Uni Wien übergibt "erbloses" NS-Raubgut an Nationalfonds

Die Uni Wien gibt "erbloses" NS-Raubgut an den Nationalfonds für NS-Opfer.
Die Uni Wien gibt "erbloses" NS-Raubgut an den Nationalfonds für NS-Opfer. ©pixabay.com/JordanHoliday
Die Universität Wien hat mit dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus einen Vertrag über "erbloses" Raubgut unterzeichnet.

Seit 2004 läuft an der Universität Wien ein Projekt, bei dem die Uni-Bibliothek systematisch von den Nationalsozialisten enteignete Bücher und Objekte restituiert. Immer wieder konnten aber keine Erben beziehungsweise Rechtsnachfolger ausgeforscht werden. Nun hat die Uni einen Vertrag mit dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus über “erbloses” Raubgut unterzeichnet.

Der Vertrag sieht laut Aussendung vom Montag vor, dass jene Bücher und Kulturgüter ungeklärter Herkunft, die zwischen 1933 und 1945 politisch und rassistisch verfolgten Menschen und Institutionen geraubt wurden, in Anlehnung an das Kunstrückgabegesetz dem Nationalfonds zur Verwertung übergeben werden. “Jedes geraubte Buch, jedes geraubte Objekt, das sich in unseren Beständen befindet, wird restituiert”, betont die Leiterin der Uni-Bibliothek, Maria Seissl. Danach kauft die Uni diese Güter wieder an, entscheidend für den Betrag ist ein unabhängiges Schätzgutachten beziehungsweise der aktuelle Listenpreis. Der Erlös der einst geraubten Objekte kommt NS-Opfern zugute.

“Erbloses” Raubgut wird an Nationalfonds gegeben

Erstmals zum Tragen kommt diese neue Vorgangsweise bei der Bibliothek der All Peoples Association (APA), deren 1935 gegründete Wiener Zweigstelle 1939 von den Nazis aufgelöst wurde. Der Bibliotheksbestand wurde damals dem Englischen Seminar der Uni zuerst als “Leihgabe” zugeteilt und wenig später zum Eigenbestand erklärt. Im Rahmen der NS-Provenienzforschung hat die Uni Wien 1.820 Druckschriftenbände eindeutig als Raubgut identifiziert, mangels Rechtsnachfolger der APA konnten sie aber nicht restituiert werden. Dasselbe Problem ergab sich bei zwölf Objekten, die der archäologischen Schausammlung des Instituts für Ägyptologie 1938 von der Gestapo übergeben worden waren. Auch sie werden nun dem Nationalfonds zu Verwertung übergeben und – diesmal legal – von der Uni wieder angekauft.

Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema “erbloses” Raubgut findet an der Uni Wien vom 2. bis 4. Mai bei der internationalen transdisziplinären Tagung “‘Treuhänderische’ Übernahme und Verwahrung” statt. Zur Eröffnung spricht der frühere US-Botschafter für “Holocaust Issues”, James Bindenagel.

(APA, Red.)

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