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UNO gedenkt Befreiung der Vernichtungslager

Die UN-Vollversammlung wird am Montag, den 24. Jänner 2005, in einer Sondersitzung der Befreiung der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager vor 60 Jahren gedenken.

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer erinnerte vor der Vollversammlung laut Redetext an die „historisch-moralische“ Verpflichtung Deutschlands, jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. Das demokratische Deutschland habe die Lehren aus „dem absoluten moralischen Tiefpunkt“ des Nationalsozialismus gezogen. Israels Außenminister Silvan Shalom würdigte die Gedenkstunde als „historisches Ereignis von weltweiter Tragweite und politischen Erfolg Israels“.

Die historische Sitzung wurde mit einer Schweigeminute der versammelten Staatenvertreter aus aller Welt eröffnet. UNO-Generalsekretär Kofi Annan erinnerte anschließend in einer Rede daran, dass die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg als Antwort auf „das Böse des Nationalsozialismus“ gegründet wurden.

Die Deutschen dürften nicht tatenlos zuschauen, wenn Menschen wegen ihres Glaubens beleidigt, angegriffen und verletzt würden, betonte Fischer laut Redetext vor den Vereinten Nationen. „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Synagogen beschmiert und geschändet werden. Und wir dürfen antisemitischer Hetze nicht schweigend zuhören“, fügte er demnach hinzu. Ein „entscheidender Indikator“ für den Zustand der deutschen Demokratie sei es, ob sich die jüdischen Bürgerinnen und Bürger und ihre Gemeinden sicher und zuhause fühlten.

Vor Beginn der UNO-Sitzung verurteilte Fischer das Verhalten der rechtsextremen NPD im sächsischen Landtag scharf. Es sei „empörend“, wie die NPD im Rahmen der parlamentarischen Demokratie gezielt die „Relativierung des Holocaust“ inszeniere, sagte er vor Journalisten. Sächsische NPD-Abgeordnete hatten sich am Freitag dem Gedenken an die Holocaust-Opfer verweigert und danach in Reden die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 als „Bomben-Holocaust“ bezeichnet.

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel warnte vor einer Banalisierung der Erinnerung an die NS-Gräuel. Besonders in Filmen bestehe diese Gefahr, sagte Wiesel in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP am Montag in New York. „Ich mag das Wort ’Dokudrama’ nicht, wir haben nicht das Recht, Fiktion und Wahrheit zu vermischen, nicht auf diesem Niveau.“ Er habe weniger Angst vor dem Vergessen, weil die Tragödie des Holocaust die am besten dokumentierte der Geschichte sei. Zudem habe er immer geglaubt, dass derjenige, der einem Zeugen zuhöre, selber Zeuge werde, sagte Wiesel. „Wir sind dabei, eine Generation von Zeugen von Zeugen von Zeugen zu bilden.“ Auch Wiesel hielt bei der Gedenkstunde eine Rede.

Israels Außenminister Shalom sagte vor Beginn der Sondersitzung im israelischen Rundfunk, sein Land werde in der Vollversammmlung der Vereinten Nationen, in der eine Mehrheit gegen Israel sei, seit Jahrzehnten „systematisch angegriffen“. Die Beziehungen zwischen der UNO-Vollversammlung und Israel waren jahrelang belastet, nachdem das Gremium vor rund 30 Jahren Zionismus mit Rassismus gleichgestellt hatte.

Es war das erste Mal, dass die Vereinten Nation in dieser Form der Befreiung der NS-Konzentrations- und Vernichtungslager gedachten. Anlass war der 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau am kommenden Donnerstag. Rund 150 der 191 UNO-Mitgliedstaaten hatten die Initiative für die Gedenkstunde unterstützt. Die UNO war 1945 als Reaktion auf die Weltkriege und den Holocaust gegründet worden.

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