Ukraine: 14 Fluchtwege aus Städten geplant

Ukraine-Krieg: 14 Fluchtwege für Zivilisten aus Städten geplant.
Ukraine-Krieg: 14 Fluchtwege für Zivilisten aus Städten geplant. ©REUTERS/Gleb Garanich
Zur Rettung von Zivilisten aus umkämpften ukrainischen Städten sind nach Angaben aus Kiew am Sonntag erneut 14 Fluchtkorridore geplant.

Erneut werde ein Konvoi mit mehreren Tonnen Hilfsgütern versuchen, die belagerte Hafenstadt Mariupol zu erreichen, sagte die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Sonntag.

Dazu gehörten auch leere Busse, die auf dem Rückweg Einwohnerinnen und Einwohner aus der stark zerstörten Stadt nach Saporischschja transportieren sollten. Der Konvoi sollte von Geistlichen begleitet werden.

Mariupol: Bisher alle Versuche für Fluchtkorridore gescheitert

Bisher sind alle Versuche gescheitert, einen Fluchtkorridor für Mariupol einzurichten. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Auch die Siedlung Polohy zwischen Mariupol und Saporischschja sollte evakuiert werden, ebenso mehrere Orte im Westen, Norden und Nordosten der Hauptstadt Kiew sowie im ostukrainischen Gebiet Luhansk.

Türkei bittet Moskau um Hilfe bei Evakuierung aus Mariupol

Die türkische Regierung hat Russland um Hilfe bei der Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der von russischen Truppen belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol gebeten. "Wir haben Busse in die Region geschickt, aber diese kommen nicht in die Stadt", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Sonntag. Deshalb habe Ankara am Samstag in einem Telefonat mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow um Unterstützung gebeten.

Das ukrainische Außenministerium hatte der russischen Armee am Samstag einen Angriff auf die Moschee von Mariupol vorgeworfen, in der rund 80 Zivilisten Zuflucht gefunden hätten, darunter auch mehrere türkische Staatsbürger. Nach den Worten des türkischen Außenministers hat der Imam der Moschee den Beschuss nicht bestätigt. Dieser habe berichtet, dass Raketen das Stadtgebiet getroffen hätten, in dem auch die Moschee liege.

"Wir haben diese Informationen mit Russland geteilt", sagte Cavusoglu. Er räumte ein, dass die türkischen Behörden nach dem "Zusammenbruch der Infrastruktur" den Kontakt zu ihren Staatsbürgern in Mariupol "verloren" hätten. Die Türkei unterstütze "die territoriale Integrität der Ukraine", aber sie müsse aus "humanitären Gründen mit beiden Seiten zusammenarbeiten", fügte er hinzu.

Moschee bei Angriffen am Samstag nicht getroffen

Ein Vertreter der türkischen Gemeinde von Mariupol hatte bereits am Samstag berichtet, dass die Moschee bei den Angriffen nicht getroffen worden sei. Seinen Angaben zufolge befinden sich 30 türkische Zivilisten in dem Gebäude, darunter auch Kinder. Insgesamt sitzen demnach noch 86 türkische Staatsbürger in der seit rund zwei Wochen eingekesselten Stadt fest.

Das türkische Konsulat in Odessa hatte am Montag alle Staatsangehörigen in Mariupol aufgerufen, bis zu ihrer Evakuierung Schutz in der Moschee zu suchen.

Behörden: Neun Tote bei Angriffen auf Großstadt Mykolajiw

Bei russischen Angriffen auf die südukrainische Großstadt Mykolajiw sind nach Behördenangaben mehrere Menschen getötet worden. "Neun Menschen starben infolge der Bombardierung durch die Arschlöcher", schrieb der Gouverneur des Gebiets Mykolajiw, Witalij Kim, am Sonntag im Nachrichtendienst Telegram. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen. Die Stadt mit knapp 500.000 Einwohnern ist seit Tagen heftig umkämpft.

Wenn russische Truppen es schaffen, Mykolajiw zu umgehen oder einzunehmen, stünde ihnen der Landweg in die wichtige südwestukrainische Hafenstadt Odessa offen.

Verletzte in ukrainischem Kloster nach Luftangriff

Bei einem Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Swjatohirsk sind in einem Kloster, in dem sich aktuell rund 500 Geflüchtete aufhalten, mehrere Menschen verletzt worden. Wie das Himmelfahrtskloster in der Nacht auf Sonntag weiter auf seiner Website laut Kathpress mitteilte, explodierte eine Fliegerbombe am Samstag gegen 22 Uhr Ortszeit in der Nähe des Klostereingangs, etwa 50 Meter neben der Brücke über den Fluss Siwerskyj Donez.

KDie Druckwelle habe viele Fenster und Türen der bedeutenden Abtei der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zerstört. Einige der Verwundeten wurden den Angaben zufolge ins Krankenhaus von Swjatohirsk gebracht, andere im Kloster behandelt. Das Kloster beherbergt demnach 520 Geflüchtete, darunter 200 Kinder. Das Kloster sprach von einem "Luftangriff auf das Swjatohirska Lawra". In der Stadt gebe es keine Militäreinheiten. "Der Schlag wurde einer friedlichen Stadt zugefügt", hieß es.

Ukrainische Medien sprachen von einer russischen Attacke. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Swjatohirsk liegt in der Region Donezk und steht unter der Kontrolle Kiews.

Das imposante Kloster an einem bewaldeten Hügel am Stadtrand trägt den Ehrentitel "Lawra", wie insgesamt nur drei Klöster in der Ukraine. Lediglich zwei weitere in Russland haben diesen Titel. Das Himmelfahrtskloster von Swjatohirsk wurde erstmals 1526 erwähnt. Es ist damit eines der ältesten des Moskauer Patriarchats überhaupt.

Behörden: Erneut Bürgermeister von Russen verschleppt

In der Südukraine ist nach Behördenangaben erneut ein Bürgermeister von russischen Truppen verschleppt worden. "Kriegsverbrechen werden immer systematischer", schrieb der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, Olexander Staruch, am Sonntag bei Facebook. "Der Bürgermeister von Dniprorudne, Jewhenij Matwjejew, wurde entführt." Dniprorudne ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohner am Fluss Dnipro, der an dieser Stelle zum Kachowkaer Stausee gestaut ist.

Zuvor hatte Kiew bereits mitgeteilt, dass der Bürgermeister der Stadt Melitopol verschleppt wurde. An seiner Stelle setzten die russischen Truppen eine moskauhörige Politikerin als Statthalterin ein. Beobachter schließen nicht aus, dass Russland unter dem Vorwand einer "Entnazifizierung" der Ukraine auch in anderen eroberten Gebieten die Verwaltung auswechselt. Der Kreml behauptet, in Kiew hätten "Nazis" das Sagen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat jüdische Wurzeln.

(APA/Red)

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