U-Bahn-Polizei für Wien?

Wiener FPÖ fordert eine U-Bahn-Polizei - Bediensteten der Wiener Linien haben "Angst, in den Dienst zu gehen" - außerdem sollen die Kompetenzen der Stationsaufsicht erweitert werden.

Der Verkehrssprecher der Wiener FPÖ, Herbert Madejski, hat am Freitag in einer Pressekonferenz eine U-Bahn-Polizei für die Hauptstadt gefordert. Die sei notwendig, denn die Bediensteten der Wiener Linien hätten „Angst, in den Dienst zu gehen“, so der freiheitliche Betriebsrat Wolfgang Reinold. Aber auch die Fahrgäste seien immer mehr Belästigungen ausgesetzt. Gemeinsame Kritik gab es an den neuen Arbeitsbedingungen.


Madejski habe „durchaus Sympathie“ für die Wiener Linien – doch dem Steuerzahler werde „Sand in die Augen gestreut“, was die Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln betreffe. Eine U-Bahn-Polizei, etwa aus dem Personalstand der Wiener Linien, könne die Sicherheit für Fahrgäste, das fahrende Personal und die Stationsaufsicht erhöhen.

Mehr Kompetenzen für Stationsaufsicht


Weiters müssten die Stationsaufsichtsorgane mehr Kompetenzen – etwa Anhalterechte und Pfeffersprays – erhalten. Es sei die „verdammte Pflicht“ der Wiener Linien, „weitaus mehr für die Sicherheit“ zu machen, als es aktuell der Fall sei, hieß es weiter.


In der ersten Oktoberwoche, so die Angaben der FPÖ, wurden acht tätliche Angriffe – teilweise mit Verletzungsfolgen – in den Öffis gemeldet. In den vergangenen „zweieinhalb bis drei Jahren“ habe es “30, 40, 50 Übergriffe“ auf Bedienstete der Wiener Linien gegeben, sagte Reinold – etwa 20 bis 30 davon mit „massiven Verletzungen“.


Die Zahlen seien deswegen so vage, weil die Wiener Linien eine Statistik der Übergriffe zurückhalten würden, kritisierte der Betriebsrat. Die Haupttäter kämen vor allem aus dem Drogenmilieu bzw. seien „Bettlerbanden aus dem Osten“ und würden auch die Fahrgäste belästigen. Eine Verschärfung sei im Übrigen das „träge Alarmsystem“. Es könne vorkommen, dass bis zu 45 Minuten vergehen, ehe Polizei oder Rettung zu Hilfe kommen.

Bedenken zur neuen Dienstvorschrift


Aber auch die neue Dienst- und Betriebsvorschrift bereitet Reinold Kopfzerbrechen. Nach der neuen Regelung, die am 6. September in Kraft getreten ist, müssen Fahrer bis zu vier Stunden ohne Unterbrechung unterwegs sein – früher nur drei Stunden. In dieser Zeit könne das Personal nicht einmal essen oder trinken, so Reinold. Als „Belohnung“ gebe es obendrein Gehaltskürzungen von bis zu 70 Euro. Reinold sieht all dies als „modernes Sklaventum“.


In einer ersten Reaktion der Wiener Linien hieß es, dass man in Sachen Sicherheit kein Problem sehe. „Es kommt vor. Genauso wie Postenboten eine auf den Kopf bekommen können“, so Pressesprecher Johann Ehrengruber gegenüber der APA.

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