"Unbeugsam" - Heldenepos mit Daniel Craig

Erst Geheimagent im Auftrag Ihrer Majestät, nun polnischer Partisanenkämpfer im Zweiten Weltkrieg im Sinne der Menschlichkeit. Daniel Craig bleibt unerschrockener, stahlharter Held. Bilder | Trailer | Wann und wo im Kino

 In Edward Zwicks (“Blood Diamond”, “Legenden der Leidenschaft”) neuestem Film “Unbeugsam – Defiance” mimt der James-Bond-Darsteller den polnischen Juden Tuvia Bielski, der in den Jahren 1941/42 in Osteuropa unfreiwillig zum Retter von etwa 1.200 Juden wurde – und damit zum Helden avancierte. Die heroische Überzeichnung der Figur Tuvia ist es denn auch, die dem ansonsten sehr eindrucksvollen Film den Anstrich eines Action- Streifens gibt (ab 19. Juni in den österreichischen Kinos).

Unbeugsam – Defiance” beginnt mit dem Schriftzug “Eine wahre Geschichte” und einigen Originalaufnahme von Anfang der 1940er Jahre in Polen – und das ist es, was den Film so beklemmend macht, denn in den folgenden knapp 140 Minuten lässt den Zuschauer das Gefühl nicht mehr los, Zeuge einer bisher wenig bekannten und umso erschreckenderen Geschichte zu werden – auch wenn Historiker einige Ungenauigkeiten in dem Film ausgemacht haben.

Die Eltern der Bielski-Brüder werden von polnischen Polizisten auf Geheiß der Deutschen ermordet. Die vier Brüder – Tuvia (Craig), Zus (Liev Schreiber), Asael (Jamie Bell) und der kleine Aaron (George MacKay) – entkommen den mordenden Polizisten, flüchten in die Wälder und schwören Rache. Und tatsächlich erschießt Tuvia den für den Tod seiner Eltern verantwortlichen Polizisten. Frieden finden er und seine Brüder allerdings nicht. Stattdessen werden sie immer wieder selbst – meist im Kampf ums Überleben – zu rücksichtslosen Mördern und Dieben. Da haben sich längst zahlreiche flüchtende Juden jeglicher Schichten den vier Brüdern angeschlossen.

Nach und nach entsteht in dem Lager eine eigene Gemeinschaft mit festen Regeln, Hierarchien, einer Schule, Synagoge, einem Krankenhaus und einem Gericht. Ihr Anführer ist, wie sollte es anders sein, Tuvia. Der hat längst erkannt, dass ihre “Rache es ist, dass wir überhaupt am Leben sind”. “Wir werden zwar wie Tiere gejagt, aber sie werden aus uns keine Tiere machen”, proklamiert er. Ebenso wie er die Regel ausgibt, dass keine Kinder in dem Partisanenlager geboren werden dürfen – auch wenn er selbst eine Liebschaft hat und sogar Hochzeiten gefeiert werden.

Zu der Zeit ist die alte Rivalität zwischen Tuvia und seinem Bruder Zus eskaliert. Zus beschließt, das Lager und seine Brüder zu verlassen, und schließt sich sowjetischen Partisanen an – um später ebenfalls zum Retter zu werden. Die beiden Gruppen schließen die Vereinbarung, dass die sowjetischen Partisanen die Juden beschützen und diese im Gegenzug die Sowjets mit Gütern beliefern, die sie oft selbst durch Gräueltaten erbeuten.

Immer wieder wird das jüdische Lager von den Deutschen oder Polen aufgespürt. Sehr geschickt stellt Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Zwick eine scheinbar heile, funktionierende Gemeinschaft, dem ewigen Hunger, der Kälte, internen Machtkämpfen und der ständigen Flucht gegenüber. Irgendwann werden die Juden von den Deutschen aus der Luft angegriffen, eine schier hoffnungslos erscheinende und finale Flucht durch ein Moor beginnt.

Gerade in den Schlussszenen bedient sich Zwick allzu vieler Ballerszenen. Auch wenn sich solche Gemetzel abgespielt haben mögen, setzen sie doch in diesem Film einen unpassenden Schlusspunkt. Die eingeblendeten Fotos der vier Bielski-Brüder und Stichpunkte zu ihrem Leben können diesen Eindruck kaum noch schmälern. Nichtsdestotrotz lässt sich “Unbeugsam” in einer Reihe mit “Schindlers Liste” sehen – auch wenn die Inszenierung dieser wahren Geschichte über die Rettung Hunderter von Juden und dem Sieg der Menschlichkeit über den Wahnsinn des Nazi-Regimes nicht immer gelungen ist.

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