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Unfall im Urlaub - So komme ich zu meinem Recht

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Mit dem Auto in den Urlaub - Viele Österreicher werden gerade in der Sommerzeit diese Option in Anspruch nehmen. Doch nur sehr wenige machen sich über die mögliche Unfallgefahr Gedanken. Der ÖAMTC bringt nun hilfreiche Tipps, wie man bei einem Unfall im Ausland zu seinem Recht kommt.

Wer mit dem Auto auf Urlaub ins Ausland fährt, investiert meist viel Zeit in die Reiseplanung. Den Gedanken, dass man vielleicht einen Unfall erleiden könnte, verdrängt man gerne. Fremde Sprache, anderes Rechtsverständnis – die Klärung der Sachlage ist nicht immer einfach. All das macht einen Verkehrsunfall im Ausland besonders unangenehm. “Die erste Hürde kann bereits die Verständigung mit den am Unfall beteiligten Personen sein”, sagt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. “Letztendlich ist das richtige Procedere wichtig, damit die Versicherung auch bezahlt.” Die Clubjuristin fasst die wichtigsten Schritte zusammen:

1) Unmittelbar nach dem Unfall gilt wie in Österreich: “Ruhig bleiben, Unfallstelle absichern, wenn nötig Erste Hilfe leisten und die Rettung über die Euro-Notrufnummer 112 verständigen”, erklärt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner.

2) Polizei rufen: Wenn Personen verletzt wurden, muss man die Exekutive grundsätzlich informieren. Bei Sachschäden kann meist auf die Polizei verzichtet werden. Wenn aber Name und Anschrift des Unfallgegners oder die Daten der zuständigen Haftpflichtversicherung nicht “ausgedeutscht” werden können, sollte die Polizei gerufen werden, auch wenn eine Art “Blaulichtsteuer” eingehoben wird. Wichtiger Tipp: Man sollte sich unbedingt eine Kopie des Polizeiprotokolls aushändigen lassen.

3) Unfallbericht ausfüllen: Personalien von Fahrer und Halter des Fahrzeugs sowie Fahrzeug- und Versicherungsdaten müssen direkt am Unfallort geklärt werden. “Um auf keine wichtigen Angaben zu vergessen, ist es ratsam, immer ein Formular des europäischen Unfallberichtes im Fahrzeug zu haben”, sagt die Juristin. Wenn dieser Bericht von beiden Unfallbeteiligten ausgefüllt und unterschrieben wird, hilft das bei der raschen Schadensabwicklung. Den Europäischen Unfallbericht gibt es an den ÖAMTC-Stützpunkten sowie unter www.oeamtc.at/recht zum Download.

4) Wichtig ist außerdem, dass man in der Hektik keine falschen Angaben oder Schuldeingeständnisse unterschreibt. Auch vor der Polizei sollte man nie etwas unterschreiben, das man nicht versteht.

5)Unfallszenario dokumentieren und Beweise sichern: Mit einer Skizze und Fotos von der Unfallstelle sowie Personalien von Zeugen sichert man wichtige Beweise, die im Streitfall hilfreich sein können. Auch Unfallspuren und -schäden beim gegnerischen Auto sind genau festzuhalten. Um Sachverständigen eine spätere Auswertung zu erleichtern, sollten auch Fixpunkte in der Umgebung, wie z.B. Verkehrszeichen oder Kanaldeckel, mit auf dem Bild sein.

6) Bei einem Unfall mit dem Mietwagen sofort die Mietwagenfirma informieren. “Manchmal übernimmt die Mietwagenfirma sogar die Verhandlungen mit dem Unfallgegner”, schildert die Juristin eigene positive Erfahrungen. Auf keinen Fall sollte man das Mietauto auf eigene Faust abschleppen oder reparieren lassen.

7) Liegt das Verschulden nicht eindeutig zur Gänze beim Unfallgegner, muss binnen einer Woche eine Meldung an die eigene Haftpflichtversicherung erstattet werden. “Wer eine Kaskoversicherung hat, kommt rascher zu seinem Geld, auch wenn die Abwicklung über die gegnerische Haftpflichtversicherung nicht befriedigend abläuft”, erklärt die Juristin. “Es macht also durchaus Sinn, für die Reise eine Kaskoversicherung abzuschließen.”

8) Abschließend rät der ÖAMTC zur Vorsicht bei “Unfallhelfern”, die anbieten, das Auto in eine Werkstatt zu schleppen. Diese Angebote haben teilweise kriminelle Hintergründe.

Kommt es am Unfallort zu Problemen, stehen die Juristen des Clubs seinen Mitglieder rund um die Uhr unter der Nummer + 43 (0)1 25 120 00 mit Rat und Tat zur Verfügung.

In der Länderdatenbank (www.oeamtc.at/laenderinfo) findet man für die beliebtesten europäischen Reiseländer konkrete Tipps zur Unfallabwicklung inklusive Übersetzungshilfen zum Download.

 Wenn die Versicherung die Zahlung verweigert: Klage im Heimatland des Opfers möglich
Sprachprobleme bei der Schadenabwicklung sind Vergangenheit: Schadenersatzforderungen gegenüber der Haftpflichtversicherung des ausländischen Unfallgegners können seit einigen Jahren auch in Österreich mit einem österreichischen Schadenregulierer abgewickelt werden. Kommt mit der ausländischen Versicherung keine außergerichtliche Lösung zustande, kann auch die Klage in Österreich eingebracht werden. “Das hat den Vorteil, dass das leidtragende Unfallopfer nicht auch noch die Bürden eines oft langwierigen Verfahrens in einer fremden Sprache am Ort des Unfalls auf sich nehmen muss”, so Pronebner. Der Wermutstropfen: Noch hätte der österreichische Richter das unter Umständen ungünstigere Recht des Unfallortes anzuwenden.

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