben viele Leute immer dort gespielt, wo es verboten war: auf Baustellen, in leerstehenden Gebäuden. Irgendwann hört man damit auf. Und wir haben eben wieder damit angefangen. Nur, dass es jetzt dabei um was anderes geht”, berichtet Igor.

Er ist passionierter Fotograf und streift auf der Suche nach spannenden Motiven gerne auf langen Stadtspaziergängen durch Wien – wobei er Lust bekam, die Stadt nicht nur an der Oberfläche zu erkunden und dokumentieren, sondern auch hinter den Kulissen. “Es geht darum, zu schauen, was man aus einer Stadt rausholen kann.”

Erste Ausflüge ins unbekannte Wien

Auf die Frage, wie man als Urban Explorer – ein Begriff, den die beiden nicht mögen und eher “Stadterkunder” bevorzugen – zu seinen Orten kommt, die es zu erkunden lohnt, nennen die beiden ein paar Klassiker, die in Wien in Sachen Urban Exploration schon vielfach besucht wurden. Dazu gehören etwa das leerstehende Zementwerk Rodaun und das Josef-Afritsch-Heim, ein ehemaliges Kinderheim im Wiener Hörndlwald,  der eine oder andere Flakturm oder der Wienfluss-Kanal zwischen Stadtpark und Pilgramgasse. Damit würden viele Urban Exploration-Neulinge beginnen – um dann die Lust daran zu entdecken, seine eigenen, noch unerforschten Orte zu begehen.

“Wien ist nicht nur Schönbrunn und der Stephansdom – wir wollen die dunkle Seite sehen, die unberührte, die abgefuckte. Es geht uns um die Wahrnehmung der Stadt, einen anderen Bezug zu finden, zu entdecken, was es noch gibt”, erklärt Igor die Motivation der Stadterkunder.

Übrigens trifft man an den gewählten Orten nicht nur andere Explorer, wenn man “Pech” hat – sondern auch Obdachlose, Sprayer und Kabeldiebe, wie die beiden berichten. Mit Letzteren werde man auch gerne einmal verwechselt- und habe dann Mühe, zu erklären, dass man nicht gekommen ist, um Kupferkabel zu stehlen.

Locations finden, die sich lohnen

An spannenden Locations ist jedenfalls in Wien kein Mangel, wie Olaf und Igor versichern. Die beiden führen eine eigens angelegte To Do- bzw. Have Done-Karte mit ihren Urban Exploration-Zielen, die eines ihrer wertvollsten Besitztümer ist und natürlich strengster Geheimhaltung unterliegt – wie Stadterkunder generell nicht verraten, wo ihre Bilder entstanden sind.

Wie erkennt man eigentlich, dass ein Ort wirklich verlassen ist? Vorbereitung ist alles, wie Olaf erklärt. Ein relativ klares Signal seien schräg hängende Jalousien und ungemähter Rasen. Bevor man die auserkorene Location tatsächlich begeht, “lungert” man in der Nähe herum, um die Lage zu checken. Securitys, Hausmeister und Anwohner könnten einen beim Einsteigen beobachten – was es natürlich zu vermeiden gilt.

Doch ist der Einstieg gelungen, wird es erst richtig spannend: “Man taucht von der Bildfläche weg, bekommt teilweise was wirklich Eindrucksvolles zu sehen, manche Locations wirken richtig post-apokalyptisch”, schwärmt Olaf.

Faszination Urban Exploration

Davon, was die Faszination der Stadterkundung ausmacht, berichten die beiden mit leuchtenden Augen. Es gehe dabei um ein gewisses Gefühl – zu sein, wo sonst keiner hinkommt oder seit Jahren niemand war, zu entdecken, was eine Location zu bieten hat, zu fotografieren, und ganz allgemein die Atmosphäre eines Ortes in sich aufzusaugen. Besonders freuen sich die beiden über persönliche Gegenstände, die jemand teils vor Jahrzehnten zurückgelassen hat. “Fotoalben, alte Briefe, Schulhefte – auch Pornos aus den 80ern haben wir schon gefunden,” erzählt Igor.

Nicht selten genießen die beiden nach dem Erklimmen von Kränen über den Dächern der Stadt den “Höhenkick” sowie den atemberaubenden Ausblick bei einem “Siegerbier”, wie sie schmunzelnd erzählen: “Man fühlt sich wie ein König.”

Vorsicht ist die Mutter der Stadterkundung

Urban Exploration ist, so die Darstellung der beiden, etwas Ruhiges, Leises, das mit viel Vorsicht und Hausverstand betrieben wird. Ihr Credo lautet, nichts kaputtzumachen oder mitzunehmen. “Take nothing but pictures – leave nothing but footprints – dieses Motto aus den Nationalparks gilt auch bei uns”, so Olaf. Wenn sich eine Location nicht durch offenstehende Fenster oder Türen betreten lässt, lassen die beiden es bleiben – auch wenn die Enttäuschung groß sei.

Türen einzutreten oder Bretter von zugenagelten Fenstern mittels Werkzeug zu entfernen, kommt für “Die 78er” aber nicht in Frage. Ausgerüstet kommt man natürlich trotzdem zur Location – immer mit dabei sind Taschenlampen, Handschuhe, ein Halstuch gegen Staub, ein Leatherman und natürlich Kamera, Stativ und Zubehör. “Es geht schon auch darum, zu zeigen, was man gesehen hat”, so Fotograf Igor, der die faszinierendsten Bilder auf den gemeinsamen Blog der beiden stellt.

Dürfen denn die das?

Auf Kräne klettern, in Häuser einsteigen – ist Urban Exploration eigentlich legal? Es handelt sich – sofern man nicht gewaltsam einbricht – um einen rechtlichen Graubereich. Auch sei es teilweise nicht ungefährlich, auf einem Kran hochzuklettern, und manche Gebäude seien nicht nur zugemüllt, sondern auch von Schimmel und Asbest belastet.

“Ganz sicher wollen wir keine Anleitung zum Nachmachen liefern. Stadterkundung ist eben für uns beide ein cooles Hobby, das wir mit Leidenschaft betreiben und das immer spannend bleibt – und wer es ausprobieren will, wird sowieso einen Weg finden”, meint Olaf abschließend.

(DHE)

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