Universalkünstler Daniel Spoerri belebt das Naturhistorische Museum

Das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Naturhistorischen Museum in Wien
Das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Naturhistorischen Museum in Wien ©APA/ROBERT JAEGER
Der rumänisch-schweizerische Universalkünstler Daniel Spoerri durchforstete monatelang das Depot des Naturhistorischen Museums in Wien, um dort eine ungewöhnliche Schau zu inszenieren. Bis Mitte September ist "ein inkompetenter Dialog?" nun in den Museumsräumen zu bewundern.
Daniel Spoerri im NHM

Wie ein “neugieriges Mäuschen” habe sich Daniel Spoerri gefühlt, als er die vergangenen Monate die verschiedenen Depots des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien durchstöbert hat. Auf Anfrage des Museums hat sich der rumänisch-schweizerische Universalkünstler mit den Sammlungen des Hauses auseinandergesetzt, entstanden ist daraus ein “inkompetenter Dialog” mit Fragezeichen, wie es der Titel suggeriert.

Daniel Spoerri: “Hatte keine Ahnung, was ich will”

Und so treffen in der Dienstagabend eröffnenden Ausstellung Spoerris surreale Assemblagen auf teils nur selten gezeigte Objekte der verschiedenen Abteilungen. “Was Sie sehen, sehen Sie. Das hat sich dadurch ergeben, dass ich keine Ahnung hatte, was ich will”, erklärte der Künstler bei der heutigen Presseführung verschmitzt.

Und zu sehen gibt es einiges: Das seltene Exemplar eines Narwalschädels mit zwei Stoßzähnen konfrontiert Spoerri etwa mit dem “Nabel der Welt”, mehreren kreisförmig angeordneten Pferdeschädeln, denen er wiederum einem Einhorn gleich Narwalzähne auf die Stirn montierte. Aus einem bedrohlich wirkenden Fischmaul ragt wiederum eine feingliedrige Hand, während Schädel aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen auf Kinderstühle montiert sind.

So kam der Künstler zum Naturhistorischen Museum

Entstanden ist die Idee, Spoerri auf die Sammlungen des NHM loszulassen, vor etwa einem Jahr, als er als Leihnehmer für ein Projekt in Graz vor Ort war. Von Kuratorin Margit Berner darauf angesprochen, erbat sich der 82-Jährige eine Carte blanche und zog unter fachmännischer Begleitung durch die etlichen Depoträume des Museums. “Ich könnte Ihnen zwei Stunden lang Anekdoten erzählen. Ich hatte wirklich Spass”, erzählte der Künstler mit beinahe kindlicher Freude.

Zum wirklichen Dialog, zur realen Auseinandersetzung und Kombination kam es allerdings nur für ein Objekt: Dem Skelett einer Tigerpython, dem der Kopf fehlte, verpasste Spoerri kurzerhand einen Tigerschädel aus seiner eigenen Sammlung. Wobei er über den inhaltlichen Zusammenhang nichts wusste: “Davon höre ich heute zum ersten Mal”, zeigte er sich überrascht. Dass es nur zu diesem einen Werk kam, hatte auch mit konservatorischen Bestimmungen zu tun. “Es hieß meist: Anfassen können Sie nichts. So konnte ich mir eigentlich nur vorstellen, was ich machen wollte”, meinte Spoerri süffisant.

Konfrontation mit Kontrasten

Die Sonderausstellung in den Räumen 16 und 17 kann dennoch als erfolgreiche Konfrontation gewertet werden: Den wissenschaftlichen Disziplinen gemäß setzt Spoerri mit seinen eigenen Arbeiten zu archäologischen, prähistorischen oder mineralogischen Objekten einen spannungsgeladenen Kontrast, egal ob mittels seiner “Hirnkoralle”, fantasievollen Kreuzungen aus Tierknochen und Puppenfiguren oder der 45-teiligen “Herbarium”-Serie mit getrockneten Pflanzen. So hätten sich auch für das NHM neue und spannende Erkenntnisse ergeben, wie Ko-Kurator und Direktor der Abteilung Ausstellung und Bildung, Reinhard Golebiowski, erklärte. Man habe “Vergessenes wiederentdeckt”.

Begleitet wird die Schau im Naturhistorischen Museum, die bis zum 17. September zu sehen ist, nicht nur von einem umfangreichen Rahmenprogramm inklusive Führungen, bei denen man sich “auf die Spuren von Daniel Spoerri begeben und in den Tiefspeicher” des NHM eindringen kann, wie Berner betonte, sondern auch durch eine Partnerausstellung im Ausstellungshaus Spoerri in Hadersdorf am Kamp – dort heißt es seit Anfang Mai “Natürlich Natur – Paralipomena”. Insgesamt 32 Künstler haben sich dafür mit der Natur auseinandergesetzt.

(apa/red)

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