Unglaubliche Neuschneerekorde und ungewöhnliche Schneelasten im Jänner

Österreich erreichte im Jänner bereits Neuschneerekorde.
Österreich erreichte im Jänner bereits Neuschneerekorde. ©pixabay.com (Themenbild)
Eine erste Auswertung der ZAMG hat gezeigt, dass es vereinzelt in den letzten 15 Tagen zu Schnee-Rekordmengen gekommen ist. Auch die enormen Schneelasten sind äußerst ungewöhnlich. Die Situation soll sich noch dieses Woche etwas entspannen.

In den letzten 15 Tagen kam es selbst in den schneereichen Regionen Österreichs zu Neuschneerekorden laut einer Auswertung der ZAMG. Vereinzelt gab es sogar neue Rekorde, unter anderem in Seefeld, Hochfilzen, Lofer und Bad Mitterndorf. Ab Dienstag kann sich die Situation entspannen und der Schneefall wird etwas abklingen. Am Mittwoch und Donnerstag kann sich sogar die Sonne blicken lassen.

„Noch liegen nicht alle Daten vor, aber in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und in der Steiermark gibt es auf jeden Fall neue Rekorde”, sagt Michael Winkler von der ZAMG in Innsbruck. „Einige Beispiel für neue Rekordwerte der 15-tägigen Neuschneesumme: Seefeld mit 283 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1895. Abtenau mit 240 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1964. Bad Mitterndorf mit 270 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1971.”

Trotz Entspannung der Wetterlage: Lawinengefahr bleibt aufrecht

Trotz allem warnen die Lawinendienste, dass auch bei einem Rückgang der Lawinengefahr die Situation abseits der gesicherten Pisten sehr heikel bleibt. Beispielsweise kann bei Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) schon die Zusatzbelastung durch einen Schifahrer oder Snowboarder reichen, um eine Lawine auszulösen. Die meisten tödlichen Lawinenunfälle passieren bei Stufe 3, weil die Gefahr oft unterschätzt wird, besonders bei gutem Wetter.

Die statistische Wiederkehrzeit ist für die Rekordorte schwer zu erfassen, liegt aber über 100 Jahre, ähnlich wie für die 451 Zentimeter Neuschneesumme in Hochfilzen. Die Neuschneesumme in Schröcken liegt mit 310 Zentimeter bei einer Jährlichkeit von fünf Jahren, in den beiden Lechtaler Orten Holzgau und Höfen mit 170 Zentimeter Neuschnee bei rund 10 Jahren. In Windischgarsten kommen die gemessenen 148 Zentimeter Neuschnee statistisch gesehen alle fünf bis zehn Jahre vor, die 152 Zentimeter in Bad Ischl alle 20 Jahre. Die statistische Jährlichkeit der 300 Zentimeter Neuschnee in Bad Aussee liegt bei 30 bis 50 Jahre.

Neuschneemengen im Jänner 2019 in Österreich

Ort – Neuschneesumme (1. bis 15. 1.2019) – statistische Wiederkehrzeit – Messungen seit

Schröcken (V) – 310 cm – 5 Jahre – 1926
Holzgau (T) – 170 cm – 10 Jahre – 189
Höfen (T) – 170 cm – 10 Jahre – 1971
Seefeld (T) – 283 cm (Rekord) – größer 100 Jahre – 1895
Kufstein (T) – 168 cm (Rekord) – größer 100 Jahre – 1923
Hochfilzen (T) – 451 cm (Rekord) – größer 100 Jahre – 1971
Lofer (S) – 263 cm (Rekord) – größer 100 Jahre – 1971
Abtenau (S) – 240 cm (Rekord)  -größer 100 Jahre – 1964
Bad Ischl (OÖ) – 152 cm  -20 Jahre – 1971
Windischgarsten (OÖ) – 148 – cm 5 bis 10 Jahre – 1896
Bad Aussee (ST) – 300 cm  -30 bis 50 Jahre – 1971
Bad Mitterndorf (ST) – 270 cm (Rekord) – 100 Jahre – 1971

Grund für Schneemengen: Nordströmung

Der Grund für die großen Schneemengen war die seit Ende Dezember anhaltende Nord- bzw. Nordwestströmung. Sie brachte immer wieder feuchte Luftmassen nach Österreich. An den Alpen wurde die feuchte Luft wie an einer Staumauer aufgehalten und an der Nordseite der Alpen, im sogenannten Nordstau, schneite und regnete es stark.

Die Schneemengen sind auch eine große Belastung für Gebäude. “Wir haben derzeit für Mitte Jänner ungewöhnlich hohe Schneelasten mit 200 bis 300 Kilogramm pro Quadratmeter”, sagt ZAMG-Experte Michael Winkler, „sie liegen in den schneereichen Regionen bei ungefähr 60 bis 90 Prozent der Normlasten. Vereinzelt sind die Normlasten auch schon überschritten, besonders da und dort in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark. Speziell bei Flachdächern und Hallen ist hier Vorsicht geboten.”

Schneelast wird zur Herausforderung für Gebäude

„Erstens: Für die Erhöhung der Schneelast ist es gleich, ob ein Kilogramm Neuschnee auf die bestehende Schneedecke am Dach fällt oder ein Kilogramm Regen. Da Regen meist fast vollständig in der Schneedecke verbleibt. Zweitens: Wenn es nur wärmer wird und kein Niederschlag fällt, erhöht sich die Schneelast nicht. Denn auch wenn sich die Art des Schnees am Dach ändert, bleibt das Gesicht des Schnees am Dach unverändert.”

Mit Jänner 2019 startete das Projekt „Schneelast.Reform”. Das Ziel ist, die Grundlagen der Österreichischen Schneelastnorm zu überarbeiten. Hier fließen unter anderem neueste Messdaten und neue mathematische Methoden ein. Damit kann die regionale Verteilung der Schneelastzonen in Österreich weiter verfeinert werden. Das Projekt „Schneelast.Reform” dauert bis Dezember 2020. Beteiligt sind der Fachverband der Holzindustrie (Projektleitung), der Versicherungsverband Österreich (VVO), der Fertighausverband, die Bundesinnung Holzbau und die ZAMG.

(Red)

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