Ukrainer und Russen in Österreich: Oligarchen und Bürger gegen Krieg aktiv

Wegen eines gegen ihn laufenden Prozesses in einer Schmiergeld-Causa hält sich der ukrainische Oligarch Dimitry Firtasch in Österreich auf - möchte aber nun in die Ukraine zurückkehren
Wegen eines gegen ihn laufenden Prozesses in einer Schmiergeld-Causa hält sich der ukrainische Oligarch Dimitry Firtasch in Österreich auf - möchte aber nun in die Ukraine zurückkehren ©APA/EPA/INNA SIKOLOVSKAYA
Laut Statistik Austria leben in Österreich 12.668 Ukrainer und 33.895 Russen (Stand Mitte Februar 2022). Darunter sind auch vereinzelte Vertreter der russischen und ukrainischen Geschäftseliten, die sich nun engagieren wollen.

Diese wohnen in Österreich wohnen oder besuchen das Land regelmäßig. Sowohl öffentlich als auch hinter den Kulissen haben sich manche von ihnen auch gegen den Krieg des Kreml gegen die Ukraine positioniert und setzen diesbezüglich Aktivitäten.

Jüngere Menschen aus Russland und der Ukraine kamen nach Österreich

Abgesehen von tausenden Flüchtlingen aus Tschetschenien, die zu einem Teil weiterhin als russische Staatsbürger gelten, zog Österreich in den letzten 20 Jahren vor allem jüngere Menschen aus Russland und der Ukraine an. Während es diesen jungen Russinnen und Russen aus vielen Regionen kommen, dominieren bei den jungen Ukrainerinnen und Ukrainern vor allem Menschen aus der Westukraine, die nun auch maßgeblich den friedlichen Protest auf Österreichs Straßen dominieren.

Österreich als Ort für Erholung oder Behandlung

Für Reiche und Superreiche aus der Region war Österreich indes vor allem ein Ort, an man dem sich gerne erholte oder auch medizinisch behandeln ließ. So sie ganz nach Österreich übersiedelten, vermieden die meisten von ihnen erfolgreich mediale Präsenz und hielten sich diskret im Hintergrund auf, ohne große wirtschaftliche Interessen in Österreich selbst zu verfolgen. Eine wenige gründeten Holding-Gesellschaften, über die sie in Österreich Beteiligungen in ihrer Heimat hielten.

Oligarch Dmytro Firtasch will sich für Ukraine engagieren

Eine dieser Personen ist der ukrainische Oligarch Dmytro Firtasch, der sich nun direkt in seinem Heimatland engagieren will. Er habe die österreichischen Behörden gebeten, ihn temporär in die Ukraine zurückkehren zu lassen, um dort in Zeiten der Krise zu helfen, teilte Firtaschs US-amerikanischer Anwalt Lanny mit. Beim Landesgericht Wien, das angesichts eines US-Auslieferungsbegehrens eine derartige Entscheidung treffen müsste, lag am Mittwochnachmittag noch kein diesbezüglicher Antrag vor, informierte eine Gerichtssprecherin.

Seit die USA 2014 seine Auslieferung von Österreich begehren, hält sich Firtasch zwangsweise in Österreich auf. Die Causa steht im Zusammenhang mit angeblichen Schmiergeldzahlungen bei einem nie realisierten Titangeschäft in Indien. Nachdem die Auslieferung im Sommer 2019 durch den Obersten Gerichtshof (OGH) für zulässig erklärt worden war und auch der damalige Justizminister Clemens Jabloner die erforderliche Zustimmung erteilt hatte, verhinderte ein Wiederaufnahmeantrag von Firtaschs Verteidigern beim Landesgericht (LG) Wien vorerst die drohende Überstellung des Ukrainers in die USA.

Oleg Deripaska kritisierte den Kreml

Involviert hat sich auch Oleg Deripaska, den mit Österreich nicht nur eine 28 Prozent Beteiligung am Baukonzerns Strabag verbinden. 2018 ließ er auch in Niederösterreich eine russisch-orthodoxe Kirche bauen, um an seinen Großvater zu erinnern, der im Zweiten Weltkrieg bei der Befreiung Österreichs gefallen war. Der russische Milliardär übte am Montag gemeinsam mit anderen russischen Oligarchen Kritik am Vorgehen des Kreml in der Ukraine. Deripaska forderte angesichts der gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen ein Ende des "Staatskapitalismus" in Russland. "Das ist eine echte Krise, und wir brauchen echte Krisenmanager", erklärte der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal auf Telegram. "Wir müssen unbedingt die Wirtschaftspolitik ändern und diesen ganzen Staatskapitalismus beenden."

Deripaska fordert Kriegsende in der Ukraine

Der kremlnahe und vom Westen mit Sanktionen belegte russische Oligarch Oleg Deripaska hat zu einem Kriegsende in der Ukraine aufgerufen. "Frieden ist sehr wichtig!", schrieb der Multimilliardär am Donnerstag in seinem Nachrichtenkanal auf Telegram. Es sei verrückt, die Verhandlungen für einen Frieden weiter hinauszuzögern. Der für seinen guten Draht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannte Unternehmer warnte zugleich vor einer atomaren Gefahr aus der Ukraine.

"Die Ukraine ist schon lange eine Atommacht", sagte Deripaska. Das Land habe auf seinem Gebiet neben dem 1986 havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl noch 15 atomare Blöcke und 3 Lager für Brennstäbe, sagte er. Er warnte vor großen Gefahren für Russland, die Ukraine und Europa, sollte es dort zu einem atomaren Zwischenfall kommen. Damit wäre die Region für die nächsten 200 Jahre verdammt, sagte Deripaska.

Putin sieht Ukraine als akute Gefahr für Moskau

Putin hatte seine militärische "Spezial-Operation", wie er den Krieg in der Ukraine nennt, am Donnerstag vergangener Woche begonnen. Er hatte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj u.a. vorgeworfen, nach Atomwaffen zu streben. Die Ukraine, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Atomwaffen abgegeben hatte, habe die Technik und das Fachwissen, um nukleare Waffen zu schaffen, warnte Putin die Weltgemeinschaft.

Das von "russlandfeindlichen Nationalisten" geführte Land sei damit eine akute Gefahr für Moskau, sagte Putin. Der Kreml-Chef hatte den Beginn der Militäroperation auch damit begründet, das atomare Risiko zu beseitigen. Der Krieg in der Ukraine soll nach russischen Angaben weiterlaufen, bis die militärische Infrastruktur völlig zerstört ist. Moskau spricht von einer "Entmilitarisierung" der Ex-Sowjetrepublik. Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte Putin zuletzt einen neutralen Status des Landes angeboten.

EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen

Die EU hatte sich Ende der vergangenen Woche auf Sanktionen gegen russische Oligarchen geeinigt. Die Strafmaßnahmen sollen vor allem ermöglichen, deren in der EU vorhandenen Vermögenswerte einzufrieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, der Luftraum der Europäischen Union werde für jedes russische Flugzeug gesperrt sein, auch für die Privatjets von Oligarchen. Zudem wird insbesondere wohlhabenden Russen die Möglichkeit genommen, sich und ihren Familienangehörigen eine europäische Staatsbürgerschaft zu verschaffen.

Bereits auf einer früheren Sanktionsliste vom vergangenen Mittwoch fand sich Igor Schuwalow, ehemals Vizepremier und nun Chef des ebenso sanktionierten Finanzentwicklers Veb.rf. Schuwalow und seine Gattin Olga verfügen nach Medienberichten über einen Wohnsitz in Burgau am Attersee, ein von der Familie verwendeter Privatjet pendelte häufig zwischen Moskau und Salzburg. Auch am Tag vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine flog der Gulfstream G650 nach Salzburg, um in der Nacht auf Donnerstag wieder nach Moskau zurückzukehren. Ob der Sanktionierte selbst an Board war, ist unbekannt.

(APA/Red)

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