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Unter Menschen: Kritik zum Film

In ihrer Dokumentation zeigen Christian Rost und Claus Strigel den Kampf, 40 Schimpansen aus einem ehemaligen Versuchslabor ein artgemäßes Leben in der Gruppe zu ermöglichen. In dem verwilderten ehemaligen Safaripark Gänserndorf leben sie mit vier Pflegerinnen, zwei davon waren schon als Betreuerinnen im Versuchslabor des österreichischen Pharmakonzerns Immuno tätig. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Letztlich schwebt die große Frage nach der Schuld über dem Affenhaus in Gänserndorf, in dem sich 40 schwer traumatisierte Schimpansen auf ihr neues soziales Leben vorbereiten. Es sind jene Versuchsaffen, die vom österreichischen Pharmakonzern Immuno in den 1980ern für HIV- und Hepatitistests infiziert und über 20 Jahre in kleinsten Käfigen in Isolationshaft gehalten wurden. Erst 1999 kamen sie zur Resozialisierung in den damaligen Safaripark Gänserndorf, wo sie seither mit vier Pflegerinnen, die teils bereits im Labor zuständig für sie waren, ein neues Leben erlernen. Die beiden Filmemacher Christian Rost und Claus Strigel haben sich dieser bewegenden Lebensgeschichte von Tier und Mensch in “Unter Menschen” gewidmet. Ab kommender Woche läuft die ORF-Koproduktion in ausgewählten österreichischen Kinos. Die Ausstrahlung ist für 2014 geplant.Wien/Gänserndorf. Mit Archivmaterial wird der schwierige Schritt für die hoch geselligen Tiere in ihrem Altersrefugium nachvollzogen, nach Jahren der Isolation wieder einen Artgenossen sehen, riechen und berühren zu können. Eine der erschütterndsten Szenen des Films hält fest, wie sich zwei Schimpansenweibchen nach langer Resozialisierungszeit leibhaftig begegnen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten stehen sie einem anderen Affen gegenüber. Ein leises Wimmern entfährt ihnen, sie gehen langsam aufeinander zu und nehmen sich in die Arme, um sich minutenlang nicht mehr loszulassen.

Berührend auch der Moment, als 2012 dank des Engagements von Gut-Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser die Freigehege der Anlage fertiggestellt sind. Nachdem sie 30 Jahre ohne Natur oder freien Himmel vegetieren mussten, erfahren die mittlerweile schon betagten Tiere, was es heißt, wenn einem der Wind um die Nase streift – eine schier unfassbare Begeisterung und Ungläubigkeit spiegelt sich da in den Gesichtern.

Kritik zum Film “Unter Menschen”

Im Fortschritt des Films wird zugleich deutlich, dass beileibe nicht nur die Schimpansen ihre Traumata davongetragen haben und im Fokus der Kamera stehen, sondern auch deren Pflegerinnen. Die resolute, engagierte Renate Foidl lebt seit 22 Jahren an der Seite der Affen und kämpft für ihre Schützlinge. Zugleich hadert sie mit der eigenen Entscheidung, den Job als Pflegerin auch im Labor gemacht zu haben, in der Hoffnung, ein gewisser Anker für die Affen zu sein – trotz aller moralischer Zweifel. Und doch kann alles Erreichte keine Wiedergutmachung für die Jahre des Elends sein, dessen ist sich Foidl bewusst.

Daneben versucht “Unter Menschen”, die politischen Hintergründe des illegalen Affenhandels für medizinische Zwecke aufzuarbeiten, wurden die Tiere teils doch unter Umgehung des Artenschutzabkommens nach Österreich eingeführt. Auch wenn man Zeitzeugen wie den Immuno-Justiziar, engagierte Tierschützer und sogar Affenexpertin Jane Goodall vor die Kamera bekommt, bleibt hier allerdings vieles in Andeutungen stecken. Ebenso werden im Laufe des Films immer wieder handwerkliche Fehler deutlich, sind die Zwischentitel etwa unpassend reißerisch designt.

So bleibt “Unter Menschen” am stärksten, wenn auf Worte verzichtet, die Sehnsucht der Kreatur nach Erlösung und Hoffnung eingefangen wird – auf beiden Seiten des Gitters. Hier liefert der Film Bilder, die einen nicht so bald loslassen.

(APA)

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