"Tyrannenkinder": Erziehungstipps in Buchform

Wie sollen Eltern mit "Tyrannenkindern" umgehen?
Wie sollen Eltern mit "Tyrannenkindern" umgehen? ©pixabay.com (Symbolbild)
Was es braucht, um aus "Tyrannenkindern" fähige Erwachsene zu machen, ist Thema des neuen Buchs von Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger.

Sie sind aggressiv, chillbewusst, leistungsverweigernd, essgestört, Objekte ungeteilter Aufmerksamkeit und Hingabe ihrer Eltern. Bei Gleichaltrigen ecken solche “Tyrannenkinder” früh an und auch mit Mutter und Vater kommt es irgendwann zum Zerwürfnis.

Grenzen in der Kindererziehung

“Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan” ist der Titel des Buchs, in dem die Ärztin, Psychotherapeutin und vierfache Mutter der Vorstellung eine Absage erteilt, dass die Rolle “moderner” Eltern als großzügige Steigbügelhalter und Bewunderer ihrer Kinder eine zielführende ist. Denn sobald der Nachwuchs sich außerhalb des familiären Kokons umtut, schlägt er in der Realität des Alltags auf. Dort gibt es plötzlich Grenzen, es bedarf sozialer Fähigkeiten wie Rücksichtnahme auf andere Menschen und Anpassung – was diese Kinder nie gelernt haben. Mit den für sie neuen Anforderungen können sie nicht umgehen, ihr Benehmen verstört und macht sie unbeliebt, lautet die Diagnose der Autorin.

Kinder brauchen Grenzen. Das stellt Leibovici-Mühlberger klar. Diese Grenzen dürfen nicht einengen, sondern sind dort zu ziehen, wo sie dem Kind als Orientierung dienen und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Davon profitieren auch die Eltern. Denn anstatt sich im Alltag mit einem problematischen Kind bis zur Erschöpfung zu verausgaben, bleibt ihnen Zeit und Raum für sich selbst. Grenzziehung geht Hand in Hand mit Autorität. Sie definiert sich nicht über Drill, sondern durch besondere Erkenntnisse und Erfahrung. Aber auch das allein ist nicht genug. “Wirkliche Autorität beweist sich durch Konstanz und Zuverlässigkeit und vor allem auch durch Integrität”, schreibt die Erziehungsberaterin. Das Modell Kinder und Eltern als “beste Freunde” funktionierte hingegen nicht.

“Tyrannenkinder”: Erziehungstipps

Eltern von “Tyrannenkindern” sind in der Regel nicht freiwillig oder bewusst in diese Rolle geschlüpft. Manchmal sind sie ihrerseits Produkt einer Erziehung, in der manches nicht ideal gelaufen ist, und schießen in ihrem Bemühen, ihrem Nachwuchs selbst Erfahrenes zu ersparen, über das Ziel hinaus, heißt es in dem Buch. Oder sie sind durch Probleme in Ehe oder finanzieller Natur überlastet. “Wenn Kinder auffällig werden, arbeite ich am meisten mit ihren Eltern”, schreibt Leibovici-Mühlberger.

Auffallend an “Tyrannenkindern” ist nach den Erfahrungen der Therapeutin deren Sensibilität, möglicherweise besonders entwickelt aufgrund der eigenen Erfahrungen. “Immerhin müssen sie ja aufgrund des erfahrenen Mangels an Leitung und des entsprechenden Auf-sich-selber-zurückgeworfen-Seins einen enormen Antennenwald für ihre Umgebung in Betrieb nehmen, um sich zumindest rudimentär in der Verwirrung zurechtzufinden, in die sie sich geworfen finden”, erklärt Leibovici-Mühlberger. Diese Fähigkeit und die Erfahrung der Ausgrenzung sind es auch, die “Tyrannenkinder” zu besonderen jungen Menschen machen können. “Viele von ihnen bestechen durch besonderes Bewusstsein und Engagement zu Fragen von Ökologie, Verteilungsgerechtigkeit, Zukunftsgestaltung, Humanismus und Werten”, resümiert die Psychotherapeutin.

(APA/Red)

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