Ukraine: Schwere Kämpfe und russische Verluste

Trotz großer russischer Verluste beleibt der Osten der Ukraine schwer umkämpft.
Trotz großer russischer Verluste beleibt der Osten der Ukraine schwer umkämpft. ©REUTERS/Vladyslav Musiienko
Weiterhin werden in der Ukraine schwere Kämpfe aus dem Osten des Landes gemeldet.
Russland stellt Stromlieferungen nach Finnland ein
Asow-Stahlwerk in Mariupol weiter unter Beschuss

Bei einer missglückten Flussüberquerung sollen die Russen große Verluste erlitten haben. Unter dem Eindruck der anhaltenden Kämpfe tritt der Krieg nach Einschätzung Kiews in eine "neue, lange Phase". Dem Land stünden "extrem harte Wochen" bevor, in denen es einem "erzürnten Aggressor" weitgehend allein gegenüber stehe, erklärte Verteidigungsminister Olexii Resnikow auf Facebook.

Schwere Kämpfe und russische Verluste in der Ostukraine

Vor allem im Osten des Landes setzen die russische Truppen ihre intensiven Kämpfe gegen die ukrainischen Streitkräfte fort - ohne jedoch nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Die ukrainischen Soldaten hätten russische Versuche zurückgeschlagen, einen Fluss zu überqueren und die Stadt Sewerodonezk einzukesseln, teilte der Gouverneur der östlichen Region Lugansk, Serhij Gajdaj, am Samstag mit.

An Grenze zur Region Donezk wird derzeit heftig gekämpft

"An der Grenze zur Region Donezk, auf der Seite der Stadt Popasna, wird derzeit heftig gekämpft", erklärte Gajdaj. Nach Angaben des Gouverneurs erlitten die russischen Truppen schwere Verlusten an Soldaten und Ausrüstung. Aus abgehörten Telefongesprächen habe die ukrainische Seite erfahren, "dass ein ganzes russisches Bataillon sich geweigert hat, anzugreifen, weil sie gesehen haben, was passiert". Luftaufnahmen zeigten Dutzende von zerstörten Panzerfahrzeugen am Flussufer sowie zerstörte Pontonbrücken.

Russische Truppen hätten laut Ukraine schwere Verluste erlitten

Die russischen Truppen hätten schwere Verluste erlitten, nachdem die ukrainischen Streitkräfte ihren Versuch der Überquerung des Flusses zurückgeschlagen hätten, teilte auch das britische Verteidigungsministerium mit. "Flussüberquerungen in einem umkämpften Gebiet sind ein höchst riskantes Manöver und sprechen für den Druck, unter dem die russischen Befehlshaber stehen, ihre Operationen in der Ostukraine voranzubringen", hieß es. Das Ministerium fügte hinzu, dass die russischen Streitkräfte "trotz der Konzentration ihrer Kräfte in diesem Gebiet keine nennenswerten Fortschritte gemacht haben".

Rückzug russischer Truppena aus Charkiw

Derweil gelang es der Ukraine nach eigenen Angaben, die russischen Truppen aus der nördlichen Stadt Charkiw zu vertreiben - die für Moskau ein vorrangiges Ziel gewesen war. In der Region Charkiw "konzentrieren sich die Bemühungen des Feindes vor allem darauf, den Rückzug seiner Einheiten aus der Stadt Charkiw sicherzustellen", sagte ein Sprecher des ukrainischen Generalstabs. "Die schrittweise Befreiung der Region Charkiw beweist, dass wir dem Feind niemanden überlassen werden", hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache schon am Freitag gesagt.

Angriffe aus der Luft und am Boden auf Asow-Stahlwerk in Mariupol

Angriffe aus der Luft und am Boden gab es am Samstag auch erneut auf das Asow-Stahlwerk, teilte der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko auf Telegram mit. Er veröffentliche dazu ein Video, das Luftaufnahmen des Stahlwerks unter russischem Beschuss zeigen soll. Woher und von wann die Aufnahmen stammen, kann unabhängig nicht überprüft werden.

Andrjuschtschenko: "Die Grausamkeit des Feindes nimmt zu"

"Die Grausamkeit des Feindes nimmt zu", meinte Andrjuschtschenko. Es würden nicht nur die Verteidiger von Mariupol selbst angegriffen, sondern auch ihre Familien. "Gestern haben die Besatzer in den sozialen Netzwerken die persönlichen Kontakte (Telefon, Profile) der Ehepartner ausfindig gemacht", sagte Andrjuschtschenko.

Die ukrainische Regierung hatte zuletzt erklärt, alles dafür zu tun, um die Verteidiger von Mariupol über Verhandlungen mit Russland aus der Industriezone herauszuholen. Das sei schwierig, hieß es. Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk teilte am Samstag mit, es gehe aktuell um Verhandlungen für 60 Menschen, darunter verletzte Kämpfer und medizinisches Personal. "Dort sind einige Hundert Verletzte, sie müssen zuerst gerettet werden, weil die Russen für alle auf einmal keine Zustimmung erteilen", sagte sie.

Spekulation um zahl getöteter russilscher Soldaten

Weiterhin nur Spekulationen gibt es über die Anzahl getöteter russischer Soldaten. Der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine sprach am Samstag von rund 27.200 toten russischen Soldaten. Zwischen dem 24. Februar und dem 14. Mai habe der Feind außerdem u.a. 1.218 Panzer, 2.934 gepanzerte Kampffahrzeuge, 200 Flugzeuge, 163 Hubschrauber, 2.059 Kraftfahrzeuge und Tankwagen und 13 Schiffe/Boote verloren.

Jüngste Aufnahmen von Reuters-TV am Stadtrand von Kiew werfen ein Schlaglicht auf die Verluste: Auf einem Bahnhofsgelände wurden dort Hunderte Leichen russischer Soldaten in gekühlte Zugwaggons geladen. Darin sollen sie aufbewahrt werden, bis sie nach Russland zu ihren Angehörigen gebracht werden können, sagte der zivil-militärische Chef-Verbindungsoffizier Wolodomyr Ljamsin. Die meisten Leichen seien aus dem Großraum Kiew, einige aus Tschernihiw und anderen Regionen. Auch in anderen Gebieten der Ukraine gebe es solche Waggons, sagte Ljamsin.

Russland hält Militärmanöver um Ostsee-Enklave Kaliningrad ab

Zwei Tage nach der Ankündigung Finnlands, der NATO beitreten zu wollen, hat Russland ein Militärmanöver rund um die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad abgehalten. Dabei seien SU-27-Kampfjets zum Einsatz gekommen, berichtet die Agentur Interfax unter Berufung auf die russische Ostsee-Flotte. Sie hätten bei einem simulierten Luftangriff auf Kaliningrad Flugzeuge der Angreifer zerstört. Kaliningrad liegt an der Ostsee zwischen Polen und Litauen.

Russlands Nachbarland Finnland hat seinen Wunsch zum NATO-Beitritt am Donnerstag offiziell bekundet. Es wird erwartet, dass Schweden dem Beispiel in Kürze folgt. In der Vergangenheit hatte Russland für diesen Fall bereits vor "ernsten Konsequenzen" gewarnt und mit der Stationierung von Atomwaffen in der russischen Exklave Kaliningrad gedroht.

Finnland bekundete Wunsch zum NATO-Beitritt öffiziell

Kanada setzt sich jedenfalls für einen raschen NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens ein. "Wir glauben fest daran, dass Schweden und Finnland der NATO beitreten sollten", sagt Außenministerin Melanie Jolie beim Treffen der G7-Ressortchefs im schleswig-holsteinischen Weißenhaus. Dazu müsse ein Konsens hergestellt werden, sagt Jolie mit Blick auf Vorbehalte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Russland hält einen NATO-Beitritt der beiden Länder hingegen für ungerechtfertigt.

Auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte am Samstag nach dem G7-Treffen, sie würde den Beitritt Finnlands und Schwedens "sehr, sehr unterstützen". Sie äußerte sich irritiert über den Widerstand des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eigentlich sollte jedes demokratische Land darüber erfreut sein, dass Demokratien mit starken Verteidigungsfähigkeiten das gemeinsame Bündnis stärker machen würden. Um den möglichen NATO-Beitritt der beiden nordischen Länder sollte es ab dem späten Samstagnachmittag bei einem Treffen der Außenminister der NATO-Staaten in Berlin gehe

Russland sieht keinen Grund für NATO-Beitritt Finnlands

Aus Sicht des russischen Vize-Außenministers Alexander Gruschko gibt es hingegen keinen echten Grund, für den NATO-Beitritt der beiden Länder, so die Nachrichtenagentur RIA. Die Regierung in Moskau habe mit Blick auf die beiden skandinavischen Länder keine feindseligen Absichten. Sie werde aber Vorsichtsmaßnahmen treffen, sollte die NATO Atomstreitkräfte näher an die russische Grenze verlegen.

Es sei noch zu früh, über eine mögliche Stationierung von Atomwaffen zu sprechen, sagte Gruschko der Agentur Interfax zufolge. Die mögliche Aufnahme der beiden Staaten in die NATO bedeute zwar "strategische Veränderungen" in der Region. Aber Russland werde darauf nicht emotional, sondern gemäß "einer gründlichen Analyse" des neuen Kräfteverhältnisses reagieren.

(APA/Red)

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