Turnusärzte fordern bessere Ausbildung

Ohne eine Verbesserung der praktischen Ausbildung der promovierten Ärzte in den Spitälern könnte in Zukunft leicht die Qualität der medizinischen Versorgung in Gefahr kommen.

Bei einem „Turnusärztegipfel“ der Österreichischen Ärztekammer am Samstag in Wien wurden zahlreiche Reformvorschläge formuliert. Auch Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) gestand Defizite ein.

Kammerpräsident Reiner Brettenthaler bezeichnete die derzeitige Situation der Ärzte in Spitalsausbildung als „vollkommen inakzeptabel“. Der Standesvertreter: „Welcher private Betrieb könnte es sich leisten, mit Akademikern so umzugehen, wie es in vielen Spitälern passiert. Nämlich junge Akademiker als Sekretärinnen und als Hilfskräfte einzusetzen.“

In Österreich befinden sich rund 6.500 Ärzte in Turnusausbildung, etwa 5.000 in der Spitalsausbildung für die Allgemeinmedizin. Turnusärztevertreter Miroslav Lenhardt: “45 Prozent der Tätigkeiten sind nicht ärztliche Tätigkeiten. Nur 40 Prozent der Turnusärzte haben die Möglichkeit an Visiten teilzunehmen. 52 Prozent haben zu wenig Zeit für Ausbildung. Drei Viertel üben Tätigkeiten aus, die nicht der Diagnostik Führung und Behandlung von Patienten dienen.“

Gesundheitsministerin Rauch-Kallat äußerte Verständnis für die Kritik: „Leider gelten Turnusärztinnen und Turnusärzte in der Krankenhaushierarchie oft als letztes Glied der Kette. Mit der Emanzipation der Pflege haben viele Turnusärzte auch Tätigkeiten aus diesem Bereich übernommen. Gleichzeitig kam es durch Einführung des LKF-Systems für die Turnusärzte zu einem vermehrten Aufwand an Dokumentation.“ Damit sind sehr oft jetzt die Turnusärzte beschäftigt.

Die Hauptforderungen, die bei der Veranstaltung mit rund 200 Teilnehmern schließlich formuliert wurden:

– Aufnahme des Tätigkeitsprofils für Turnusärzte in die Krankenanstaltenordnungen.
– Verpflichtende Absolvierung eines Teil des Turnus auch in Ordinationen niedergelassener Ärzte.
– Förderung dieser Lehrpraxen.
– Einführung eines Tutorensystems in den Spitälern sowie Bestellung eines Ausbildungskoordinators je Spitalsträger.
– Flexiblere Arbeitszeiten.
– Schaffung eigener Dienstposten für die Dokumentation (EDV, LKF etc.) an den Krankenhausabteilungen.
– Eigene Budgetposten für die ärztliche Ausbildung.

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