Unterschiedlicher Umgang mit Schmerz

Jede Kultur hat andere Strategien zur Schmerzbewältigung: Während Deutsche, Nord- europäer und Amis Rat beim Fachmann suchen, hilft bei Menschen in den Mittelmeerstaaten die Familie.

Dies berichtete der Mediziner Norbert Kohnen von der Uni Düsseldorf.

Empirische Daten zeigen nach seinen Angaben, dass sich Iren zurückziehen, weil es unfein ist, Schmerz zu äußern; Nordamerikaner suchen so früh wie möglich den Arzt auf, schildern ihm die Beschwerden ohne emotionale Regung, damit er sofort eine rationale Behandlung einleiten kann; Juden erdulden den Schmerz, weil Gott ihnen so ein Zeichen geben will; Italiener äußern Schmerzen laut und deutlich, damit ihnen die familiäre Anteilnahme zukommt, Philippinos fügen sich fatalistisch in ihr Schicksal.

Diese Bedingungen müsse man bedenken, betont Kohnen. Er fordert die Ärzte auf, sich in die Erlebniswelten ihrer fremdländischen Patienten einzufühlen. Viele der in anderen Traditionen erzogenen Patienten betrachteten ihre Erkrankung als ein ganz individuelles Ereignis. Daher verstünden sie oft nicht, dass sie mit dem gleichen Namen bezeichnet werde wie die Krankheit des Nachbarn. Individualisieren und nicht generalisieren heiße deshalb die Devise, sagte Kohnen.

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