"Unter Bauern": Retter-Geschichte aus der NS-Zeit

"Wer eine Seele rettet, rettet die ganze Welt": Bei der Premiere von "Unter Bauern - Retter in der Nacht" beim Filmfestival in Locarno zitierte Regisseur Ludi Boeken aus der Thora. Die Jüdin Marga Spiegel, eine Tante des früheren Zentralrats-Präsidenten Paul Spiegel, hat es Bauern in Westfalen zu verdanken, dass sie vor dem Holocaust gerettet wurde.

Von 1943 bis 1945 versteckte sie sich unter falschem Namen vor den Nazis – in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Nun kommt ihre Geschichte mit Veronica Ferres in der Hauptrolle ins Kino. Heute ist Marga Spiegel 97 Jahre alt. Sie lebt in Münster und ist immer noch hellwach, rüstig genug, um von ihrer Geschichte zu erzählen.

Der am Freitag (18.12.) in Österreich startende Film ist differenziert, feinfühlig und unsentimental, mit einem zu Herzen gehenden Ende. Es geht um die mutigen Bauern, die Marga Spiegel, ihren Mann und ihre Tochter versteckten und so die Familie vor der Deportation retteten. Unter Gefahr für Leib und Leben zeigt die christlich geprägte Familie Aschoff, was Menschlichkeit und Würde in barbarischer Zeit bedeutet. Zugleich geht es erneut um die Frage, was die Deutschen vom Holocaust gewusst haben.

Marga Spiegel hat schon früh ihre Geschichte aufgeschrieben und 1965 als Buch veröffentlicht. “Die Bauern haben aus Glauben und aus Menschlichkeit gehandelt”, sagt sie. Der Film lebt von vielen intimen und sprechenden Gesten und von seinen großartigen Schauspielern. Armin Rohde überzeugt als Pferdehändler Menne Spiegel. Besonders brillieren als das Bauernehepaar Aschoff die resolut-ruppige Margarita Broich und der nachdenkliche, aufrechte Martin Horn, der dank Charakterkopf und Haltung aus einem alten Schwarz-Weiß-Foto in deutschen Familienalben entsprungen scheint.

Eine Neuentdeckung ist die junge Lia Hoensbroech als Anni Aschoff, die sich im Film vom misstrauischen, naiven Mädel der “Bewegung” in eine wahre Freundin der Spiegels wandelt. Wer sonst Veronica Ferres als Quotenqueen aus dem Fernsehen nicht mögen sollte – bei diesem Film lohnt es sich, eine Ausnahme zu machen. Armin Rohde lobt zurecht das Drehbuch, das nicht als ausformuliertes Hörspiel daherkommt, sondern mit wenigen Sätzen viel sagt.

Marga Spiegel kannte vorher (die fast zwei Köpfe größere) Ferres nicht, weil sie wenig fernsieht. Der Film und die Schauspieler haben ihr aber gut gefallen, die beiden Frauen sind heute miteinander befreundet. Kennengelernt haben sich die beiden, als Ferres mit weichen Knien gemeinsam mit dem Regisseur die alte Dame in ihrer “Studentenbude” in Münster besuchte. “Sie hat mich einfach zutiefst beeindruckt”, sagt die Schauspielerin. Marga Spiegel mochte Ferres auf Anhieb und stellte Gemeinsamkeiten fest. “So eine Gründlichkeit hat sie.” Sie glaube nicht, dass es eine bessere Schauspielerin hätte geben können. “Ich habe mich ihr wirklich anvertraut.”

http://www.unterbauern-derfilm.de

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