Uni-Zugang: "Griff ins Klo"

Empört hat die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) am Dienstag auf die Pläne der Regierungsparteien zur Regelung des Uni-Zugangs regiert. ÖH-Chefin Sigrid Maurer bezeichnete am Dienstag die geplante Studieneingangsphase als "zukunftspolitischen Griff ins Klo".
Keine zahlenmäßige Beschränkung
Jeder Achte ausgewählt
Tauziehen seit 2005

Speziell stoßen sich die Studentenvertreter an der Beschränkung der möglichen Prüfungsantritte während der Studieneingangsphase. Diese werde damit zu einer “versteckten Knock-Out-Phase – die Prüfungen dafür genutzt, Studierende gezielt aus dem Studium zu boxen”, so Thomas Wallerberger vom ÖH-Vorsitzteam.

Mit einer spontanen Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt haben die Studentenvertreter ihrem Unmut Luft gemacht – mit dazu passenden roten Boxhandschuhen. Maurer sprach vor Journalisten von einer “Schikane gegen Studierende”. Den Studenten sei versprochen worden, dass keine Knock-Out-Prüfungen eingeführt werden: Nun sei aber “genau eingetreten, was wir nicht wollten”.

Die ÖH-Spitze spricht von “institutionalisierten Knock-Out-Prüfungen”. Die SPÖ sei offenbar auf die “Schauermärchen von überfüllten Massenfächern und der drohenden Deutschenflut” von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) hereingefallen. Ziel der Studieneingangsphase sei ganz klar, die Zahl der Studierenden zu senken, so ÖH-Generalsekretärin Mirijam Müller, die vom “nächsten Anschlag auf die Studierenden nach der Kürzung der Familienbeihilfe” spricht.

Wallerberger bezeichnete die Maßnahme als “bildungspolitischen Schnellschuss”, der an den wirklichen Problemen der Hochschulen vorbei gehe. “Anstatt die Universitäten endlich ausreichend zu finanzieren, werden Studierende aus ihrem Studium gedrängt. Die Universitäten brauchen ‘Bail-Out’ statt ‘Knock-Out'”, so Wallerberger. Zudem würden mehr Studierende benötigt, nicht weniger, Österreich liege sowohl bei der Zahl der Studienanfänger als auch bei der Zahl der Absolventen weit hinter dem OECD-Schnitt.

Faymann reagiert

Für Bundeskanzler Werner Faymann (S) hat die ab 2014 geplante Studienplatzfinanzierung nicht das Ziel einer Restriktion. Es gehe darum, “zusätzliche Mittel effizient einzusetzen”, erklärte er am Dienstag nach dem Ministerrat im Pressefoyer. Die Rektoren hätten April/Mai als Zeitpunkt für ein Modell zur Studienplatzfinanzierung genannt, und er gehe davon aus, dass dieser Termin eingehalten wird.

Bei der Studienplatzfinanzierung sei die Frage zu klären, ob man eine Limitierung einführe oder ein Anreizsystem, hieß es aus dem Kanzleramt gegenüber der APA. Grundsätzlich sei man an einer Hebung der Akademikerquote und einer Qualitätssteigerung der Forschung und Entwicklung interessiert.

BZÖ gegen k. o.

Das BZÖ plädierte unterdessen für “sinnvolle Zugangsbeschränkungen, um den drohenden Studententsunami aus Deutschland zu bremsen”, anstatt die “Erstsemestrigen mit Knock-Out-Prüfungen k.o. zu schlagen”. Nur eine Kombination aus Einschreib- und Studiengebühren samt sozial treffsicheren Beihilfen könne laut Wissenschaftssprecher Rainer Widmann in den Massenfächern die Zahl der Studenten reduzieren, hieß es in einer Aussendung.

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